Haßfurt
Aktionstag

Die eine Nummer für den Notfall

Rettungsdienst, Notarzt oder Feuerwehr ruft man über die 112 zu Hilfe. laut Rotkreuz-Kreisverband haßberge ist dies Nummer europaweit kostenlos erreichbar.
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Egal ob vom Festnetz oder vom Mobiltelefon aus - die 112 ist in ganz Europa die einheitliche Notrufnummer für Rettungsdienst und Feuerwehr. Sie ist von allen Telefongeräten aus kostenlos zu erreichen.  Foto: Michael Will / BRK Haßberge
Egal ob vom Festnetz oder vom Mobiltelefon aus - die 112 ist in ganz Europa die einheitliche Notrufnummer für Rettungsdienst und Feuerwehr. Sie ist von allen Telefongeräten aus kostenlos zu erreichen. Foto: Michael Will / BRK Haßberge
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In Dänemark steht "Alarm", in Litauen "Nelaimè" und in Italien "Emergenza" für das Wort Notruf. Aber es gibt nur eine Notrufnummer: die 112. Schon die Kleinsten im Kindergarten lernen in Deutschland: Der Notruf 112 sorgt für schnelle Hilfe im Notfall. Zum "Internationalen Tag des Notrufs" am heutigen Samstag, 11. Februar, macht der Kreisverband Haßberge des Bayerischen Roten Kreuzes deutlich, wann man die 112 wählen sollte, wer am anderen Ende der Leitung sitzt und welche anderen Telefonnummern ebenfalls wichtig sind.


In 38 Ländern gültig

Mittlerweile ist sichergestellt, dass Hilfesuchende in 38 Ländern Europas unter der einheitlichen Notrufnummer 112 die Notrufzentralen der Rettungsdienste erreichen. "Mit dieser identischen Notrufnummer ist der Notruf ein europaweites Symbol der Hilfe", sagt BRK-Präsident Theo Zellner.

Allerdings weiß Erhebungen zufolge nur ein Viertel der Deutschen, dass sie über die 112 in allen Mitgliedstaaten der EU die Notrufzentralen der Rettungsdienste kostenlos erreichen. Um den Bekanntheitsgrad der 112 zu erhöhen, wurde der "Tag des Notrufs" eingeführt, teilt Michael Will für den BRK-Kreisverband Haßberge mit.


176 000 Hilfe-Rufe

2016 wurde der Notruf in der Region Main/Rhön rund 176 000-mal gewählt, informiert Klaus Wörner, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt. Bei der ILS gehen alle Notrufe aus dem Landkreis Haßberge ein, von hier aus werden die Rettungsdienste alarmiert.

Im Januar 2017 haben deren Mitarbeiter 14 800 Notrufe bearbeitet. Das Einsatzgebiet der ILS Schweinfurt ist neben der Stadt und dem Landkreis Schweinfurt für die Landkreis Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld zuständig. Das Einzugsgebiet ist rund 4000 Quadratkilometer groß und damit der drittgrößte ILS-Bereich in Bayern. Fast 432 000 Menschen leben hier.

Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr stehen 32 haupt- und 21 nebenamtliche Mitarbeiter in der ILS bereit, um telefonische Hilfeersuchen anzunehmen und nach der Notrufabfrage alle nötigen Schritte in die Wege zu leiten. Dabei alarmiert und koordiniert die ILS Schweinfurt nicht nur die Einheiten des Rettungsdienstes, sondern auch Feuerwehr, Technisches Hilfswerk sowie den Katastrophenschutz.
Welche Beschwerden sind ein Notfall? Wann sollte man die 112 anrufen? Immer dann, wenn es lebensgefährlich wird. "Dazu gehören schwere Unfälle, Feuer, Vergiftungen, Schmerzen in der Brust, Störungen der Sprache, Lähmungserscheinungen, Störungen des Bewusstseins, Kreislaufkollaps, Atemnot, starker Blutverlust, starke Schmerzen und andere lebensbedrohliche Situationen", erklärt Ingo Schmidt-Hammer, stellvertretender Chefarzt des BRK-Kreisverbandes Haßberge.


In der Zentrale

Sämtliche Notrufe aus den Haßbergen unter der 112 laufen bei der Integrierten Leitstelle für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung in Schweinfurt auf. Die Disponenten, die alle eine rettungsdienstliche und feuerwehrtechnische Ausbildung haben, fragen am Telefon die wichtigsten Daten ab. Dazu gehört, welcher Notfall sich wo ereignet hat, welche Verletzungen oder Erkrankungen vorliegen, wie viele Personen verletzt/erkrankt sind und wer den Notruf meldet. "Danach sollte man nicht auflegen, sondern Rückfragen der Leitstelle abwarten", betont Klaus Wörner. Gefragt wird auch nach einer Rückrufnummer; sie wird benötigt, wenn die Einsatzkräfte den Notfallort nicht finden oder es im Einsatzverlauf zu Rückfragen kommt.

Je nachdem, welches Meldebild sich aus einem Notruf ergibt, werden Rettungseinheiten alarmiert. Der Disponent in der ILS entscheidet aufgrund bestimmter Stichworte, ob ein Rettungswagen, ein Rettungswagen und ein Notarzt oder ein Krankentransportwagen ausrücken muss. Handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, trifft ein erstes Rettungsmittel in den allermeisten Fällen nach maximal zwölf bis 15 Minuten beim Anrufer ein.

Im Landkreis Haßberge gab es 2016 alleine 2739 Notarzteinsätze, wie Christoph Grimmer, Leiter Rettungsdienst beim BRK-Kreisverband Haßberge, erläutert. Hinzu kamen 1282 Notfalleinsätze ohne Notarzt, 5885 Krankentransporte und 4505 sonstige Einsätze (Hilfeleistungen ohne Transport in ein Krankenhaus, Fehleinsätze oder Einsätze von Schnelleinsatzgruppen (SEG) im Rahmen des Katastrophenschutzes).
Die BRK-Rettungsfahrzeuge legten knapp 554 000 Kilometer zurück - fast 14 Umrundungen der Erde. Im Januar 2017 mussten die Mitarbeiter des Rettungsdienstes von den vier Rettungswachen in Haßfurt, Ebern, Eltmann und Hofheim aus zu 225 Notarzt-, 118 Notfalleinsätzen sowie 571 Krankentransporten und 409 sonstigen Einsätzen ausrücken, bilanziert Christoph Grimmer.
Bis bei einem Notruf alle notwendigen Daten durch den Disponenten abgefragt sind, vergeht nicht einmal eine Minute. Anschließend werden die Rettungsdienst-Einheiten alarmiert.
In lebensbedrohlichen Fällen leiten die Disponenten in Erster Hilfe an. So wurde laut Klaus Wörner bei der Leitstelle Ende 2013 die so genannte telefongestützte Reanimation eingeführt. Meldet ein Anrufer eine Person, die bewusstlos ist und nicht mehr atmet, leitet der Disponent den Notrufteilnehmer zur Herz-Lungen-Wiederbelebung an und erklärt Schritt für Schritt, was zu tun ist. Schon zu Beginn eines solchen Gesprächs werden parallel ein Rettungswagen und ein Notarzt alarmiert. Der Disponent hält bis zum Eintreffen der Retter Kontakt zum Anrufer.
Doch nicht immer handelt es sich um lebensbedrohliche Notfälle. In vielen Fällen geht es nicht um Minuten, da reicht es aus, den Ärztlichen Bereitschaftsdienst zu rufen. Das hilft, die Notfallretter zu entlasten, wie BRK-Landesarzt Peter Sefrin aus Würzburg sagt. "Bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden hilft der Hausarzt oder - wenn dieser nicht dienstbereit ist - der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 - die kostenfreie bundesweite Bereitschaftsdienstnummer."
Der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ist für Patienten gedacht, die außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes eine dringende ambulante Behandlung benötigen - sich aber nicht in einer lebensbedrohlichen Situation befinden. Neben einer Bereitschaftsdienstpraxis am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken bietet die KV einen Hausbesuchsdienst an. Die Vermittlungsnummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist der richtige Kontakt etwa bei hohem Fieber in der Nacht oder einer akuten Magenverstimmung am Wochenende.

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