Die Hoffnung stirbt zuletzt? Sicher hat die abgegriffene Formulierung ihre Berechtigung, vielleicht auch im Fall der Firma Vetter in Eltmann und ihrer 62 Mitarbeiter. Die müssen allerdings die Hoffnung wohl begraben: Ende Juni ist für die meisten Vetter-Beschäftigten in Eltmann Schluss, sie bekommen ihre Kündigungsschreiben, die Schließung des Werkes scheint unabwendbar.
Der Betriebsratsvorsitzende Artur Sperber tut sich schwer, die richtigen Worte zu finden, die Stimmung der Vetter-Mitarbeiter schwankt zwischen Resignation, Galgenhumor und Wut. "Es müsste schon ein Wunder geschehen, um das Werk noch zu retten", sagt Sperber, und dieses Wunder wäre ein Investor oder Käufer für das Werk.

Der Rettungsanker


Dass es einen solchen auch nur theoretisch geben könnte, war der Rettungsanker für die 62 Männer und Frauen, die bei Vetter ihre Brötchen verdienen, seit sie Anfang März erfahren mussten, dass die englische O'Rourke-Gruppe, zu der Vetter seit 2001 gehört, sich von der Niederlassung in Eltmann trennen will. Aber "bei uns hat sich niemand gemeldet", sagt Sperber, der seit Wochen an zwei Fronten kämpft: auf der Suche nach einem Retter und im Ringen darum, das drohende Schicksal für die Mitarbeiter so erträglich wie möglich zu gestalten. "Wenn man so will, gibt es wenigstens eine gute Nachricht, der Sozialplan steht, und wir haben einiges für die Mitarbeiter erreicht", sagt der Betriebsratsvorsitzende. Alles, nur nicht die Rettung der Arbeitsplätze, denn auch von Seiten des Managements gibt es laut Sperber "nicht das leiseste Signal", dass für das Werk in Eltmann in der letzten Minute doch noch ein Interessent gefunden werden könnte.

Betriebsversammlung


Den Stand der Dinge hat Sperber zusammen mit den Anwälten des Betriebsrates und Vertretern des Arbeitsamtes in Haßfurt am Freitagvormittag in einer Betriebsversammlung verkündet. "Wir haben gefürchtet, dass es so weit kommen könnte, aber wenn man es dann klipp und klar hört, zieht es einem den Magen zusammen", sagt ein Vetter-Mitarbeiter, einer von 50, die Ende Juni in der Datenbank des Arbeitsamtes erscheinen werden. Bis auf eine kleine Rumpfmannschaft, die noch ein gutes Jahr lang die letzten Aufträge abwickeln soll, ist das traditionsreiche Steinwerk Vetter (Hauck) in Eltmann dann in wenigen Wochen verwaist.
Über die Gründe für den harten Kurs schweigt sich O'Rourke nach wie vor aus. Am Freitag war von dem Baukonzern, der weltweit 16 000 Mitarbeiter beschäftigt, nicht mehr zu erfahren; in einer Stellungnahme Mitte März hatte O'Rourke das Aus für das Steinwerk in Eltmann damit begründet, dass die Naturstein-Bearbeitung nicht mehr in das Unternehmenskonzept passt. Ein Hintergrund könnte sein, dass Natursteine für Fassadenverkleidungen sowie Wand- und Bodenbeläge heute aus Fernost (China) zu Preisen geliefert werden, bei denen ein handwerkliches Unternehmen wie in Eltmann kaum noch mithalten kann. Der Trend zur billigen Massenware hat nicht nur die Baumärkte für den Hobby-Handwerker erfasst, er überrollt auch die Baubranche.

Harter Preiskampf


"Da fragt kein Auftraggeber nach der Tradition eines regionalen Anbieters, da geht es knallhart um das günstigste Angebot", sagt ein Insider der Baubranche. Damit hat es nach der Porzellan-, der Spielzeug- und der Textilindustrie, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, mit der Steinindustrie eine weitere Branche erwischt. Die Steinbearbeitung war im Raum Ebelsbach/Eltmann lange Zeit einer der wichtigsten Erwerbszweige; Vetter, 1865 gegründet, ist/war der letzte verbliebene große Vertreter des einst blühenden Gewerbes.
"Alle Hebel in Bewegung setzen", um für Vetter und die Vetter-Mitarbeiter "vielleicht doch noch etwas zu erreichen", will der Eltmanner Bürgermeister Michael Ziegler (CSU). Er suchte am Freitag zum wiederholten Male des Gespräch mit dem Betriebsrat und will versuchen, möglichst viele Informationen zu bekommen, um damit auf der politischen Schiene nach einem Ausweg aus der Krise zu suchen. Erste Kontakte mit dem Wirtschaftsministerium hat Ziegler bereits geknüpft, wie er sagt, denn: "Die Hoffnung stirbt zuletzt", denkt er laut, die "Kufi"-Krise kurz nach seinem Amtsantritt 2004 noch im Hinterkopf. Damals gelang das für unmöglich Gehaltene am Ende doch.