Stettfeld

Der schönste Tag im Leben

Hunderte Gäste, Schloss und sämtlichen anderen Tamtam: Hochzeiten wurden in den letzten Jahren immer pompöser. Doch das alles braucht es für eine Traumhochzeit gar nicht. Benedikt und Linda Fösel aus Stettfeld erzählen, was ihnen wichtig ist.
Artikel drucken Artikel einbetten
Zu einer schönen Hochzeit gehört auch ein schönes Hochzeitsauto: Benedikt und Linda Fösel haben sich einen Chevrolet ausgesucht. Das Fahrzeug aus amerikanischer Produktion wurde im Jahr 1969 gebaut. Damit ging es zur Trauung nach Limbach.  Fotos: Klaus Schmitt
Zu einer schönen Hochzeit gehört auch ein schönes Hochzeitsauto: Benedikt und Linda Fösel haben sich einen Chevrolet ausgesucht. Das Fahrzeug aus amerikanischer Produktion wurde im Jahr 1969 gebaut. Damit ging es zur Trauung nach Limbach. Fotos: Klaus Schmitt
+1 Bild
Sitzordnung hin und her schieben, Dekoration festlegen, Blumen aussuchen und die Liederhefte müssen auch noch gedruckt werden. So oder so ähnlich stellt man sich das Hochzeits-Chaos ein paar Wochen vor dem schönsten Tag des Lebens vor. Anspannung pur. Schließlich soll alles perfekt werden.

Bei Linda und Benedikt Fösel sieht das alles etwas anders aus. Beim Treffen für das Interview drei Wochen vor ihrer kirchlichen Trauung wirken die beiden 25-Jährigen tief entspannt. "Eigentlich steht schon alles", sagen die beiden und lachen. "Ich wollte nie den Hype mitmachen und ein Jahr im voraus planen. Aber das geht heutzutage gar nicht mehr", sagt Linda Fösel.

Seit 2007 sind die beiden ein Paar und seit drei Jahren leben sie zusammen in ihrer Wohnung in Stettfeld. "Es hat schon jeder genervt: ,Wann heiratet ihr denn endlich?'", sagt der Außendienstmitarbeiter in einem Großhandel.
Eines Abends in der Küche haben die beiden selbst mal darüber nachgedacht: Es wäre doch nun auch mal an der Zeit zu heiraten. "Einen Antrag gab es nicht. Es wurde einfach festgelegt", sagt sie. Und das war auch gut so, wie beide finden.


250 Gäste beim Polterabend

Das Ganze war im April letzten Jahres. Im August wurde dann Polterabend gefeiert mit 250 Leuten. Benedikts Mutter, Gabriele Fösel, hat zu der Zeit schon daran gedacht, die Kirche und den Pfarrsaal in Limbach zu buchen. Sie ist die Pfarrsekretärin der Pfarreiengemeinschaft und weiß, dass viel Zeit eingeplant werden muss. "Das geht ja mittlerweile nur noch eineinhalb Jahre im voraus", erzählt Linda Fösel, die als Finanzbeamtin tätig ist.

Für die beiden war es von Anfang an klar, dass die kirchliche Trauung dazu gehört. Da Benedikt Fösel aus Limbach kommt, gab es kaum Diskussions-Spielraum. "Ich hatte kein Mitspracherecht, was die Kirche angeht", gesteht Linda Fösel und lacht.

Nach der standesamtlichen Trauung und dem Polterabend ging die Planung für die kirchliche Hochzeit richtig los. Doch stressen ließen sich die beiden nicht. "Wir wollen uns nicht verstellen und nicht mords auf den Putz hauen mit Schloss und so. Das sind wir nicht", sagt Benedikt Fösel. Traditionell soll die Hochzeit werden.

80 Gäste sind zur Hochzeit geladen. "Im Gegensatz zum Polterabend sollte das gut zu stemmen zu sein", lacht er. Außerdem helfen Familie und Freunde mit und bringen ihr persönliches Talent für die Traumhochzeit mit ein. Angefangen beim Geistlichen für die Hochzeit. Der Eltmanner Diakon Joachim Stapf ist der Onkel von Benedikt Fösel. "Für uns war es von Anfang an klar: Wenn wir heiraten, dann traut er uns", sagt er. Und auch die musikalische Untermalung der Zeremonie steht schon lange fest. "Ein guter Bekannter spielt Trompete. Mit ihm gehen wir schon Jahre lang Skifahren", sagt die Braut. "Mit der Zeit sammelt sich so eins nach dem anderen an", sagt ihr Mann.

Die Blumen für die Hochzeit hat Linda in vertrauensvolle Hände abgegeben. Ihre Freundin ist Floristin. "Das ist einfach und ich weiß, dass sie das so macht, dass es uns gefällt."

Das größte Sorgenkind in der kompletten Planungsphase war die Tischdekoration. Also zumindest für Linda Fösel. Ihr Mann hat sich da ziemlich rausgehalten. Frauensache. "Ich hatte es lange im Kopf, wie ich es haben wollte", sagt Linda. Doch wie es so oft ist, hat es am Ende nicht geklappt. Binnen zwei Tagen hat sie ihre kompletten Ideen über den Haufen geworfen. Gemeinsam mit ihrer Mutter ist sie zu einem Geschäft gefahren und hat dort einen Stoff für die Tische gefunden. "Die Oma saß zwei Tage im Keller und hat die Tischdecken genäht", erzählt Benedikt Fösel.

Linda Fösel steht vom Esstisch auf und holt ihr Tablet aus der Küche. "Das ist unser Hochzeits-iPad", sagt sie. Alle Ideen, meist die Dekoration betreffend, hat sie in einem Hochzeitsordner gespeichert. "Zwischendurch mussten wir mal aussortieren." Dank des modernen Zeitalters kein Problem.


Schwierigstes Projekt: die Deko

Sie zeigt ihr aufwendigstes Projekt: Über 100 verschiedene Weckgläser und Milchflaschen hat Linda Fösel mit einem Jutestoff und Spitzenband in stilvolle Vasen und Kerzenhalter verwandelt. "Das war richtig zeitaufwendig", sagt sie stolz. In der Wohnung des Brautpaares ist es durch Stoffe, Gläser und Bänder immer enger geworden. Deswegen wurde die Dekoration ausgelagert. In das alte Kinderzimmer zu Linda Fösels Eltern. "Da steht ein kompletter Raum voller Deko", sagt sie.

In der Woche vor der Hochzeit wird es noch einmal stressig. Der Pfarrsaal muss hergerichtet werden, Tische gestellt und natürlich auch dekoriert werden. "Freunde und Familie haben sich schon angeboten. Das bekommen wir alles hin", sind die beiden zuversichtlich.

Standesamt, Polterabend, die kirchliche Trauung: Tradition ist den beiden sehr wichtig. Und so wollen sie auch ihre Hochzeit feiern. Das Brautkleid hat Benedikt dementsprechend nicht zu Gesicht bekommen. Doch auch die Braut kennt seinen Anzug nicht. "Wenn ich ihr Kleid nicht sehen darf, dann darf sie meinen Anzug auch nicht sehen", sagt er.

Nur eine Person kennt beide Hochzeits-Outfits: die Schwester der Braut. Sie war sowohl mit Benedikt als auch mit Linda einkaufen. "Also bei mir ging das schnell. Drei Anzüge anprobiert und der dritte war es dann", sagt Benedikt Fösel. Bei Linda Fösel war das etwas schwieriger. Wie wahrscheinlich jede Frau hatte sie ihr Traumkleid schon vor Augen. Wenn man dann aber etwas anhat, sieht das sowieso immer anders aus. Und so war es bei ihr auch. "Aber das Brautkleid jetzt ist viel schöner als meine Vorstellung." In ihren Augen und in ihrem Lachen ist ihre Begeisterung zu sehen. "Jetzt muss nur noch alles so ablaufen, wie wir es geplant haben. Dann ist alles perfekt."



Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren