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Ebern
Forderung

Der Landrat müsste nur ja zu EBN sagen

Der sehnliche Wunsch nach der Wiedereinführung des Altkennzeichens EBN ist für die Eberner bislang unerfüllt geblieben. Jetzt hat ein Aktionsbündnis über 2400 Unterschriften an Rudolf Handwerker in Haßfurt überreicht.
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Die Eberner fahren auf ihr EBN-Kennzeichen ab. Bekommen sie es noch?  Fotos: Michael Will
Die Eberner fahren auf ihr EBN-Kennzeichen ab. Bekommen sie es noch? Fotos: Michael Will
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Heiß diskutiert wurde nicht nur aufgrund der unerträglichen Nachmittagshitze: Elf Vertreter des parteiübergreifenden Aktionsbündnisses "proEBN" haben am späten Donnerstagnachmittag 2441 Unterschriften von Befürwortern zur Wiedereinführung des Altkennzeichens EBN an Landrat Rudolf Handwerker übergeben. Auch wenn er den Vorstoß persönlich für einen "absoluten Schmarrn" hält, versprach er der Delegation aus Ebern am Ende, weitere Gespräche zu führen. Womöglich wird die Ablehnung (im Kreistag) nochmals auf den Prüfstand gestellt.
Das wünschen sich nicht nur die Vertreter der Jungen Union (JU) Ebern, die mit einer Online-Petition das Begehren vieler Eberner deutlich gemacht haben. Auch Lothar Olbrich, der auf Eigeninitiative Unterschriftenlisten in Eberner Geschäften ausgelegt hat, hofft auf Einsicht des Landrats.
Die doch noch herbeizuführen, mühte sich die Delegation in einem knapp 40-minütigen Gespräch mit dem Landrat im Landratsamt in Haßfurt eifrig. JU-Kreisvorsitzender Fabian Weber bat Rudolf Handwerker, in der Sache nicht seine eigenen Eindrücke voranzustellen, sondern darauf zu hören, was den Bürgern wichtig ist.
Dass der Wunsch zur Wiedereinführung des Altkennzeichens EBN nicht nur einsames Anliegen weniger Traditionalisten sei, zeige die hohe Zahl der Unterstützer-Unterschriften deutlich, betonte Weber. So zeichneten bei der Online-Petition der JU im Internet 1126 Unterstützer und auf den Unterschriftenlisten von Lothar Olbrich weitere 1315 Bürger. Ein Signal, das vom Landrat nicht überhört werden dürfe, sagte Weber. In seinen Augen stellt die persönliche Ablehnung der gesetzlich zulässigen Wiedereinführung des EBN-Kennzeichens durch den Landrat und die nachher herbeigeführte Abstimmung im Kreistag mit 21 Pro- und 28-Kontra-Stimmen eine Missachtung des Bürgervotums dar.
Der JU-Kreisvorsitzende macht deutlich, dass "wir alle Haßbergler sind, ohne Wenn und Aber". Der Wunsch nach dem EBN-Kennzeichen habe nichts mit Separatismus zu tun, lediglich drücke es den Stolz auf die eigene Heimatstadt aus. Und dieses Heimatgefühl wollten viele Eberner Bürger eben sichtbar mit EBN an ihren Autokennzeichen ausdrücken.
Zumal, das unterstrich Unterstützer Michael Lohm, das Kennzeichen HAS von Fremden nicht im eigentlichen Sinne seiner Bedeutung für den Landkreis Haßberge stehe. "Da heißt es immer, ihr kommt aus Haßfurt - und das stimmt halt nicht, wir sind Eberner."
Fabian Weber riet dem Landrat, in Nachbarlandkreise zu blicken. Viele seiner Amtskollegen hätten dort der Wiedereinführung von Altkennzeichen problemlos zugestimmt, zumal sie dies in alleiniger Verantwortung tun dürften. "Andernorts liest man in der Zeitung von hoch erfreuten Bürgern", sagte Weber. In den Haßbergen liege es nur an Rudolf Handwerker, viele Bürger durch eine kleine Geste ebenso glücklich zu machen. Seine Bitte: "Denken Sie nochmal darüber nach und prüfen Sie unser Anliegen. Das ist ein erfüllbarer und finanzierbarer Wunsch."
EBN bedeute für viele Eberner, ein Stück Identität sichtbar zu zeigen, sagte Lothar Olbrich. Das Altkennzeichen zuzulassen, sei "ein Freundschaftsgeschenk für die Bürger". Schließlich könne auch danach jeder selbst wählen, ob er HAS oder EBN auf seinem Kennzeichen will.
Die Wiedereinführung von Altkennzeichen hält Handwerker für "absoluten Schmarrn", wie er der Delegation sagte. Das Kennzeichen HAS stehe nunmehr seit Jahrzehnten für den Landkreis Haßberge und sei identitätsstiftend, zumal es lange gedauert habe, bis der Landkreis zusammengewachsen sei. Gäbe es künftig neben HAS auch die Kennzeichen EBN, HOH und GEO in den Haßbergen, "kann niemand mehr zuordnen, woher man kommt".
Das sei zukünftig sowieso schwierig, betonte Polizeibeamter Michael Lohm. Schließlich dürfe nach einem Vorstoß von Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) ab nächstem Jahr jeder sein Kennzeichen lebenslang behalten. "Wenn also einer aus Berlin in die Haßberge zieht, darf er sein B auf dem Kennzeichen lebenslang behalten", bilanzierte Lohm. Da sei eine Zuordnung eh nicht mehr möglich.
"Das ist ein fauler, blöder Kompromiss", gestand Handwerker ein. Er stellte seinem Parteikollegen Ramsauer für diese Entscheidung keine gute Note aus.

"Schwere Bürde"

Manfred Fausten, CSU-Stadtrat in Ebern, fuhr im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunalwahlen im März 2014 parteipolitische Geschütze auf: "Herr Landrat, Sie schaden durch Ihre Haltung nicht nur Ebern, sondern auch Ihrer Partei und hinterlassen Ihrem Nachfolger eine schwere Bürde." Um so mehr, da es von den Landratskandidaten Wilhelm Schneider (CSU) und Bernhard Ruß (SPD) Signale gebe, dass sie nach ihrer Wahl 2014 nachträglich noch pro EBN stimmen würden. Für Manfred Fausten ist es also keine Frage, ob EBN kommt, sondern lediglich wann. Rudolf Handwerker solle sich in den letzten Monaten seiner Amtszeit ein Herz fassen und dem Wunsch vieler Bürger folgen: "Erlauben Sie die Einführung des EBN-Kennzeichens." Dann seien die Menschen zufrieden und glücklich und die Diskussion endlich vom Tisch. Für den Fall, dass Landrat Handwerker bei seinem Nein bleibe, kündigte Fausten weitere Aktionen an: "Wir kämpfen weiter, aber wir wollen kein zweites Ermershausen."
Handwerker versprach, über das Anliegen nachzudenken. "Ich werde nochmal mit verschiedenen Personen sprechen." Er ließ offen, ob er den Wunsch aus Ebern bald erfüllen will: "Sie erwarten doch nicht, dass ich hier und jetzt ja sage?"
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