Ebelsbach
Kultur

Die Gesichter sprachen Bände

Der Stummfilm "Die Passion der Jungfrau von Orleans", begleitet an der Orgel von Domorganist Stefan Schmidt, faszinierte das Publikum in Ebelsbach.
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Einen Abend der besonderen Art bescherte die "Kirchenmusik in den Haßbergen" den Besuchern der Magdalenen-Kirche in Ebelsbach.  Foto: sw
Einen Abend der besonderen Art bescherte die "Kirchenmusik in den Haßbergen" den Besuchern der Magdalenen-Kirche in Ebelsbach. Foto: sw
Einen außergewöhnlich eindrucksvollen Abend erlebten die Besucher der Pfarrkirche Sankt Magdalena in Ebelsbach am Wochenende.
Der Stummfilm "Die Passion der Jungfrau von Orleans" wurde vom Domorganisten Stefan Schmidt live mit Orgelimprovisationen umrahmt. Zusammen mit einer Lichtinstallation in Rot-Tönen entstand so eine Stimmungsdichte, die die Besucher in ihren Bann zog. Florian Meyer freute sich als Vertreter der Initiative "Kirchenmusik in den Haßbergen" über das Interesse an diesem besonderen Konzert, das die Reihe von Veranstaltungen zum Ebelsbacher Orgel-Jubiläum abschloss, und dankte Professor Schmidt für sein Gastspiel in Ebelsbach.
Nach gut eineinhalb Stunden verließen die Zuschauer ohne Applaus die Kirche - jedes Geräusch wäre im Anschluss an dieses besondere Erlebnis falsch gewesen, hätte die Stimmung zerrissen.
Zu intensiv waren die Filmszenen, die fast ausschließlich von der Mimik der Schauspielerinnen und Schauspieler lebten. Wenige Untertitel genügten, um das Geschehen deutlich zu machen - die Gesichter sprachen Bände.


Film basiert auf Verhörprotokollen

Der Film entstand 1928 auf der Basis der Original-Protokolle von den Verhören der Johanna von Orleans. Diese hatte als 18-Jährige im Jahre 1429 versucht, Frankreich vor den Engländern zu retten. Sie fühlte sich von Gott zur Heerführerin auserwählt und kämpfte an vorderster Front. Nach ihrer Gefangennahme ließen die Franzosen sie im Stich und die Engländer setzten alles daran, dass Johanna als Ketzerin verurteilt wird und auf dem Scheiterhaufen endet. Die Verhöre, die Angst vor der Folter, die Seelenqualen im Kreuzverhör durch Kirchengelehrte, all das spiegelte sich im Gesicht der Hauptdarstellerin Renee Falconetti wider und nahm die Zuschauer damit ein. Professor Stefan Schmidt, der den Film auf dem Laptop an seiner Orgel sah, unterstrich die Stimmungen passgenau mit seiner Musik; das waren manchmal auch Variationen bekannter Kirchenlieder.
Das Stummfilm-Konzert bewies einmal mehr, dass Stefan Schmidt ein international renommierter Interpret und Improvisator ist, der sich akribisch mit dem Film auseinandersetzt.
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