Haßfurt
Strafprozess

Droh-SMS bringt Geldstrafe ein

Das Haßfurter Amtsgericht verurteilte einen 21-Jährigen, weil er seinem in Haft sitzenden Bruder helfen wollte. Der Versuch, einen Zeugen in einem anderen Verfahren einzuschüchtern, ging nach hinten los.
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Foto: Christopher Schulz (Symbolfoto)
Foto: Christopher Schulz (Symbolfoto)
Falsch verstandene Unterstützung für seinen etwas älteren Bruder brachte einem 21-jährigen Mann aus dem nördlichen Kreis Haßberge vor Gericht eine Geldstrafe von 800 Euro ein. Schuld war eine bedrohliche SMS, die er an einen Zeugen schrieb, um diesen eventuell in seiner Aussage gegen seinen Bruder, dem versuchter Totschlag vorgeworfen wird, zu beeinflussen. Der Bruder befindet sich gegenwärtig in Haft.
Wie Staatsanwalt Arno Ponnath beim Prozess vor dem Amtsgericht in Haßfurt darlegte, hatte der Angeklagte im März 2014 an einen Zeugen, der in einem Ermittlungsverfahren gegen seinen Bruder, der einen Kontrahenten im Kreis Coburg mit einem Messer traktiert hatte, folgende SMS geschrieben: "Schönen Gruß von meinem Bruder, wenn dieser wieder rauskommt, bist du tot, du Verräter." Der Bruder des Angeklagten sitzt gegenwärtig in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth wegen Verdachts des versuchten Totschlags, erläuterte
der Anklagevertreter. Die Tathandlung des 21-Jährige stelle eine Bedrohung mit einem Verbrechen dar.

"Tut mir leid"

Auf die Frage von Richter Martin Kober, ob er sich äußern wolle, antwortete der mit seinem Verteidiger Freiherr Albrecht von Imhoff erschienene Angeklagte: "Na ja, tut mir leid. Ich habe das geschrieben, dumme Sache von mir, war halt etwas sauer gewesen."
Der Richter stellte fest, dass für den Angeklagten das Bundeszentralregister drei Einträge aufwies, einmal wegen Bedrohung und zweimal wegen gefährlicher Körperverletzung. Deshalb musste er auch schon einen Jugendarrest absitzen.
Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe skizzierte die Familiensituation des Angeklagten. Der Angeklagte habe offensichtlich zu seinem Bruder gestanden, habe aber mittlerweile eingesehen, dass dieser ihm hinsichtlich der Messerattacke nicht die Wahrheit gesagt habe. Auch die Voreinträge des Angeklagten im Bundeszentralregister seien im Zusammenhang mit seinem Bruder zu sehen. "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich der Angeklagte nun etwas von seinem Bruder distanziert hat", sagte der Jugendgerichtshelfer. Er schlug vor, für den Angeklagten das Jugendstrafrecht anzuwenden und zu einer Bestrafung zu kommen, die seiner beruflichen und persönlichen Situation angemessen sei. Franz Heinrich stellte fest, dass sich der Angeklagte beruflich bewährt habe.

"Sehr gut erläutert"

Staatsanwalt Arno Ponnath forderte in seinem Plädoyer unter Anwendung des Jugendstrafrechtes eine Geldauflage von 1000 Euro und 40 Sozialstunden. Der Verteidiger des 21-Jährigen lobte den Vortrag der Jugendgerichtshilfe. "Sie haben den Hintergrund sehr gut erläutert, dafür bin ich Ihnen dankbar". 500 Euro hielt Rechtsanwalt von Imhoff angesichts der finanziellen Lage seines Mandanten für angemessen und auch einige Arbeitsstunden.
"Sie haben in falscher Hoffnung diese SMS geschrieben, um für ihren Bruder wegen des Messerstichs etwas herauszuholen", sagte Richter Martin Kober. Er verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 800 Euro, die er bis Ende Mai dieses Jahres an den Fonds Jugendhilfe im Haßbergekreis zu zahlen hat. Der Richter stellte noch fest, dass er die SMS als "jugendtypisches Handeln" bewertet. Eine Geldauflage sei ausreichend, da sich er Angeklagte einsichtig gezeigt habe. Dieser verzichtete auf Rechtsmittel. Das Urteil ist rechtskräftig.
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