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LKR Haßberge
Caritas-Sommerfest

Die Heimat kann auch hier im Landkreis Haßberge sein

Bei der Caritas ist das Sommerfest für Asylbewerber und Ausländer eine feste Größe. Trotz des kleinen Schönheitsfehlers, dass aktuell Ramadan ist, kommen viele Menschen.
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Die Migrationsberatung des Caritasverbandes Haßberge schultern Linda Wagemann (Mitte) und Hildegard Wolf. Mit im Bild Tenzila Özdemir (rechts).
Die Migrationsberatung des Caritasverbandes Haßberge schultern Linda Wagemann (Mitte) und Hildegard Wolf. Mit im Bild Tenzila Özdemir (rechts).
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Hildegard Wolf ist eine Person, die Asylbewerber und Flüchtlinge im Landkreis Haßberge, schnell kennenlernen. Denn sie ist in der Migrationsberatung des Caritasverbandes Haßberge tätig. Seit 2001 schon betreut und berät sie Menschen anderer Kulturen. Sie begleitet Schicksale. Nicht nur im Asylverfahren. Sondern überall da, wo es kneift. Und das ohne arabische oder russische Spracherfahrung.

Es gibt immer einen Hoffnungsschimmer

"Manchmal sitzt eine Mutter mit ihrem Kleinkind in meinem Büro und weiß nicht weiter", erzählt die Sozialpädagogin über ihre tägliche Arbeit. "Dann such' ich einfach in meiner Spendenkiste, da findet sich das Richtige. Und wenn es nur ein Jäckchen oder ein Spielzeug für das Kind ist." Die Regale im Büro von Hildegard Wolf füllen sich immer wieder neu mit Sachspenden.
"Das ist sehr schön."

Für den Samstag hat Hildegard Wolf die knapp 200 Asylbewerber und Flüchtlinge aus dem Landkreis nicht zur Beratung in den Garten des Caritashauses "Julius Echter" nach Haßfurt geladen. Ganz im Gegenteil. Die Einladung zum Sommerfest hat gut die Hälfte der Menschen angenommen.

"Zurzeit ist ja Ramadan. Das hält natürlich schon einige ab, zu einem Fest zu kommen, wo gegessen wird", räumt Hildegard Wolf kulturelle Unterschiede ein, "aber unser Sommerfest hat Tradition. Schon jahrelang findet es immer am selben Termin statt." Sie freut sich, dass trotz der islamischen Fastenpflicht so viele Asylbewerber der Einladung folgen.

Und die Menschen aus Äthiopien, Tschetschenien, Armenien, Iran, Irak, Weißrussland, Türkei, Afghanistan, Serbien und Bosnien freuen sich, in Hildegard Wolf ein bekanntes Gesicht zu finden. Jedem von ihnen schüttelt sie die Hand und verteilt Essengutscheine. Die Kinder rennen gleich zur Bastelstation und zur Kastenrutsche.

"Die Leute aus Gädheim wollten mit dem Fahrrad kommen. Da habe ich vor zwei Wochen noch einen Kindersitz vorbei gebracht", plaudert Hildegard Wolf. Sie betreut die Asylbewerber und Flüchtlinge nicht nur in ihrem Büro in Haßfurt, sondern ist regelmäßig vor Ort in den Unterkünften. "Ich kümmere mich vor allem um die Menschen in Zeil, Eltmann, Dippach und Gädheim. Die Unterkünfte in den anderen Orten konnte ich leider noch nicht regelmäßig besuchen."

Bereich Ebern

Am Nebentisch winkt Linda Wagemann. Seit 1. Juli unterstützt sie Hildegard Wolf in der Migrationsberatung des Caritasverbandes Haßberge in Teilzeit. Sie wird sich vor allem um die Flüchtlinge und Asylbewerber im Bereich Ebern widmen. "Wir sind sehr froh, dass sich der Caritasverband der Diözese Würzburg bei uns engagiert und uns die Stelle von Frau Wagemann mitfinanziert", meint Thomas Jakob als Leiter der Allgemeinen Sozialberatung, "wir brauchen Frau Wagemann, denn von Ehrenamtlichen allein kann diese Arbeit nicht mehr gestemmt werden." Auch Jakob ist hier dabei, auch er widmet sich in seiner Freizeit der guten Sache.

Es sind etliche deutsche Mitbürger da, man redet über den Deutschunterricht, über die kulturellen Unterschiede. "In Eltmann und Dippach gibt es kaum Ehrenamtliche", meint Thomas Jakob, "noch dazu ist die öffentliche Verkehrsanbindung sehr schlecht. Die Dippacher müssen manchmal zehn Kilometer nach Eltmann laufen, um dann irgendwohin zu kommen." Zum Sommerfest nach Haßfurt musste niemand laufen. Die Caritas setzt eigens einen Bus dafür ein, die Menschen zu diesem Termin aus ihren dezentralen und zentralen Unterkünften abzuholen.

Für Hildegard Wolf geht es an nun rund. Die Ministranten aus Knetzgau haben zwar die Basel aktionen angeleitet, aber bei der Tombola vergibt Wolf die Preise selbst. "60 Kinder warten jetzt auf ihre Preise", sagte sie, lächelt warm und macht sich auf den Weg.

Frische Kraft für Ebern

Die 35-jährige Linda Wagemann arbeitet seit 1. Juli in der Migrationsberatung des Caritasverbands Haßberge. Sie stammt aus Feuchtwangen und machte den Bachelorstudiengang "Soziale Arbeit" an der Hochschule in Nürnberg. Zur Migrationsarbeit ist sie nicht "einfach so" gekommen, wie sie erzählt.
"Ich habe beruflich vorher etwas ganz anderes gemacht", meint Linda Wagemann.
Erst lernte sie nämlich Schriftsetzerin. Mit 23 Jahren erlitt sie einen folgenschweren Skiunfall. Seitdem ist Linda Wagemann querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Vom Beruf zur Berufung

"Als mir dieser Unfall passiert ist, war mir klar, dass ich kaum mehr in meinem alten Beruf arbeiten kann." Sie arbeitete erst weiter selbstständige Mediengestalterin, merkte dann aber, dass ihr "die Sitzerei vor dem PC einfach zu langweilig" war.
"Aufgrund meines eigenen Lebenshintergrunds wollte ich anderen Menschen helfen. Auch mit meinem Beruf wollte ich behilflich sein", erklärt Linda Wagemann ihren Einstieg in die Soziale Arbeit. Das Praktikum in einer Flüchtlingsunterkunft in Fürth hat ihr die vielseitigen Aspekte der Arbeit mit Migranten aufgezeigt. Interkulturelle Kompetenz stand auch im Studium auf dem Stundenplan. "Das hat mir sehr gefallen."
Sie spricht zwar "nur" Deutsch, Englisch und Spanisch, aber auch mit "Händen und Füßen" kann man kommunizieren. Bis jetzt hat sie in der Migrationsarbeit nur gute Erfahrungen gemacht. "Die Menschen sind alle sehr offen und nehmen die Hilfe dankbar an. Das ist einfach schön."

Büro auf Bundeswehrgelände

Linda Wagemann wird im Bereich Ebern arbeiten. Sie soll ein Büro auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in einem Gebäude neben der Gemeinschaftsunterkunft erhalten. Die Stadt Ebern will die Räume der Regierung von Unterfranken vermieten.
Beim Caritasverband Haßberge soll Linda Wagemann schwerpunktmäßig die Asylbewerber und Flüchtlinge in Ebern, Jesserndorf, Burgpreppach und Maroldsweisach betreuen. Und sie soll die ehrenamtlichen Helfer in ihrer Arbeit unterstützen.
Momentan wird Linda Wagemann von Hildegard Wolf in die Migrationsarbeit im Landkreis Haßberge eingearbeitet.

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