Das Dilemma hatten Bürgermeister Oskar Ebert (FW) und seine Gemeinderatsmitglieder kommen sehen: Da, wo in Rauhenebrach der stärkste Wind weht, stehen die Vogelschutzauflagen dem Bau eines Windrads entgegen. Da die bestmöglichen Standorte ausscheiden, wird die Gemeinde voraussichtlich kein eigenes Projekt vorantreiben, sondern sich einen leistungsfähigen Partner suchen, um eventuell eine Windkraftanlage zu bauen und zu betreiben.

Eigentlich ging es in der Sitzung des Gemeinderates Rauhenebrach am Dienstagabend im Rathaus von Untersteinbach um die Stellungnahme zur Änderung des Regionalplans Main-Rhön. Darin enthalten sind Vorbehalts- und Vorrangflächen für Windkraft für die ganze Region Main-Rhön. Diese Regionalplanung gilt aber als wenig aussagekräftig und teilweise veraltet. In Rauhenebrach weist der Regionalplan Vorbehaltsflächen aus.
Um für Rauhenebrach alle Optionen offen zu halten, ließ die Gemeinde selbst einige vielversprechende Standorte prüfen. Außerdem erarbeitet derzeit der Tüv Süd ein Gutachten zur Windkraftnutzung im ganzen Landkreis Haßberge.

Das Ergebnis der eigenen Untersuchungen stellte Oskar Ebert im Ratsgremium am Dienstag vor. Dunkelrot ist die Karte bei Fabrikschleichach, etwa am Euerberg in Richtung Zabelstein. 7,4 Meter Wind pro Sekunde sind der Grund für diese Farbe, die einen ausgesprochen wirtschaftlichen Standort für ein Windrad bedeutet. Allerdings liegt der gesamte "Westflügel" von Rauhenebrach unter europäischem Schutz. SPA, das ist die Vogelschutzrichtlinie, schließt die Errichtung von Windrädern aus, während andere Schutzkategorien inzwischen kein Ausschluss-Kriterium mehr sind. Deshalb wäre der Hubwald bei Falsbrunn ein möglicher Standort, obwohl er Landschaftsschutzgebiet ist. Hier liegt die "Windhöffigkeit" zwar um etwa einen Meter pro Sekunde niedriger, aber zulässig wäre ein Windrad hier.

Auch die Kriterien, die sich der Gemeinderat selbst auferlegt hat, nämlich ausreichender Abstand zur Wohnbebauung, um Schattenwurf oder Geräuschbelästigungen auszuschließen, wären hier erfüllt. Bürgermeister Oskar Ebert hat daher mit den Rechtlern erste Vorgespräche geführt, um einen Standortsicherungsvertrag abzuschließen. Einen ähnlichen Vertrag hat er bereits mit dem Energiekonzern Eon wegen der eventuellen Stromeinspeisung.

Der Gemeinderat war sich am Dienstag einig, dass die Gemeinde nicht allein den Bau eines Windrads angehen will. "Wenn, dann mit einem leistungsfähigen Partner", forderte Gemeinderat Hermann Hotz. Und wenn es bessere Standorte im Landkreis gibt, dann sollte man sich über die GUT eben an einem auswärtigen Projekt beteiligen, ergänzte Zweiter Bürgermeister Sebastian Finster.

Die GUT ist die Energieagentur des Landkreises und der 26 Kommunen. GUT bedeutet: Gesellschaft zur Umsetzung Erneuerbarer Technologieprojekte. Mit Hilfe der GUT will der Landkreis die Energiewende vor Ort umsetzen und autark in der Energieversorgung werden. Der Änderung des Regionalplans stimmte der Gemeinderat zu. Allerdings bat das Gremium darum, die im Gemeindebereich liegenden, zur Windkraftnutzung geeigneten Flächen als Vorranggebiete auszuweisen.