LKR Haßberge
Energiewende

Der Probebetrieb im Sailershäuser Windpark läuft

Der Windpark im Sailershäuser Wald produziert nun Strom. In der Testphase ist die Leistung begrenzt, aber nach und nach sollen alle zehn Windkraftanlagen ans Netz gehen und ab Mitte November die volle Leistung abrufen können.
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Der Windpark im Sailershäuser Wald, aufgenommen zwischen Königsberg und Hellingen. Foto: René Ruprecht
Der Windpark im Sailershäuser Wald, aufgenommen zwischen Königsberg und Hellingen. Foto: René Ruprecht
Auf 180 000 Euro beziffert Norbert Zösch den Schaden. Soviel hat den Planern des Sailershäuser Windparks der vorübergehende Baustopp an sieben Windkraftanlagen gekostet, den ab März dieses Jahres die Gegner des Projekts gerichtlich erwirkt hatten. Kosten für den laufenden Rechtsstreit sind darin nicht enthalten.

Im Juni erst ging es weiter, der Baustopp wurde aufgehoben, und jetzt kann Zösch, Geschäftsführer der am Bürgerwindpark Sailershäuser Wald beteiligten Städtischen Betriebe Haßfurt, sagen: Die ersten Windräder sind am Netz. Ende August ging Anlage zwei in Betrieb, diese Woche kam Windrad eins dazu. Beide auf Probe: "Die Anlagen durchlaufen den Testbetrieb und werden schrittweise bis zur Höchstlast hochgefahren", erklärt Zösch. "Nach circa 500 Stunden gehen sie dann in den Normalbetrieb." Die Leistung sei im Probebetrieb auf 1000 Kilowatt begrenzt. Regulär beträgt die Leistung 2400 Kilowatt pro Anlage.


Drei Wochen Probebetrieb

Laut Zösch ist der Probebetrieb nach etwa drei Wochen beendet. Und mit den anderen im Bau befindlichen Anlagen soll es dann Zug um Zug rasch weitergehen. "In dieser Woche wird die Anlage acht errichtet, nächste Woche die neun und übernächste Woche die zehn", erläutert Zösch weiter. Weitere Anlagen werden unterdessen auf ihren Probebetrieb vorbereitet. So soll in zwei Wochen Anlage drei und dann jeweils eine Woche später die vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun und zehn in die Testphase gehen. Ende Oktober, Anfang November "sind dann alle Anlagen am Netz". Mitte November könne die volle Leistung abgerufen werden. Der Strom, der dabei produziert wird, kann nach Berechnungen der Planer pro Jahr 14 000 bis 15 000 Haushalte versorgen.

Insgesamt rund 47 Millionen Euro wurden zuletzt für den Windpark an Kosten kalkuliert. "Das Budget konnte eingehalten werden. Die Über- und Unterschreitungen hielten sich in etwa die Waage", sagt Norbert Zösch. An dem Projekt konnten sich auch die Bürger des Landkreises Haßberge finanziell beteiligen, in der Hoffnung, dass eine jährliche Rendite zwischen drei und fünf Prozent dabei herausspringt. "Die Wirtschaftlichkeitsrechnung läuft über 20 Jahre. Wann die Anlagen refinanziert sind, hängt natürlich vom Windaufkommen ab", erklärt Zösch. In diesem Jahr sei die Windenergie bisher um 40 Prozent höher als im letzten Jahr. "Von daher ist es schade, dass wir nicht schon im letzten Jahr in Betrieb gehen konnten."


Hauptverhandlung steht noch an

Das war nämlich der ursprüngliche Plan. Jedoch machten unter anderem Windkraftgegner, die sich in dem Ort Kleinmünster (Gemeinde Riedbach) zur Bürgerinitiative formiert haben, Gegenwind. Gegen mehrere Windkraftanlagen laufen derzeit noch Klagen, weshalb den Planern die endgültige Rechtssicherheit fehlt. Die Hauptverhandlung findet am 24. November dieses Jahres beim Verwaltungsgericht (VG) Würzburg statt. Dort hatten die Windkraftgegner übrigens auch den Baustopp erwirkt.


Sofortvollzug

Zum Hintergrund: Das Landratsamt Haßberge hatte im Juli 2014 den Sofortvollzug verfügt, was bedeutete, dass der Bau der zehn im Sailershäuser Wald geplanten Windräder sofort begonnen werden konnte, obwohl noch Klagen gegen sie laufen. Diesen Sofortvollzug setzte das VG Würzburg für sieben Anlagen außer Kraft unter anderem mit der Begründung, das Landratsamt habe Belange des Tierschutzes (Hinweise auf eine Uhu-Brut im Einzugsbereich der Windkraftanlagen) nicht ausreichend berücksichtigt. Jedoch hob der Verwaltungsgerichtshof in München den daraus resultierenden Baustopp wieder auf. Von Bedeutung wird letztlich sein, welches Urteil im Hauptverfahren gefällt wird. Eine Bewertung will Zösch im Vorfeld nicht vornehmen: "Die Entscheidung des Gerichts bleibt abzuwarten", sagt er.

Unterdessen werden die Pläne konkreter, wie gewonnene überschüssige Energie aus den Windkraftanlagen gespeichert werden kann. Seit einiger Zeit arbeitet das Stadtwerk Haßfurt gemeinsam mit der Fachhochschule Schweinfurt an einer Power-to-Gas-Anlage, die in Haßfurt am Hafen in Betrieb gehen soll.


Beweisen, was möglich ist

Bei Power-to-Gas (PtG) handelt es sich um eine Methode, durch Elektrolyse Wasser zu trennen in die Bestandteile Wasser- und Sauerstoff, woraufhin der Wasserstoff als Energieträger gespeichert und anteilig ins vorhandene Gasnetz eingespeist werden soll. Die Planung einer Anlage "läuft auf Hochtouren", sagt Zösch. Bald werde es nähere Informationen geben, sagt er. Der erste Schritt: "Zunächst werden wir beweisen, dass eine Speicherung von Überschussstrom in Gas möglich ist."



Der Windpark und die Energiewende



Projekt Im Wald in der Nähe von Sailershausen (Stadt Haßfurt) will die Bürgerwindpark Sailershäuser Wald GmbH und Co.KG zehn Windräder bauen und betreiben.

Gesellschaft Hinter der Bürgerwindpark-Gesellschaft stehen allen voran der Landkreis Haßberge und seine Kommunen sowie Planet Energy, eine Tochter des Ökostrom-Anbieters Greenpeace Energy, die Anlagen im Bereich der erneuerbaren Energien projektiert, baut und betreibt (2001 gegründet). Das Landratsamt in Haßfurt hat das rund 47 Millionen Euro teure Projekt genehmigt.

Energiewende Der Sailershäuser Windpark war unter dem vorläufigen Namen "WK 88" Thema der lokalen Energiewende. Die will der Kreis mit seinen 26 Kommunen, Bürgern und Investoren umsetzen. Dafür wurde 2011 die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte (GUT) gegründet. Sie plant und leitet die lokale Energiewende. Die Projektrechte für den Bürgerwindpark hat sie an die gleichnamige Gesellschaft übertragen.















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