Die Fahrt an diesem 16. August letzten Jahres von Baunach nach Ebern auf der B 279 wird die 42-jährige Frau wohl nicht so schnell vergessen. Selbst mit einem kleinen VW Polo unterwegs, fuhr vor ihr ein schwerer Betonmischer. Aufgrund des ständigen Gegenverkehrs konnte sie nicht überholen. Aber hinter ihr rückte ihr ein anderer Lkw-Fahrer derart dicht auf die Pelle, dass ihr himmelangst wurde.

Als Zeugin vor dem Strafgericht erklärte sie, dass sie mit einer Geschwindigkeit von 70 oder 80 km/h unterwegs gewesen sei. Immer wieder sei der Lkw ganz dicht aufgefahren - so nahe, dass sie zeitweise nicht einmal das Nummernschild des Brummis erkennen konnte. In ihrer Verzweiflung rief die Frau mit ihrem Handy sogar ihren Mann an und bat ihn - freilich vergeblich - um Hilfe.

An die Hausmauer?


Als besonders bedrohlich empfand sie die Situation, als der Drängler in Reckendorf hinter ihr ausscherte und fast schon auf einer Höhe mit ihr war. Rechterhand war die Hausmauer - wenn jetzt einer entgegenkommt, schoss es der Fahrerin durch den Kopf, ist alles zu spät. Zum Glück bremste der Brummi-Fahrer rechtzeitig wieder ab - und bedrängte sie nach der Ortschaft aufs Neue.

Da wurde es der Frau, die sich als nicht besonders ängstlich bezeichnete, doch zu bunt und sie verständigte telefonisch die Polizei. Das traf sich gut, denn die Herren in Grün waren gerade mit einer Lasermessung in einer Parkbucht beschäftigt, an der alle vorbeikommen mussten. Also winkten sie die Beteiligten heraus und protokollierten den Vorgang.

Unter Termindruck


Der 23-jährige Angeklagte aus dem Eberner Raum ist als Berufskraftfahrer tätig. Der junge Mann machte nicht den Eindruck eines Verkehrsrowdys und hat sich noch nie etwas zuschulden kommen. Er entschuldigte sein Verhalten damit, dass er infolge Termindrucks sehr in Eile gewesen sei. Er beteuerte, dass bei ihm keine böse Absicht im Spiel gewesen sei. Bei der Autofahrerin entschuldigte er sich im Gerichtssaal.

Trotzdem war, wie auch sein Anwalt Thomas Reinhard zugestand, das Verhalten seines Mandanten nicht korrekt. Da er aber keine konkrete Gefährdung des Straßenverkehrs erkennen konnte, schlug er die Einstellung des Verfahrens gegen eine kleine Geldbuße vor. Das hätte für den Angeklagten bedeutet, dass es weder zu einer Verurteilung noch zu einem Punkteabzug in Flensburg gekommen wäre.

Damit aber zeigte sich Staatsanwalt Norbert Spintler nicht einverstanden. Er kam dem reuigen Verkehrssünder nur insoweit entgegen, als er den vorher ergangenen Strafbefehl geringfügig nach unten korrigierte. Wegen Nötigung verurteilte Richter Roland Wiltschka den Kraftfahrer zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen á 30 Euro. Fünf Punkte in Flensburg kommen automatisch hinzu, ein Fahrverbot allerdings wurde nicht verhängt. Der Verurteilte sollte sich den Denkzettel zu Herzen nehmen, sagte der Vorsitzende abschließend.