Knetzgau
Hassberge-Tracht

Die Tracht für die Frauen im Landkreis Haßberge

Nach fünf Monaten stellten sich die Frauen vor, die sich die neue Haßberge-Tracht genäht haben. Schloss Oberschwapach stellte die ideale Kulisse.
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Alles selbst gefertigt: Irmgard Karbacher, Sigrid und Franziska Schlemmer sowie Doris Hornung präsentieren stolz ihre Festtagstracht, die eine besonders schöne Stickerei am Mieder-Ausschnitt besitzt. Es stellt den sächsischen Rautenkranz vor, ein Element des Wappens des Landkreises Haßberge. Foto: Barbara Herbst
Alles selbst gefertigt: Irmgard Karbacher, Sigrid und Franziska Schlemmer sowie Doris Hornung präsentieren stolz ihre Festtagstracht, die eine besonders schöne Stickerei am Mieder-Ausschnitt besitzt. Es stellt den sächsischen Rautenkranz vor, ein Element des Wappens des Landkreises Haßberge. Foto: Barbara Herbst
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"Tracht ist nicht nur ein Gewand, sondern das Tragen wird mit Stolz und Ehre verbunden", beschrieb die Kulturbeauftragte Renate Ortloff. Mit Stolz und Ehre haben 44 Frauen im Innenhof von Schloss Oberschwappach ihre maßgeschneiderten Haßberge-Trachten präsentiert. Seit eineinhalb Jahren läuft das Projekt "Gemeinsamkeit vollenden - Neue Haßberge Tracht", das nach fünf intensiven Näh-Monaten für die über 40 Teilnehmerinnen erfolgreich endete: Höhepunkt war die Modenschau am Freitag im Beisein von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung.





"Einfach ein Gedicht"

"Wenn man uns anschaut, so Frau für Frau, egal ob rot, grün, gelb oder blau, es sind alle Trachten, jede für sich gelungen, einfach ein Gedicht", Gerlinde Wagner aus Eschenau, eine der Haßberg-Tracht-Frauen hatte es in ihrem Gedicht auf den Punkt gebracht und sich im Namen aller bedankt. Jedes Modell war einzigartig und beeindruckte mit einer ganz persönlichen Note bei der Trachtenschau, die ein Augenschmaus war.

Von historischer Kleidung aus den drei Altlandkreisen Haßfurt, Hofheim und Ebern, Merkmale herausarbeiten, diese in einer Kleidung vereinen und eine zeitgemäße, tragbare Tracht daraus gestalten, das war die Grundlage für das Projekt, wie Renate Ortloff erläuterte. Für die Kulturbeauftragte des Landkreises Haßberge steht der Begriff Tracht für Bekenntnis zu einer Gemeinschaft, Identifikation mit seiner Herkunft und Ausdruck der Liebe zu dieser Region. Kurz: "Textile Wurzel in einer globalen Welt".


Klare Identifikation mit der Region und der Geschichte

Den "Trägerstolz" kennt Ortloff aus ihrer Heimat, der Rhön, und ihr Antrieb war es, einen solchen auch für die Frauen in ihrer neuen Heimat, dem Landkreis Haßberge, zu erschaffen: Sie wurde recherchierte, suchte für das Design und für die historische Richtigkeit fachlichen Rat.

Vier markante Kennzeichen stehen für die Haßberge-Tracht: Die Bluse ist hoch geschlossen, mit Stehkragen oder halsnahem Ausschnitt, der Arm wird nicht geknöpft, sondern ist mit einer Schnur gebunden. Der Rock ist gestiftelt und mit einem Kittelblech versehen. Die Schürze ist schmal gehalten, wird seitlich geknöpft und hat einen Volant. Das Mieder ist eng und glatt. Als besondere Ausschmückung wird der Rautenkranz aus dem Landkreiswappen auf das Mieder gestickt. Zudem sollten die Landkreisfarben rot, grün, schwarz und gelb die vorherrschenden Farben sein.

Zwei Ausfertigungen hat die Haßberge-Tracht: eine Festtags- und eine Werktagsversion. Diese unterscheiden sich in Stoff und Ausführung. Bei der Festtagstracht sind Rock und Mieder einzeln. Das Mieder ist aus Seide, der Rock aus Wolle, die Schürze aus Seide, die Bluse aus Bio-Baumwolle. Bei der Werktagstracht sind Mieder und Rock als Kleid zusammengenäht. Die Machart ist wesentlich schlichter gehalten, wie Renate Ortloff den Gästen erklärte. Stoffe sind hier Leinen und Baumwolle.

Mit Hilfe des Bauernverbandes widmeten sich 44 Frauen aus dem gesamten Landkreis in vier Gruppen in den Nähkursen in Untersteinbach, Untermerzbach und zwei in Haßfurt dem Vorhaben. Am Freitag erhielten die Frauen kräftig Applaus.


Hürden zu überwinden

Es schien nicht immer die Sonne über dem Projekt, wie sie es am Freitagnachmittag tat. Davon berichtete Renate Ortloff auch: Es gab etliche Hürden zu bewältigen. Um an die Leader-Fördergelder kommen zu können, mussten Bedingungen erfüllt werden: Die Teilnehmerinnen sollten ihre Tracht unter Anleitung einer fachkundigen Schneiderin selbst nähen. Ausgearbeitete Vorgaben mussten berücksichtigt und nur bestimmte Stoffe, Farben und Schnitte verwendet werden.

Die gesteckten Ziele, wie eine Identifikation mit der Region schaffen, das bürgerschaftliche Engagement stärken oder eine generationenübergreifende Zusammenarbeit vollenden, habe man erreicht und vollständig erfüllt, erklärte Renate Ortloff stolz. Was der Leader-Koordinator Wolfgang Fuchs bestätigte. Finanzielle Zuwendung gab es zudem seitens der Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken und der Stiftung der Sparkasse Ostunterfranken.

Landrat Wilhelm Schneider dankte auch Anita Wozniak für ihre Designarbeit, der Maßschneiderin Anna Ernst für die professionelle Anleitung der Nähkurse, ebenso Schneiderin Manuela Müller als Fachfrau bei der Gruppe in Untermerzbach, ebenso Christa Lampert, die das erste Werktagstrachtmodell vorstellte.

Für die vier Nähkurse wurden insgesamt 142 Nähstunden abgehalten. Im Durchschnitt hatte jede Teilnehmerin 30 Nähstunden in Anleitung. Zu Hause mussten dann nochmals etwa 20 Stunden gearbeitet werden - darunter war der Rautenkranz, den einige Frauen auf das Mieder gestickt hatten, teilweise mit opulenten Verzierungen.
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