Ebelsbach
Sommerinterview

Die Gemeinschaft zählt heutzutage im Sport mehr denn je

Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Landessportverbandes, Gerald Makowski, beschreibt, worauf es im Sport besonders ankommt - gerade in heutiger Zeit.
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Der BLSV-Chef Gerald Makowski (rechts) und FT-Redakteur Klaus Schmitt auf dem Sportgelände des SV Rapid Ebelsbach  Foto: Simon Schmitt
Der BLSV-Chef Gerald Makowski (rechts) und FT-Redakteur Klaus Schmitt auf dem Sportgelände des SV Rapid Ebelsbach Foto: Simon Schmitt
Die Sportwelt blickt dieser Tage auf Rio. In Brasilien finden Olympische Sommerspiele statt. Eine gute Gelegenheit, um mit dem Kreisvorsitzenden des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV), Gerald Makowski, über die Situation des Sports zu sprechen. Der 52-jährige Berufsschullehrer aus Ebelsbach steht seit November 2015 an der Spitze des Dachverbandes der Sportvereine im Landkreis. Im BLSV Haßberge sind über 140 Sportvereine mit rund 35 000 Mitgliedern organisiert. Makowski ist den meisten im Landkreis Haßberge als Fußball-Spielgruppenleiter in den Herrenwettbewerben bekannt.

Frage: Sehr geehrter Herr Makowski, in Rio haben die Olympischen Spiele begonnen. Sollten auch die Sportler aus dem Kreis Haßberge die Wettkämpfe dort verfolgen, oder ist Olympia ein Ereignis, das mit Breitensport, wie er im Kreis Haßberge betrieben wird, wenig zu tun hat?
Gerald Makowski: Olympia ist zweifelsfrei nach wie vor eines der größten Sportereignisse und wird es sicherlich auch in naher Zukunft bleiben. Olympia zeigt uns, was mit Willen und Ausdauer erreicht werden kann. Bei uns im Kreis gibt es ja bekanntlich viele Breitensportler, welche olympische Sportarten betreiben. Viele davon werden sicherlich Olympia am Fernsehen zumindest teilweise verfolgen.

Taugt Olympia noch als Vorbild angesichts der Dopingskandale und der Kommerzialisierung?
Ja und Nein! Gedopt wurde auch schon früher, wie immer wieder im Nachhinein ans Tageslicht kommt. Nur wurde es anscheinend damals noch nicht so leicht aufgedeckt und schon gar nicht der Öffentlichkeit preisgegeben. "Durch den Sport Werte zu vermitteln, insbesondere an junge Menschen" - dieser Grundgedanke der Olympischen Spiele steht somit zurecht in der Kritik. Nur, welche Nahrungsergänzungmittel zählen zu Doping oder sind doch nur bedeutungslos? Oft stellt sich dies erst nach Jahren heraus.

Hinsichtlich der Kommerzialisierung nehme ich einen anderen Grundgedanken der Olympischen Spiele auf: Das Ziel aus der Antike, bei Olympischen Spielen Ruhm und Ansehen zu gewinnen, ist heute noch stärker vorhanden, da der Erfolg sofort durch die modernen Medien in der ganzen Welt publik gemacht wird. Es kommt noch hinzu, dass man als erfolgreicher Olympiateilnehmer je nach Sportart viel Geld verdienen kann, zum Beispiel in der Werbung. Eigentlich könnte man demnach der heutigen Kommerzialisierung nichts Negatives nachsagen. Da aber ursprünglich bei den Olympischen Spielen nur Amateure/innen mitmachen durften, ist dieser Leitsatz heute nicht mehr zu halten. Wobei eine klare Grenze zwischen Profi- und Amateursportlern nicht immer klar gezogen werden kann.

Zurück in den Landkreis Haßberge: Viele Sportvereine haben mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. Immer weniger Kinder und Jugendliche und immer mehr Konkurrenz durch andere Freizeit-möglichkeiten machen es den Vereinen schwer, junge Leute für den Sport zu gewinnen und vor allem auf Dauer zu halten. Was können die Vereine tun?
Vor allem auf die Kinder und Jugendlichen zugehen. Hierzu ist es wichtig, Betreuer und Verantwortliche im Verein zu haben. Die Jugendlichen müssen spüren, dass sie dem Verein wichtig sind und anerkannt werden. Und dies auch, wenn sie nicht die Fähigkeiten haben, jemals Spitzensportler zu werden. Kein sportlich Interessierter sollte dem Sport verloren gehen.

Was kann der BLSV als Dachverband der Sportvereine tun?
Wie gesagt, ist primär der Vereinsverantwortliche wichtig. Der BLSV kann die Rahmenbedingungen verbessern. Hierzu gehören die umfangreiche Aus- und Weiterbildung der Übungsleiter. Aber auch die Weiterbildung für Vereinsmitarbeiter wird vom BLSV angeboten. Leider werden diese Seminare nicht immer gut angenommen. So planten wir im Kreis Haßberge erst kürzlich einen Excel-Lehrgang speziell für Sportvereine. Lediglich drei Anmeldungen gingen bei uns ein und somit mussten wir den Lehrgang kurzfristig absagen.

Ansonsten betone ich immer wieder, dass der BLSV und speziell wir von der Kreisvorstandschaft den Vereinen stets mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.

Ein ganz besonders wichtiger Bereich ist die Beratung und Unterstützung beim Sportstättenbau. Mit Reinhold Heilmann hat der BLSV-Kreis einen sehr kompetenten Referenten.

Bei den Fußballern gibt es immer mehr Spielgemeinschaften, oft aus Zwangslagen heraus? Sind Kooperationen der Vereine ein Weg in die Zukunft?
Als vor über 25 Jahren die ersten Spielgemeinschaften im Juniorenbereich eingeführt wurden, prophezeite ich eine negative Entwicklung. Durch die SGs oder JFGs bleiben zu viele Jugendliche auf der Strecke. Ich war selbst viele Jahre als Jugendtrainer in einem kleinen Verein tätig und kenne deshalb das Problem bestens.

Klar kann man meinen, eine SG oder JFG rettet so manche Mannschaft vor dem Abmelden. Aber allzu oft gehen mehrere Vereine vorschnell eine Spielgemeinschaft ein, da es die einfachere Art ist, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Kann man doch bei einer SG oder JFG mit fünf oder noch mehr Vereinen und somit mindestens 20 Spielern aus dem Vollen schöpfen. Und sind etwas weniger begabte Spieler dabei, kann man deren Einsatzzeiten sehr stark einschränken. Vielleicht erhofft man sich auch, dass der eine oder andere weniger talentierte Spieler von alleine ein Einsehen hat und das Fußballspielen aufhört. Somit werden aus 20 oder sogar mehr Spielern bald nur noch 15 oder weniger übrig bleiben. Auch wenn es so mancher nicht wahrhaben will, dies habe ich in all den Jahren an ehrenamtlicher Arbeit schon erlebt. Kann dies das Ziel der heutigen Jugendarbeit sein?

Ein weiterer Aspekt sollte auch mehr im Vordergrund stehen. Stellten wir uns anfangs die Frage nach der Vorbildfunktion. Wie ich mich sehr gut erinnern kann, hatte auch ich fußballerische Vorbilder in meinem Verein. Diesen wollte ich nacheifern. Der Trend geht nun aber in Richtung JFGs. Die Spieler dieser Mannschaften identifizieren sich kaum noch mit Spielern aus den Herrenmannschaften, da sie ihre eigene Zugehörigkeit zum Stammverein meist gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Spielen sie ja zum Beispiel für die JFG Maintalblick und nicht für den FC Kleindorf. Nach der Zeit in der U 19 müssen sich die Spieler völlig neu einordnen. Keine JFG Maintalblick mehr, sondern die Herrenmannschaft des FC Kleindorf. Vielleicht höre ich erst einmal auf, bevor ich mir einen neuen Verein suche, spielt sich vermutlich in einigen Köpfen ab.

Warum spielen die Kinder und Jugendlichen nicht in mehreren Altersgruppen miteinander in ein und derselben Mannschaft? Was spricht dagegen, wenn ein 16-jähriger Teenager mit einem 18-Jährigen zusammen in einem Team aufläuft beziehungsweise gegeneinander spielt? Der jüngere oder kleinere Spieler kann doch nur davon profitieren. Wer erwartet schon, dass ein 15- oder 16-Jähriger einen zwei Jahre älteren Spieler schwindelig spielt?

Ein sehr positiver Nebeneffekt würde mit der Zusammenlegung mehrerer Jahrgangsstufen einhergehen. Aufgrund der weniger benötigten Vereine für Spielgemeinschaften oder JFGs gingen wieder mehr Mannschaften in einer Liga an den Start und die Fahrstrecken und der damit verbundene zeitliche Aufwand würden sich stark verringern.

Gemeinschaft und das Miteinander, soziale Kompetenzen, all dies sollte noch mehr im Vordergrund stehen. Oder ist der kurzzeitige Erfolg alles?

Mein Wunsch wäre es demnach, wenn es im Jugendbereich in den unteren Ligen nur noch die Altersgruppen U 18 (Jugendliche von 16 Jahren bis 18 Jahren) und U 15 (von 13 bis 15 Jahren) geben würde. Die Kleinfeldjahrgänge unter 13 Jahren könnten so wie bisher erhalten bleiben.

Zurück zu Olympia! Wird der BLSV-Kreisvorsitzende Gerald Makowski viele Stunden vor dem Fernseher verbringen, um die Spiele in Rio zu verfolgen? Welche Sportart interessiert am meisten?
Allgemein schaue ich in letzter Zeit nur sehr wenig Fernsehen. Ich bin jemand, der immer etwas zu tun haben muss. Neben meinen Ehrenämtern gibt es dann auch rund um Haus und Garten viel zu tun. Und dann gehe ich auch gerne einmal zu Fußballspielen in unserem Landkreis. Aber dennoch werde ich sicherlich den einen oder anderen sportlichen Wettkampf von Rio am Fernseher anschauen.

Die Fragen stellte unser
Redaktionsmitglied Klaus Schmitt

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