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Zukunft

Der Landkreis Haßberge setzt auf Bildung

Der Landkreis Haßberge soll eine Bildungsregion werden. Dazu sprach der Jugendhilfe-Ausschuss über Möglichkeiten und Anforderungen.
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Schule, Bildung und Ausbildung bedeuten Zukunft - daran arbeitet der Kreis Haßberge.  Foto: dpa/Archiv
Schule, Bildung und Ausbildung bedeuten Zukunft - daran arbeitet der Kreis Haßberge. Foto: dpa/Archiv
Dass es sich bei der Bildung um ein sehr komplexes und facettenreiches Thema handelt, wurde bei der jüngsten Sitzung des Kreistag-Jugendhilfeausschusses mehr als deutlich. Kommunalpolitiker jeder Couleur mit Landrat Rudolf Handwerker (CSU) an der Spitze wollen den Haßbergekreis zu einer "Spitzen-Bildungsregion" machen. Angesichts der Tatsache, dass das Gebiet von gleich drei attraktiven Hochschulstandorten (Schweinfurt, Bamberg und Coburg) regelrecht "umzingelt" ist, erscheint das ehrgeizige Ziel nicht als schöngeistiges Prestigeobjekt, sondern als notwendige Strategie fürs langfristige Überleben, wie die Sitzung im Haßfurter Rathaus deutlich machte.

Um dieses Ziel zu erreichen, diskutierten die Mitglieder ein breitgefächertes Bündel verschiedenster Maßnahmen und Projekte. Vieles davon, wurde betont, muss allerdings nicht neu erfunden werden, sondern ist bereits seit langem bewährte Praxis.
So gibt es beispielsweise seit etwa zehn Jahren einen Arbeitskreis (AK) Schulentwicklung, in dem Kreisräte im Dialog mit Lehrern und Pädagogen, aber auch mit Fachleuten aus Vereinen und der Wirtschaft stehen. Ein besonderes Anliegen dieses Arbeitskreises sind die "Übergänge" zwischen den einzelnen Institutionen. Jedes Kind kennt diese Schnittstellen, etwa zwischen Kindergarten und Grundschule, dann bei der Entscheidung über den Besuch einer weiterführenden Schule und schließlich nach der Schulzeit der Sprung in die berufliche Laufbahn. Diese Übergänge, referierte der Seminarrektor Stephan Bauer, müssten fließend und gleitend gestaltet werden, ohne "Reibungsverluste".

Alle im Bereich der Bildung tätigen Akteure sollten eng miteinander kooperieren und vernetzt sein, formulierte die Leiterin des Schulamtes, Ulrike Brech. Eine neu einzurichtende Bildungsberatungsstelle sollte Eltern und Kinder über alle schulischen und außerschulischen Bildungsangebote im Kreis informieren. Pflegen sollte man auch den Kontakt zu heimatverbundenen Studenten, etwa durch einen Newsletter mit Best-Practice-Beispielen für Karrieremöglichkeiten im Heimatkreis Haßberge.

Mittel fehlen für Sozialarbeit

Von verschiedenen Seiten wurden die fehlenden staatlichen Mittel für Jugendsozialarbeit an Schulen (JAS) im Grundschulbereich kritisiert. Am Beispiel der Eltmanner Grundschule erläuterte der Rot-Kreuz-Kreisgeschäftsführer Dieter Greger deren Notwendigkeit. Gerade hier befänden sich zahlreiche traumatisierte Kinder, teilweise aus Familien von Asylbewerbern. Mit präventiven Maßnahmen, so Greger, könnten "hohe Reparaturkosten in der Jugendhilfe" vermieden werden.

Eine Lanze für das ehrenamtliche Engagement in der Jugendarbeit sowie für neue Brücken des Dialogs zwischen den Generationen brach Oberregierungsrätin Carolin Mehringer-Räth. Um junge Leute für das Ehrenamt zu gewinnen, könnte man eine "Freiwilligenbörse" ins Leben rufen. Viele Jugendliche, führte sie aus, wollen sich heute nicht mehr dauerhaft an eine lästige Aufgabe binden, sind jedoch bereit, sich bei einem zeitlich begrenzten Projekt einzubringen. Damit sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen, müsste zudem die Kinderbetreuung vor allem in den Ferien- und Randzeiten ausgebaut werden. Dass sich durch die künftig abnehmenden Kinderzahlen im Kreis Einsparungsmöglichkeiten eröffnen, nannte sie einen Trugschluss.

Schließlich skizzierte Landratsamt-Geschäftsleiter Horst Hofmann die Herausforderungen durch den anstehenden demografischen Wandel. Bei den Grundschulen forderte er, das System des wohnortnahen Unterrichts aufrechtzuerhalten und die Lehrkräfte flexibler einzusetzen. Mit Blick auf die Schullandschaft in Ebern plädierte Horst Hofmann für ein gemeinsames Raumprogramm von Mittelschule und Gymnasium.

Thema Kinderschutz

Ein weiteres wichtiges Thema sprach der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistages an: den Kinder- und Jugendschutz. Es ist der Albtraum vieler Eltern: Sie schicken ihren Sprössling in den Ferien auf eine Freizeit wie etwa ein mehrtägiges Zeltlager - und bei einem der dort eingesetzten Betreuer handelt es sich um eine Person, die bereits rechtskräftig wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Um dieses Horrorszenario zu vermeiden, schreibt das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz neue Anforderungen vor. Demnach brauchen künftig auch ehrenamtliche Jugendbetreuer zwingend ein erweitertes Führungszeugnis. Das ist Pflicht.

Mit dieser präventiven Maßnahme, sagte Jugendamtsleiterin Adelinde Friedrich vor dem Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistages, sollten Kinder und Jugendliche besser vor einschlägig vorbestraften, oft pädophilen Tätern geschützt werden. Man will sicherstellen, dass sich niemand aus diesem Personenkreis im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe tummelt. In enger Abstimmung mit dem Vorstand des Kreisjugendrings beschloss der Ausschuss in seiner Sitzung in Haßfurt ein Konzept, mit dem man diese Vorgabe im Kreis umsetzen will.

Eine Schlüsselrolle fällt dabei den Städten und Gemeinden zu. Geplant ist, dass die Kommunen vor Ort alle Vereine erfassen, in denen Jugendarbeit stattfindet. Über spezielle Veranstaltungen sollen die jeweiligen Vorstände informiert werden. Um sowohl den Datenschutz zu gewährleisten als auch den bürokratischen Aufwand zu reduzieren, hat man sich eine "Vor-Ort-Praxis" ausgedacht.

Das Prozedere sieht vor, dass kein Vereinsvorsitzender, sondern jeweils nur eine zur Verschwiegenheit verpflichtete Amtsperson in der Kommune das erweiterte Führungszeugnis einsehen soll. Nachdem diese Person festgestellt hat, dass keine einschlägige Verurteilung vorliegt, erhält der jeweilige Antragsteller eine Bescheinigung.

Rechtlich korrekt wird dadurch bestätigt, dass gegen Herrn oder Frau XYZ "kein Tätigkeitsausschluss nach Paragraf 72a SGB VIII" vorliegt. Das Testat gilt fünf Jahre lang.

Für welche Tätigkeiten die neue Regelung gilt, wurde in einer - nicht abschließenden - Liste festgehalten. Bei mehrtägigen Freizeitmaßnahmen mit Übernachtungen wie Zeltlager oder Wochenenden ist die neue Bescheinigung für alle Betreuer und Mitarbeiter vorgeschrieben. Ebenso bei den Leitungs- und Betreuungspersonen örtlicher Ferienprogramme, von offenen Treffs oder bei Übungsleitern im Sport. Auch Gasteltern beim Schüleraustausch sind davon betroffen. Ausgenommen sind beispielsweise Mitarbeiter bei Tagesausflügen und Spielfesten, die Busfahrer ohne Betreuungsfunktion und Reinigungskräfte.

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