Ebern
Bilanz

Die Liebe zu drei Buchstaben: EBN

Seit April 2014 können Autofahrer aus dem Kreis Haßberge mit ihrem Kennzeichen verdeutlichen, woher sie kommen. Eine Auswertung der Eberner Zulassungsbehörde zeigt, wie viele mit Altkennzeichen fahren.
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Foto: Matthias Einwag Grafik: K. Heim
Foto: Matthias Einwag Grafik: K. Heim
Die Menschen aus Ebern beweisen eines: Sie sind leidenschaftlich und hartnäckig, wenn es darum geht, ihren Willen, ihre Wünsche durchzusetzen. Das trifft sowohl auf die Pläne rund um die geplante zentrale Bereitschaftspraxis mit dem Standort in Haßfurt zu wie auch auf die Situation damals, als es darum ging, sich für die drei Buchstaben, das sogenannte Altkennzeichen "EBN", stark zu machen: Die Eberner lassen nicht locker.
Nach einer erfolgreichen Unterschriftenaktion aus der Bürgerschaft heraus war Rudolf Schmidt deshalb am 1. April 2014 extra schon zwei Stunden früher an seinem Arbeitsplatz anzutreffen, damit auch ja möglichst viele Eberner auf ihr reserviertes Wunsch-Kennzeichen ein amtliches Siegel bekamen.

Rudolf Schmidt arbeitet beim Landratsamt Haßberge im Verkehrswesen, genauer gesagt in der KfZ-Zulassungsstelle in Ebern. Jetzt wollte er es nach fast eineinhalb Jahren Wiedereinführung genauer wissen. Ab und zu fragten die Leute nämlich bei ihm nach, sagt er, wie viele "EBN-ler" es denn jetzt eigentlich gebe. Also hat er seinen Computer mal genaue Zahlen ausspucken lassen und diese über das Soziale Netzwerk Facebook geteilt.


Die Hälfte mit "EBN" unterwegs

Demnach sind nach aktuellem Stand vom 18. November 2015 im Landkreis Haßberge insgesamt 2495 EBN-Kennzeichen und 1293 HOH-Kennzeichen für Hofheim zugelassen. Dazu zählen auch die 350 "echten" EBN- und 262 "echten" HOH-Kennzeichen, schreibt Schmidt in seiner Auswertung. "Echt" bedeutet in diesem Fall, dass die Kennzeichen bereits vor dem Stichtag der Wiedereinführung und noch vor der Gebietsreform aus dem Jahr 1972 zugelassen wurden.

Außerdem gibt es nach Schmidts Auswertung aufgrund der Gebietsüberlagerung der Altkreise im Landkreis Bamberg noch ungefähr 110 EBN-Kennzeichen und im Landkreis Coburg noch ungefähr acht.

Überrascht ist Schmidt von den Auswertungsergebnissen eigentlich nicht - eher von dem öffentlichen Interesse, das seiner Auswertung zuteil wird, verrät er im Gespräch. Er bekomme es ja bei der Arbeit mit, wie viele sich für welches Kennzeichen entscheiden, nur eben die genaue Quote habe ihm bisher gefehlt. Die hat er jetzt: "Bei der Zulassungsbehörde Ebern lag im Zeitraum 1. Januar bis 18. November 2015 bei den Kennzeichen-Zuteilungen der Anteil der EBN-Kennzeichen bei circa 37 Prozent und der Anteil der HAS-Kennzeichen bei circa 62 Prozent, die restlichen ein Prozent sind HOH-Kennzeichen", so Schmidts Ergebnis.

Außerdem hat er für den gleichen Zeitraum die Zahlen für den Postleitzahl-Bereich 96106 herausgefiltert. So ergibt sich folgende Aufteilung: Circa 56 Prozent der Bürger haben sich bei einer Kennzeichenzulassung 2015 für "EBN" entschieden.

"Eindrucksvolle Zahlen, die den damaligen Bürgerwillen doch recht gut darstellen", findet Fabian W.: "Die anfänglichen Aussagen, dass das Altkennzeichen nur ein paar wenige Vergangenheitsverliebte wollen, ist wohl eindrucksvoll widerlegt", schreibt er unter die Facebook-Meldung von Schmidt, die von Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) geteilt wurde. Und Matthias L. ist überzeugt, dass die Prozentzahlen noch weiter nach oben steigen würden, wenn man die EBN-Zulassungen nur auf die Kernstadt von Ebern beziehen würde. Das allerdings lässt sich laut Schmidt nicht so einfach im Programm auswerten.


Zwei "EBN"-Lager

Die 56 Prozent bedeuten im Umkehrschluss aber auch: 44 Prozent aller Autofahrer, die in der Eberner Gegend gemeldet sind, fahren noch mit einem HAS-Kennzeichen auf den Straßen. Schmidt gehört selbst dazu. Dafür hat er zwei Gründe: Er fährt sein Auto schon länger als eineinhalb Jahre und hätte somit auch die umgerechnet rund 70 Euro für eine Neuzulassung - von der Umweltplakette bis zum neuen Schild an sich - zahlen müssen. Diesen Grund führt auch eine junge Frau aus Ebern an, die nach dem Grund für ihr HAS-Kennzeichen befragt wird.
Für Schmidt hat außerdem das HAS-Kennzeichen seinen "Originalwert", erklärt er. Das sei vielleicht auch berufsbedingt so, aber für ihn sei "HAS" eben der entsprechende Zulassungsbezirk. Was Schmidt in seinen Berufsjahren über das EBN-Kennzeichen gelernt hat: Es gibt eigentlich zwei Lager. Die einen, die wollen einfach ihre Sympathie zu Ebern zum Ausdruck bringen, beschreibt Schmidt die Menschen, die bei ihm in der Zulassungsbehörde die Mehrheit ausmachen. Aber es gebe nichtsdestotrotz immer noch ein paar, die das EBN-Kennzeichen verwenden wollen, um sich vom Kreis Haßberge abzugrenzen. Und das, das kann Rudolf Schmidt, 40 Jahre nach der Gebietsreform und dem Zusammenschluss zum Kreis Haßberge, nicht so wirklich verstehen.
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