Maroldsweisach
Transplantation  

Der Bruder wird zum Lebensretter

Mit einer Niere hat Harald Deringer aus Maroldsweisach seiner Schwester Karin wieder eine Zukunft geschenkt. Beide wollen anderen Menschen Mut zu einer Organspende machen. Das SWR- Fernsehen widmet am Freitag, 30. Mai, die SWR-Talkshow "Nachtcafé" dem Thema "Geschwister - wie wichtig sind sie?" Unter anderem werden dabei Karin Schad und Harald Deringer aus Maroldsweisach zu Wort kommen.
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Heute kann Karin Schad wieder frohgemut in die Zukunft blicken. Sie und ihr Bruder haben den Eingriff sehr gut überstanden. Harald Deringer würde es sofort wieder so machen.  Foto: Gerhard Schmidt
Heute kann Karin Schad wieder frohgemut in die Zukunft blicken. Sie und ihr Bruder haben den Eingriff sehr gut überstanden. Harald Deringer würde es sofort wieder so machen. Foto: Gerhard Schmidt
Die tageszeitung "Fränkischer tag" hat bereits im mai 2013 über die Geschichte der Geschwister aus Maroldsweisach berichtet.
Helfen wollen und helfen können sind zweierlei Stiefel, sagt man. So war es nicht bei Harald Deringer aus Maroldsweisach. Er wollte und konnte seiner Schwester Karin helfen, und zwar aus größter Not. Eine Nierenerkrankung hatte sie todkrank werden lassen. Die Spenderniere ihres Bruders hat der 50-Jährigen das Leben gerettet. "Seit dem Schicksalstag, 18. Februar 2013, wo ich die Niere meines Bruders bekommen habe, fühle ich mich wie neu geboren", sagt Karin Schad. Die Frau aus Gresselgrund hatte unter Schrumpfnieren gelitten.

Hoffnung währte nur kurz

Bis 1986, als sie mit ihrer Tochter Stefanie schwanger war, hatte sie nicht bemerkt, welch schwere Krankheit sich in ihrem Körper entwickelte. Später musste sie ein ganzes Jahr lang in die Bauchdialyse. Hoffnung keimte auf, als sie im September 1994 an der Uni in Erlangen eine neue Niere bekam. Die Freude währte aber nur ein Jahr, denn ihr Körper stieß das fremde Organ ab. Nun stand sie wieder da, wie am Anfang, und "mir ging es mit der erneuten Bauchdialyse gar nicht gut", berichtet sie.
Ihr Bruder Harald, der ihr schon vor der ersten Transplantation eine eigene Niere angeboten hatte, wiederholte seine Offerte. "Es geht einem schon Manches im Kopf herum", gesteht der 51-jährige Landwirtschaftsmeister, der in Maroldsweisach einen 100 Hektar großen Betrieb bewirtschaftet. Die Liebe zu seiner Schwester war größer als alle Bedenken. Sein Verhalten sei auch stark durch sein christliches Bewusstsein geprägt, sagt der Vertrauensmann des Maroldsweisacher Kirchenvorstandes.

Eine Novelle des Transplantationsgesetzes vor einigen Jahren erleichterte die Entscheidung, denn durch das neue Gesetz wäre er wenigstens finanziell abgesichert gewesen, wenn etwas schief gelaufen wäre, erläutert der Organspender in eigener Sache: "Ich konnte nicht mehr mit ansehen, wie schlecht es meiner Schwester geht".
Bei der Voruntersuchung, bei der sich auch sein Schwager Manfred Schad testen ließ, brachte das Ergebnis, dass Harald Deringer eine hundertprozentige Übereinstimmung mit den Werten seiner Schwester Karin besitzt. Er war der ideale Spender. "So eine Übereinstimmung kommt selbst bei Zwillingen fast nie vor", weiß Deringer.

Kaum eine Chance

Er erklärt, dass er seiner Schwester das Leben wieder lebenswerter gestalten, andererseits aber auch anderen Mitmenschen ein Vorbild sein wolle, sich ebenfalls als Organspender zur Verfügung zu stellen. Ihn ärgert schon etwas, dass wegen korrupter Menschen und durch Transplantations-Skandale die Spendenbereitschaft enorm zurückgegangen ist. Unter diesen Umständen hätte Karin Schad kaum mehr eine Chance gehabt, erneut eine Niere aus Leiden zu bekommen, so heißt der Ort, wo die Vergabestelle für Transplantationsorgane sitzt. Nur die aufwendige Blutdialyse hätte sie weiter am Leben gehalten.

Die Nierenentnahme und Transplantation in der Uni Erlangen gelang optimal, und Schwester und Bruder erfreuen sich zurzeit bester Gesundheit. Karin Schad muss zwar wöchentlich überwacht werden, "aber es geht mir ausgezeichnet", sagt sie und strahlt.

Harald Deringer hat die Operation offensichtlich ebenfalls schadlos überstanden und steht bereits wieder seinen Mann im landwirtschaftlichen Betrieb.
Ohne zu überlegen erklärt er, "jederzeit würde ich wieder die Spende machen, denn das Gefühl helfen zu können, ist unbeschreiblich".





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