Haßfurt
Schule

Digitale Medien im Unterricht

Niemand kommt mehr ohne Digitale Medien aus. Auch in der Schule sollen diese nun Einzug erhalten. Am Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt fand für Lehrer der erste Kongress zu diesem Thema statt: "DigiLern Haßberge".
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Durch "Be-Greifen" lernen - wie das geht, zeigt beispielsweise der Lego-Roboter. Der muss erst zusammengebaut, dann programmiert werden. Analoges und digitales Arbeiten werden zu einem Lernprozess. Fotos: Sabine Weinbeer
Durch "Be-Greifen" lernen - wie das geht, zeigt beispielsweise der Lego-Roboter. Der muss erst zusammengebaut, dann programmiert werden. Analoges und digitales Arbeiten werden zu einem Lernprozess. Fotos: Sabine Weinbeer
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"Das sind eigentlich nicht meine Fächer, aber das hat mein Interesse geweckt", erklärt Paulina Heumann in einer Gesprächsrunde zur Nachbereitung des "DigiLern Haßberge". Der Kongress war eigentlich als Fortbildung für Lehrkräfte angelegt, doch auch die Schüler, die in die Gestaltung des Tages eingebunden waren, haben sich faszinieren lassen. "Bitte, Frau Eirich, können wir künftig auch so lernen?", diese Frage sei in der Folge immer wieder an sie gerichtet worden, so die stellvertretende Schulleiterin des Regiomontanus-Gymnasiums und Vorsitzende des Arbeitskreises Schulentwicklung Haßberge, der den Kongress entwickelte.

Digitale Medien für den Unterricht

Digitale Medien für einen anschaulichen, lebendigen Unterricht nutzen, das ist ein Leib- und Magenthema von Maria Eirich und sie hat Gleichgesinnte an vielen Schulen des Landkreises. Gemeinsam stellten sie den Kongress "DigiLern Haßberge" auf die Beine und das Echo bei den Lehrkräften war enorm. "Wir alle wissen, dass es da enorme Möglichkeiten gibt, aber wir können noch zu wenig", so Eirich. Deshalb waren auch die Workshops besonders gut gefüllt: Den Lehrkräften wurde vermittelt, wie man sich digital organisiert und wie man digitale Lernmittel anfertigt.

"Wir alle tragen Hochleitungscomputer in der Hosentasche mit rum, warum die nicht im Unterricht nutzen", fragt Maria Eirich. Dass das nicht bedeutet, dass künftig jeder Schüler nur noch auf Tablet oder Smartphone herum wischt, statt einem gemeinsamen Unterricht zu folgen, das zeigte auch Professor Christian Spannagel auf. Der Mathematik-Professor setzte sich in seinem Eingangsreferat mit den "Zehn Irrtümern über digitale Medien im Unterricht" auseinander. Dabei macht er deutlich, dass wie bei jeder technischen Neuerung Missionare und Blockierer aufeinander treffen und beide Seiten Irrtümern aufsitzen.

Falsch sei die Annahme, dass Schüler als "Digital Natives" keinen Informatik-Unterricht mehr brauchen. Schließlich brauchten auch deutschsprachige Schüler Deutsch-Unterricht. Ein Gerät oberflächlich benutzen zu können, bedeute noch nicht, dass man auch weiß, wie man damit strukturiert arbeitet, wie man es als Werkzeug einsetzt. Die Vermittlung dieser Kompetenzen ist wichtig für die Schüler, denn für die digitale Welt zu lernen bedeute, mündige Bürger zu werden. "In der digitalen Welt muss ich verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen, muss wissen, was möglich ist durch Datenauswertung", betonte Spannagel.

Grundkenntnisse müssen da sein

Er betonte ebenso, dass der Lernprozess entscheide, wo und wann digitale Medien eingesetzt werden. Bestimmte Grundfähigkeiten müssten zunächst eingeübt sein, das gelte ebenso wie beim Einsatz des Taschenrechners. Doch dann böten sich auch tolle Möglichkeiten, etwa in der Geometrie, wo Bezugspunkte dynamisch verändert werden können, ohne zehn verschiedene Zeichnungen anfertigen zu müssen. "Da kann man selbst erleben wie die Parabel sich verändert, dass ist anders, als wenn der Lehrer an die Tafel malt", so Celine Lechner in der Nachbesprechung.

Videos von Vorlesungen oder Unterrichtsstunden würden Lehrer nicht ersetzen, erklärte Professor Spannagel "aber sie können den reinen Input vorverlagern und die Stunde kann gemeinsam mit dem Lehrer oder Professor für Nachfragen und das Einüben verwendet werden". Vor dem Versagen der Technik müsse man keine Angst haben, so Spannagel, dem selbst das Programm während des Vortrages abstürzte. Es sei ein toller Prozess, ein solches Problem gemeinsam mit den Schülern zu lösen. "Wir alle dürfen da keine falsche Scheu haben", sagt Alexandra Weber, die versucht die Möglichkeiten in ihrem Unterricht schon jetzt auszunutzen.

Grenzen gibt es allerdings derzeit viele. Da sind einerseits Fragen, die den Datenschutz und das Urheberrecht betreffen. Andererseits die Ausstattung der Schulen. Paul Mentzel nahm für die Schüler an der abschließenden Podiumsdiskussion teil, bei der klare Aufforderungen an das Kultusministerium formuliert wurden.

Lehrplan muss angepasst werden

Die Schulen brauchen für einen solchen Unterricht nicht nur die technische Ausstattung, sondern auch Materialien, die Lehrplan-konform sind. Außerdem braucht es dann neben dem Hausmeister einen Netzwerkadministrator. Das dies der Informatik-Kurs "Netzgänger" - wie in Haßfurt - übernimmt, ist auf Dauer nicht machbar.
Dass die Lehrer entdeckt haben, welche Potentiale für einen packenden und anschaulichen Unterricht in "DigiLern" stecken, das zeigte die Teilnahme an der Fortbildung, für die Maria Eirich und ihr Team vom Arbeitskreis Schulentwicklung viele Fachleute und Firmen gewinnen konnten. Die Rückmeldung der Lehrer war ausgesprochen positiv, sowohl die Workshops, als auch der "Markt der Möglichkeiten" boten geballte Information. "Die Schulen im Landkreis Haßberge sind da schon relativ weit", so Eirichs Erfahrung. Der Kongress zeigte, dass noch viel mehr wachsen kann.


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