Königsberg in Bayern
Bestandsanalyse

Die Karte der Königsberger Denkmäler

Studenten der Fakultät Denkmalpflege an der Universität Bamberg nahmen Königsberg und seine Stadtteile unter die Lupe. Ihr Bericht interessierte trotz der Hitze am Freitag viele Besucher.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein wunderschönes Gebäude direkt am historischen Marktplatz: In diesem Königsberger Haus aus dem 17. Jahrhundert könnte ein Café entstehen. Fotos: Peter Schmieder
Ein wunderschönes Gebäude direkt am historischen Marktplatz: In diesem Königsberger Haus aus dem 17. Jahrhundert könnte ein Café entstehen. Fotos: Peter Schmieder
+2 Bilder
Im Masterstudiengang Denkmalpflege beschäftigen sich die Studenten nicht nur mit der Theorie. Auch die Praxis nimmt einen großen Raum ein. Zu diesem Zweck gibt es an der Universität Bamberg die Anwendungswochen. Jedes Jahr behandeln die eine andere Region, in der die angehenden Denkmalpfleger Ortsbilder analysieren und dokumentieren. In diesem Jahr fiel die Wahl auf die Stadt Königsberg mit ihren Ortsteilen. Am Freitag stellten die Studenten von Gerhard Vinken, Thomas Gunzelmann und Christian Schmidt ihre Ergebnisse vor und kamen dazu ins Königsberger Rathaus.

Das interessierte die Königsberger

Bürgermeister Claus Bittenbrünn hatte angesichts der drückenden Hitze und der vielen Interessierten an der Präsentationen Wasser bereitstellen lassen, und so verfolgten die Anwesenden recht gelassen die Ausführungen des Professors.
Vinken erklärte den Sinn der Anwendungswochen: den "Kontakt zu anderen Seite", zu Denkmalbesitzern und Bewohnern.

Ihn freute das bessere Verhältnis zueinander, den früher waren die Denkmalpfleger wegen kosteninstensiver Auflagen oder Vetos bei Bauvorhaben im geschützten Königsberger Altstadtensemble nicht gerne gesehen. "Es gab keine Hundebisse, nur ein paar Leute wurden von Zecken gebissen", sagte er scherzhaft. Außerdem betonte er, dass die Mitarbeiter und Studenten der Universität Bamberg lediglich ihre Meinung einbringen könnten, jedoch nicht für die gesetzlichen Vorgaben des Denkmalschutzes verantwortlich seien. Thomas Gunzelmann erzählte, er habe den Studierenden scherzhaft angekündigt: "Sie gehen jetzt ins Ausland." Denn historisch betrachtet, gehörte Königsberg einst zu Sachsen. So berichteten acht Gruppen je 20 Minuten lang über den Erhaltungszustand von Gebäuden und Orten.

Sechs Dörfer, zwei Gebäude

Sechs hatten sich jeweils ein Dorf vorgenommen, die anderen beiden beschäftigten sich mit je einem Gebäude. Im Brennpunkt des Interesses stand beispielsweise ein altes Fachwerkhaus am Königsberger Marktplatz aus dem 17. Jahrhundert. Es gab einige Umbauten, einiges ist aber erhalten geblieben.

Geplant ist die künftige Nutzung als Café, im Obergeschoss könnten Wohnungen oder Büroräume entstehen. Die Denkmalschutzstudenten erarbeiteten Möglichkeiten zur Umgestaltung, die viel alte Substanz erhalten und sogar einiges wiederherstellen, ohne eine moderne Nutzung zu behindern.

Beim Rathaus von Junkers dorf, das in einem schlechten Zustand ist, drehte es sich um die Frage, wie man das Gebäude wieder nutzbar machen könnte, ohne zu sehr in den Bestand einzugreifen. Die Studenten zeigten an Fotos die morschen Balken. Der schlechte Erhaltungszustand dürfte auch dem häufigen Besitzerwechsel des Hauses geschuldet sein, wie es hieß.

Ein ganzes Dorf ist Denkmal

Hellingen, Holzhausen, Junkersdorf, Köslau, Römershofen und Unfinden standen auch im Blickpunkt. Letzteres, erklärte Gunzelmann, sei ein Beispiel dafür, dass sogar ein ganzes Dorf ein Denkmal sein könne. Zu jedem Ort erstellte die jeweilige Gruppe eine Karte der denkmalpflegerischen Interessen. Hier sind Gebäude in verschiedenen Farben markiert, je nach ihrer Bedeutung oder ihrem Zustand.

Die Farben signalisieren erhaltenswerte, ortsprägende Gebäude oder "strukturprägende Gebäude". Letzteres steht beispielsweise für Häuser, die stark verändert wurden, jedoch einen alten Kern haben. In Junkersdorf findet sich sogar ein Eintrag zu einem Haus aus den 1970er Jahren. Denn auch wenn das Gebäude selbst ein Neubau ist, wurde erklärt, gehöre es doch zum Ortsbild, dass an dieser Stelle ein Haus eben dieser Form und Größe stehe. Als typische unterfränkische Besonderheiten, die es zu erhalten gelte, nannten die Denkmalpfleger Dreiseithöfe sowie Tore, die einen Hof von der Straße trennen.

Viele Fragen kamen auch in den Diskussionen zwischen den Denkmalpflegern und Besuchern auf. Eine Debatte entbrannte um das neue Pfarrhaus von Hellingen. Kreisheimatpfleger Wolfgang Jäger verstand nicht, warum ein Neubau aus den 1960er Jahren als schützenswert betrachtet werde. Gunzelmann nahm seine Studenten in Schutz: Das Gebäude sei, nicht ohne kontroverse Diskussionen, auf seine Empfehlung hin aufgenommen worden. Besonders an der Fensterform sei erkennbar, dass es sich bei dem Pfarrhaus nicht um ein einfaches Wohnhaus handle, sondern um eine Kirchenarchitektur dieser Zeit.

Auch die (hohen) Sanierungskosten gerade schlecht erhaltener Gebäude heizten die Gemüter an. Ein Beispiel ist da der frühere Gasthof "Zum Goldenen Ross" in Hellingen. "Wenn der Besitzer im Lotto gewinnt, würde er es auch renovieren wollen", sagte ein Gast.

Eines habe sich generell mittlerweile verändert, merkte Professor Vinken am Ende noch an: Früher hätten die Städte als Orte der stetigen Veränderung gegolten, Dörfer eher als die Orte der Beständigkeit. Heute dagegen sei das umgekehrt, in vielen Dörfern finde heute eine große Entwicklung statt.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren