Eltmann
Bildung

Die Eltmanner Realschüler lernten auf der Straße

Eltmanner Realschüler haben am Verkehrssicherheitstraining "Hallo Auto!" des ADAC teilgenommen. Sie erfuhren in der Praxis, wie lange ein Fahrzeug braucht, bis es zum Stehen kommt. Wenn man Situationen richtig einschätzen kann, erhöht man die eigene Sicherheit.
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Aus dem Lauf heraus wurde der Bremsweg "erfahren" und deutlich gemacht.
Aus dem Lauf heraus wurde der Bremsweg "erfahren" und deutlich gemacht.
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"Das hätte ich nicht gedacht, dass ein Auto so lange zum Anhalten braucht", staunte Nico aus der sechsten Jahrgangsstufe nach dem Fahr- und Bremsversuch. Auch seine Mitschüler machten große Augen und konnten es kaum glauben, welche Hütchen bei ihrer geschätzten Bremsstrecke überfahren worden wären. Mit Hilfe eines handlungsorientierten Verkehrstrainings durch den ADAC lernten die Kinder der fünften und sechsten Klassen der Wallburg-Realschule Eltmann, was es heißt, im Straßenverkehr zum richtigen Zeitpunkt zu reagieren und zu bremsen.

Eine Situation, wie sie auf den Straßen immer wieder vorkommt: Ein Kind läuft auf die Straße, wird von einem Auto erfasst und bleibt verletzt liegen.
Für mehr als 40 000 Kinder geschieht dieser schlimme Fall jährlich auf dem Weg zur Schule oder nach Hause, obwohl in Kindergarten und Schule großer Wert auf Verkehrserziehung gelegt wird.

Alle Kinder wachsen in einer mobilen Welt auf, in der das Auto ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltags ist. Fast täglich sitzen sie darin und können dennoch die Risiken, die das Auto zwangsläufig mit sich bringt, nur unzureichend einschätzen. Getreu dem Motto "Aus Erfahrung wird man klug" will der ADAC mit seiner Aktion "Hallo Auto!" deshalb bewusst auf die Erlebniswelt der Kinder einwirken. Durch wissenschaftliche Untersuchungen hat man nämlich festgestellt, dass Kinder die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, nicht immer bestimmen können, und noch schwerer wiegt, dass Kinder das Tempo eines sich nähernden Fahrzeuges nicht abschätzen können. Sie glauben, dass ein Auto wie ein Fußgänger einfach stehen bleiben kann. Deshalb setzt der ADAC mit seinem Verkehrsunterricht voll auf "learning by doing". Denn erst was die Kinder in der Praxis hautnah erlebt haben, bringt einen Lerneffekt.

In einer abgesperrten Stichstraße im Industriegebiet von Eltmann hatten die Schüler die Gelegenheit, reale Verkehrssituationen zu erleben. Zu Beginn von "Hallo Auto!" fingen die Schüler zunächst bei sich an: Sie machten einen Kurzstart und sollten danach versuchen, so schnell wie möglich stehen zu bleiben. Der erreichte Haltepunkt wurde für jeden Schüler auf der Fahrbahn markiert, und es wurde herausgearbeitet, warum der Mensch eine gewisse Distanz zum Halten braucht. Da es auch zwischen den Schülern unterschiedliche Ergebnisse gab, kam man hier sogar auf die griffigen Schuhsohlen und damit auf den Fahrbahnbelag oder Witterungseinflüsse wie Regen, Schnee oder Splitt zu sprechen.

Ein ähnlicher Versuch folgte auf ein Fahnensignal hin. Dabei stellten die Schüler fest, dass sich der Weg um ein gutes Stück verlängert. Das lag daran, dass sie vorher nicht wussten, wo und wann sie anhalten mussten. Dabei wurden ihnen die Begriffe der Reaktion deutlich. Zusammen mit den Kindern erarbeitete der ADAC-Moderator hier die Begriffe und die Formel "Anhalteweg = Reaktionsweg und Bremsweg".

Diese Erfahrung galt es nun, auf das Auto zu übertragen. Dazu stellten die Kinder Pylonen an eine Stelle, an der sie das Anhalten eines sich mit 50 Stundenkilometer nähernden Fahrzeuges erwarteten. Der Moderator fuhr dann mit seinem Auto an die Ziellinie heran und leitete die Notbremsung ein. Was die Schüler dann erlebten und mit eigenen Augen sahen, verfehlte nicht ihre Wirkung: Von der Reaktion bis zum vollständigen Stillstand war das 50 Stundenkilometer schnelle Auto erst nach 25 Metern zum Stillstand gekommen.

"Der Bremsweg ist ja viel weiter, als wir geschätzt hatten, und nur zwei von unserer Klasse hätten überlebt", konstatierte ein Schüler nachdenklich. "Ich dachte, das Auto bremst viel besser und schneller", ergänzte der andere. Auf die Frage des Moderators, was denn nun im Ernstfall passiert wäre, kam die leider zutreffende Antwort: "Dann wäre ich tot".

Die Kinder waren sichtlich beeindruckt und Nico meinte: "Diese Verkehrsstunde war echt cool. Ich habe zwar schon einiges über das Autofahren gewusst, aber keinesfalls, dass man so lange zum Bremsen und Anhalten braucht." Laura fand gut, dass man in der Schule so etwas lerne. "Für mich war wirklich vieles neu. Beim Bremsweg habe ich mich total verschätzt. Ich habe ihn nur mit sieben Schritten angegeben, aber tatsächlich haben wir dann 25 Meter gemessen."

Über einen weiteren Aspekt der Sicherheit wurden sie informiert: die Sicherheit beim Mitfahren. Das bedeutet: Der Sicherheitsgurt muss angelegt werden. Und zwar richtig: Wenn er nicht passgenau sitzt, kann es Verletzungen geben.
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