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Ebern
Nacht-und-Nebel-Aktion

Diplomatisches Gerangel um einen Maibaum

Die Treinfelder Feuerwehr nutzt die Gunst der Stunde und die Blaulicht-Party der Eberner Kollegen, um deren Stamm zu entführen.
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Mit Muskel- und Manneskraft stellten die Eberner Feuerwehrler letztlich doch noch ihren Baum auf.
Mit Muskel- und Manneskraft stellten die Eberner Feuerwehrler letztlich doch noch ihren Baum auf.
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Diebstahl ist keine Gaudi. Und auch einen Maibaum-Klau finden nicht alle der Beteiligten spaßig. Dabei freuten sich die Mannen der Treinfelder Feuerwehr diebisch, als sie Samstagnacht, kurz nach Mitternacht, den Eberner Maibaum-Stamm aus dem städtischen Bauhof entführt hatten. Was den Ebernern sauer aufstieß: Sie nahmen nicht nur den Stamm, sondern den kompletten Wagen mit.

Ein Unding, schimpften einige Eberner, als sie am Abend ihr Prachtstück dann doch wie geplant in die Senkrechte gehievt hatten.

Eberns Feuerwehr-Leute fühlten sich nicht als Gehörnte. Schließlich sei der Maibaum eine Angelegenheit der Stadt, bekamen die Entführer aus Treinfeld zu hören, als sie am Samstag das Lösegeld einforderten und über die Herausgabe des Beutegutes verhandeln wollten.


Zwar hatte die Eberner Feuerwehr selbst noch angekündigt, dass heuer ein neuer Stamm zum Einsatz kommt, der erst noch trocknen sollte, weil frisch entrindet, um ihn dann in den fränkischen Farben anzupinseln.
Doch als die Treinfeld ironisch nach der Farbe fragten, bekamen sie trocken die Antwort, sie sollten sich an den Bürgermeister wenden.


Für Gewerkschaft eingesprungen

Dazu muss man wissen, dass die Maifeier einst als (kämpferische) Gewerkschaftsveranstaltung abgehalten wurde und der städtische Bauhof dazu den Baum aufstellte. Das DGB-Ortskartell existiert zwar noch, aber "nur auf dem Papier", wie Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) auf Nachfrage erklärte. "Die zentrale Maikundgebung des DGB findet jetzt nur noch in Sand statt."

Um aber die Tradition der Maifeier auf dem Eberner Marktplatz nicht sterben zu lassen, war vor Jahren schon die Feuerwehr als Organisator eingesprungen.

Die Nachricht vom erfolgreichen Beutezug der Treinfelder verbreitete sich ab Samstag wie ein Lauffeuer über www.infranken.de, über Facebook und in diversen Feuerwehr-Foren und am Lagerfeuer vieler anderer Wehren. Die listigen Diebe hatten ihren Plan am Freitagabend nach einer Leistungsprüfung in Treinfeld ausgeheckt, vermutlich ahnend, dass sie auf geringen Widerstand stoßen, da Eberns Feuerwehrler zur gleichen Zeit eine Blaulicht-Party im Tanzcenter Kaiser abfeierten. Der Diebstahl war also ein Klacks, nachdem man über die Baunachwiesen in den Bauhof eingedrungen war.

Der noch nicht fränkisch rot-weiß lackierte und nur zum Teil geschmückte Stamm stand zur Mitnahme bereit. "Der war auf einem Wagen festgezurrt, wir mussten den nur rausschieben", schmunzelt Stefan Horn. Bis zur Hetschingsmühle zog sich die geräuschlose Nacht-und-Nebelaktion hin. Dort wartete Silke Schramm mit dem Traktor, die ihre erste Vario-Fahrt unternahm, "weil nüchtern". Und ab durch die Mitte: "Als wir die Landesgrenze erreicht hatten, waren wir schon erleichtert", erzählt Patrick Bock, der sich wunderte, wie leicht es ihnen die Eberner gemacht hatten. Nur im heimatlichen Lind "hat uns einer gefilmt".

Das Beutestück wurde in einer Halle versteckt. Um 11.30 Uhr begannen die Verhandlungen über die Übergabe-Modalitäten, was sich gar nicht so einfach gestaltete. Zunächst wurde der Stamm vermessen: 18 Meter lang. "Für jeden Meter zehn Liter Bier", hallte es als Forderung aus der Menge. "Ein Grillfest mit entsprechend viel Bier", einigte man sich aber schnell, zumal man sich streng an den Baumklau-Knigge gehalten hatte, der im Fränkischen Tag nachgelesen worden war.

Als Michael Streng den Vorsitzenden des Eberner Feuerwehrvereins, Anton Gerstenkorn, anrief, erwischte er ihn auf der Baustelle seinen neuen Heimes und auf dem falschen Fuß. Er erklärte sich für nicht zuständig. "Ihr müsst' den Bürgermeister anrufen." Die Treinfelder kamen schnell zu dem Schluss: "Typisch Ebern, keiner zuständig."

Und Bürgermeister Hennemann erwies sich als schwieriger Gesprächspartner. "Ich drohte wegen des Diebstahls erst mit der Polizei", umriss er seine Strategie. "Ich wollte aus einer Position der Stärke heraus verhandeln." Hennemann verwies auf den Raub des Wagens und forderte, dass die Treinfelder den Stamm aus eigenem Antrieb zurückbringen sollten - und bot ihnen sogar an, ihn in Ebern aufzustellen.


50 Liter Bier und Brotzeit

Dabei biss er aber auf Granit. Letztlich einigte man sich darauf, 50 Liter Bier und eine gemeinsame Brotzeit als Auslöse zu spendieren. Eine außerplanmäßige Haushaltsüberziehung.

Die vielen neugierigen Besucher am Marktplatz wurden also nicht enttäuscht, denn die Spannung war förmlich greifbar gewesen. "Habn wir nun aan Baam, oder habn wir kaan?", lautete die meist gestellte Frage.

Aufgestellt wurde am Samstagabend allein mit vereinter Muskel- und Manneskraft ein ziemlich "nackerter" Stamm. Für den geplanten Anstrich hatte den Gelackmeierten zunächst das gute Stück und dann die Zeit gefehlt.

Erst gegen 16.30 Uhr war der Maibaum in Treinfeld abgeholt worden - mit einem Traktor aus Heubach.

Auch die Zunftzeichen blieben ziemlich blass. Aber die haben sowieso bald ausgedient, da sie durch die Dorfwappen ersetzt werden sollen.

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