Im Mittelalter trieb die Suche nach dem Stein der Weisen die Wissenschaft an: Die mittelalterlichen Alchimisten waren überzeugt, einen Weg zu finden, um wertlose Stoffe in Gold zu verwandeln. Das geht nicht? Es geht schon. Die Mülldeponie in Wonfurt ist so eine "Goldgrube".

Zwar verwandeln sich die Abfallberge, die dort abgelagert wurden, bis die Müllverbrennungsanlage in Schweinfurt (GKS) in Betrieb ging, nicht in das begehrte Edelmetall. Aber sie liegen auch nicht einfach so in der Gegend herum. Wilfried Neubauer, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes, hat einen Weg gefunden, den Müll zu versilbern. Bis 2006 geschah dies nahezu unsichtbar im Untergrund mit einem Doppelnutzen: Statt das klimaschädliche Deponiegas (Methan) einfach in die Luft zu blasen und so den Treibhauseffekt anzufeuern, sammelten die Müllexperten den brennbaren Stoff in einem Röhrensystem. In einer Turbine wurde das Gas verbrannt, damit Strom erzeugt.


Gärung im Berg



Das Gas entsteht im Inneren des Müllberges durch die Zersetzung der organischen Stoffe im Hausmüll. "Zu Beginn des Deponiebetriebes war die Gasbildung naturgemäß am größten, aber nach einigen Jahren hat das nachgelassen", erklärt Neubauer. Nachschub gibt es nicht mehr: Heute ist die Deponie nur noch für wenige Abfallchargen, die anderweitig nicht verwertet werden können, Endstation (unter anderem Eternit-Dachplatten); Hausmüll wird in Schweinfurt verbrannt, Bio-Abfälle landen auf der Kompostanlage.

Trotzdem wirft die Deponie in Wonfurt Erträge ab: Auf den beiden großen Hallen des Abfallwirtschaftsbetriebes in Wonfurt, der Umladestation und der Wertstoffhalle, wurden Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 100 Kilowattstunden/Peak installiert.


1,7 Hektar groß



In ähnlichen Dimensionen bewegt sich das 1,7 Hektar große Solarkraftwerk auf den Müllbergen selbst, das Ende 2010 ans Netz ging und damit noch ins goldene Zeitalter der Solarförderung rutschte. 1,5 Millionen Euro hat der Abfallwirtschaftsbetrieb in diese Freiflächenanlage investiert. An und für sich will der Gesetzgeber solche Projekte nicht mehr - es gibt schon zu viel Solarstrom in Deutschland.

Deshalb wurde die Förderung für Sonnenkraftwerke auf der grünen Wiese gekappt; die Ausnahme sind Industrie- oder Deponieflächen und die Streifen beidseits von Fernstraßen.

Der Charme der Solaranlage auf der Mülldeponie liegt in der Tatsache, dass sie hinter den Abfallbergen praktisch verschwindet. Das ist auch deshalb ganz gut, "weil wir damit keinen Schönheitspreis gewinnen", wie Neubauer einräumt. Denn die Sonnensegel stehen auf dem Müllberg nicht fein säuberlich in Reih' und Glied.


In Bewegung


An einigen Stellen hat sich die Konstruktion gesenkt und verschoben. Die Ursache liegt im Untergrund: Hier wird zwar kein verwertbares Deponiegas mehr gebildet, die Abbauprozesse "sind aber noch nicht abgeschlossen", sagt Neubauer. Die Folge: "Der Deponiekörper bewegt sich".

Deshalb musste bei der Montage der Solaranlage eine Konstruktion gewählt werden, die Bewegungen mitmacht. "Normalerweise wird das Traggestell fest im Untergrund verankert. Das geht hier nicht", sagt der Werkleiter. Als Stein der Weisen entpuppte sich eine Konstruktion aus Drahtkörben, die zwar improvisiert wirkt, aber auch den Vorteil hat, dass sie sich jederzeit leicht abbauen lässt.