Haßfurt

Ebay-Betrüger zeigt sich selbst an

Ein 37-Jähriger hatte offenbar aus Reue oder aus Angst Gewissensbisse bekommen. Er gab seine Verfehlungen zu und kassierte eine zweimonatige Bewährungsstrafe mit der Auflage, zur Schuldnerberatung zu gehen.
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Symbolbild  Foto: Friso Gentsch, dpa
Symbolbild Foto: Friso Gentsch, dpa
Dass ein Ebay-Betrüger Gewissensbisse kriegt und sich daraufhin selbst anzeigt, kommt auch nicht alle Tage vor. Aufgrund der Selbstanzeige eines 37-jährigen Arbeiters jedenfalls kam es zu der Verhandlung am Amtsgericht in Haßfurt.

Mehrfach vorbestraft
Da der Angeklagte bereits mehrfach einschlägig vorbestraft ist, verhängte das Gericht eine zweimonatige Freiheitsstrafe, verbunden mit diversen Auflagen wie dem Gang zur Schuldnerberatung.

Das Problem des alleinerzie henden Mannes lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Er hat einen Sack voll Schulden. Als vage Summe seiner Verbindlichkeiten gab er knapp 50.000 Euro an. Obwohl er eine feste Arbeitsstelle in einer Fabrik und damit einen monatlichen Lohn von rund 1000 Euro hat, reicht ihm das hinten und vorne nicht aus. Wie er erläuterte, "jongliert" er sein Geld hin und her und stopft auf diese Weise immer nur die größten Löcher.

Üble Trickserei
Ende Juli befand sich der im nördlichen Gebiet der Haßberge lebende Angeklagte wieder mal in einer äußerst brenzligen Lage. Um auf die Arbeit zu kommen, musste er sein Auto reparieren lassen, und zudem drohte ihm der Stromversorger an, den Saft abzudrehen, falls er die längst überfällige Zahlung nicht leistet. Um irgendwie an Bares zu kommen, fiel dem Mann nur ein plumper Ebay-Betrug ein.

1610 Euro abgezockt
Als vorgeblicher Verkäufer stellte er eine hochwertige Digitalkamera ins Netz. Tatsächlich boten mehrere Interessenten den Preis hoch, und ein Fotoliebhaber aus Göttingen erhielt den Zuschlag für 1610 Euro. Der Göttinger zahlte auch zügig, aber der Angeklagte lieferte nichts, weil er die Kamera gar nicht besaß. Der Schwindler entschuldigte sich zwar mehrere Male, aber der Betrogene war natürlich stinksauer. Ob aus echter Reue oder aus Angst, angezeigt zu werden: Der 37-Jährige ging kurz darauf zur Polizeiwache in Ebern und machte die Selbstanzeige.

Acht Vorstrafen hat der Mann auf dem Kerbholz, die Hälfte davon sind Betrugsdelikte. Erst vom Februar datiert die letzte Verurteilung.

Staatsanwalt Christian Lang kreidete ihm diese Betrügereien negativ an, und die Strafrichterin Ilona Conver sprach von einer erheblichen kriminellen Energie, weil die Betrugsmasche im Internet genau geplant gewesen sei.

Neben der Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, verhängte die Vorsitzende Richterin eine ganze Reihe von Auflagen. So muss der Verurteilte sich bei einem Bewährungshelfer melden und mit sämtlichen Unterlagen die Schuldnerberatung aufsuchen.

Ein schwacher Trost
Als Zeichen des "Goodwill" und als teilweise Wiedergutmachung muss er - in monatlichen Raten von 20 Euro - insgesamt 400 Euro an den Geschädigten zahlen, wobei er den gesamten Kaufpreis schuldig bleibt. Vielleicht kriegt der Mann endlich die Kurve, jedenfalls nahm er dankbar das Urteil an und verabschiedete sich vom Staatsanwalt per Handschlag.

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