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Ebern
Mundart-Rallye

Drei fränkische Schlitzohren ließen aufhorchen

Fränkische Originale sorgten in Eberner Gasthäusern für urige Unterhaltung und tiefschürfende Antworten auf Fragen, die bislang noch keiner gestellt hatte.
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Bamberger Urgestein sowie einstiger Basketball-Nationalspieler und Schulmastä: Wolfgang Reichmann.
Bamberger Urgestein sowie einstiger Basketball-Nationalspieler und Schulmastä: Wolfgang Reichmann.
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Gerammelt voll war es in Eberner Restaurants am Samstagabend. Aufgetischt wurde beim Peppo, im "Stadl" und in den Frankenstuben Kulinarisches für den Gaumen sowie drei Gänge fränkischer "Gschichtli" für die heitere Seele. "Mundart-Rallye" mit Wolfgang Reichmann, Günter Stock und Wilhelm Wolpert stand ganz groß auf der Speisekarte, ohne Wenn und Aber.

Nach Autorenlesung und Kriminacht in den vergangenen Jahren wollte Buchhändlerin Ursula Gräbe mal ein anderes Veranstaltungsformat für den fränkischen Humor anbieten. "Drei Franken, die rennen halt heute durch Ebern", so Ursula Gräbes Kurzbeschreibung des Abends vorweg.

Laut den Ausführung des waschechten, gebürtigen Bamberger Zwiebeltreters Wolfgang Reichmann, der nicht nur ehemaliger Bundesliga-Basketballer, Nationalspieler und "königlich bayerischer Lehrer" (auch in Reckendorf), sondern auch als Sportreporter für den Bayerischen Rundfunk tätig war, stammt die Idee der Mundart-Rallye von Wilhelm Wolpert: "In einer alkoholgeschwängerten Atmosphäre hat der mir das mal erklärt. Ist wie Rotation, hat er gesagt. Das kannte ich ja aus dem Fußball", kann sich Wolfgang Reichmann noch an die Anfänge der fränkischen Mundart-Rallye erinnern.

Seit Jahren hat sich dieses Format zu einem richtigen Kult entwickelt und Reichmann ist stolz, dass er mitmachen darf: "Eine klasse Einrichtung, ich hab so viel Spaß, wenn die Leute um mich herum mitlachen."
Mit den News aus seinem "Bamsdorf" war der Preisträger des "Frankenwürfels" in dieser illustren Runde präsent und zählte auf sein Publikum: "Sie sind ja heute nicht umsonst da!"

Gesagt, getan - die Besonderheit seines ganz persönlichen Frankenwürfels haben die Damen und Herren schnell erkannt: "Wir Franken sind nämlich die einzigen, die wissen, dass Zwei eine gerade Zahl ist."

Seine Heimatzeitung, den "FT", ausgeschrieben "FehlerTeufel", studiert Reichmann täglich und sammelt dabei die besten Schlagzeilen, schließlich war seine Schwester und sein Schwhager auch Jahrzehnte lang FT-Redakteure. Beispiel: Die Armleuchter kommen weg. "Na bravo", dachte sich Reichmann dabei voller Freude, "jetzt lösen sie endlich den Stadtrat auf."


Clubfußballer als Radfahrer

Aus dem Nähkästchen seiner Tätigkeit als Sportreporter verriet er so manches Geheimnis: "Beim Club in Nürnberg im Training fahren sie jetzt übrigens seit längerem nur noch Fahrrad. Dass sie das Auf- und Absteigen besser lernen."

Nicht nur beim Fußball, sondern auch in Sachen Trendsport ist Reichmann Experte. "Bungee-Jumping unplugged" nämlich ist das Springen "mit ohne Seil. Hat aber dann Ärger gegeben wegen den Zehnerkarten."
40 Minuten hatten Reichmann, Wolpert und Stock an diesem Abend in jedem Restaurant, um ihre Witzchen an den Mann und die Frau zu bringen. Wilhelm Wolpert aus Haßfurt verschaffte sich gleich zu Beginn einige Vorteile mit einem Kompliment: "So schöna Wirtshäuser ham mir in Haßfurt ned!"

Dann zog er ab über die "Fregger und Freggera" und das Möbelhaus in Haßfurt, das jede Woche Geburtstag hat und "wenn das nicht, dann feiern sie grad Neueröffnung": "Fränkisch übern Tisch gezogen", fiel ihm da nur ein.
Wilhelm Wolpert plauderte auch von aufrichtigeren Erfahrungen: "Ich hab nicht lauter so Lumpenbüchli, sondern auch ein frommes Gebetsbuch gschrieben. Dazu habe ich auch Rückmeldung bekommen. Von zwei evangelischen Bischöfen", erzählte Wolpert und hielt kurz inne: "Von unseren Bischöfen kam noch nix. Dauert vielleicht noch."

Mit dem Alter ist Wolpert, dem bereits im Jahr 2007 der Frankenwürfel verliehen wurde, auch manchmal Opa geworden. So entstanden die Zeilen über einen "wirklich gscheiten Bu", dem er erklärte, dass sein Hirn im jungen Alter noch nicht in seinem "Wisserla" ist.


Mit den Enkeln kann er's

15 Mundartbücher hat Wolpert geschrieben, sogar einen Mundart-Gottesdienst hat er in Haßfurt schon gemacht. Dass damit aber noch nicht Schluss ist, weiß er jetzt schon: "Ein Oma-Opa-Enkelesbüchla kommt noch. Des macht mir so viel Freud mit den Enkerla", schwärmt der Autor für ostunterfränkische Mundart.

Der Dritte in der Runde der Eberner Mundart-Rallye war das "Weinbäuerle" alias Günter Stock aus Würzburg, der Bürgermeister der Gemeinde Margetshöchheim war und als Büttenredner aus der fränkischen Fastnacht bekannt ist. Sein Erzeugerpreis bei der Flasche Wein liegt bei zwei Euro. Für fünf Euro verkauft er die Flasch', "von dena drei Prozent lässt es sich ganz gut leben", ratschte Stock zufrieden. Gleicher Meinung mit seinem Nachbarn in Sachen Bankgeschäfte ist er hingegen nicht: "Der hat sein ganzes Geld unterm Kopfkissen. Aber für mich ist dieses Homebanking nichts, außerdem mag ich nicht so hoch liegen."

Günter Stock war als SPD-Kommunalpolitiker aktiv und ärgerte sich immer, wenn die CSU bei einer Wahl wieder mit 72 Prozent gewonnen hatte. "Der Skandal daran aber war, dass die Wahlbeteiligung nur bei 60 Prozent lag."
Genug der Mathematik, jetzt zu weltlichen Themen. Auch Stock hat einen runden Atlas, "Globus heißt das", daheim. Einst fragte er seine Frau, sein Kunnerlä, ob sie mal eine Weltreise machen wollten. "Ach geh zu", antwortete das Kunnerlä, "mir fliegen mal woanners hin, auf die Salmonellen zum Beispiel. Oder weißt du, wo die Bermudas sind?"

Stock antwortete seiner Frau ganz entsetzt: "Weiß ich doch net. Du räumst doch immer alles auf." Lustig, lecker, lauschig gemütlich - ein entspannter Abend für die Gäste und alle Beteiligten.
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