Maroldsweisach

Den Bürgern droht sogar vierte Rate

Die Kläranlage des Zweckverbands "Mittlerer Weisachgrund" in Junkersdorf wird um einiges teurer als bislang geplant.
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Die Werte der Kläranlage bei Junkersdorf sind noch nicht stabil. Deshalb wir Klärwärter Kurt Schleicher (Foto) noch manchmal an Schiebern drehen müssen, respektive es soll die Ursache wissenschaftlich erforscht werden.  Fotos: Helmut Will
Die Werte der Kläranlage bei Junkersdorf sind noch nicht stabil. Deshalb wir Klärwärter Kurt Schleicher (Foto) noch manchmal an Schiebern drehen müssen, respektive es soll die Ursache wissenschaftlich erforscht werden. Fotos: Helmut Will
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Die Kosten für die Kläranlage des Abwasserzweckverbandes (AZV) Mittlerer Weisachgrund bei Junkersdorf werden höher sein als geplant war. 570 000 Euro waren vorgesehen, 825 000 Euro sollen sie nun betragen, wie Bürgermeister Werner Thein (SPD) aus Maroldsweisach, Vorsitzender des Verbands in der Sitzung am Mittwochabend im Rathaus Maroldsweisach bekanntgab. Diese Mehrkosten von 255000 Euro machen es erforderlich, dass bei den Verbesserungsbeiträgen eine vierte Rate in Höhe von 225 000 Euro eingehoben werden muss.


"Ganz schön heftig"

Wie der Bürgermeister weiter mitteilte, beträgt der Beitragssatz 0,63 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche und 4,79 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche. Die doch recht "gewaltigen Mehrkosten" sorgten in der Sitzung für Gesprächsstoff, sicher auch bei den Bürgern, die sie letztlich über Beiträge und Umlagen bezahlen müssen. Verbandsmitglied Doreen Pfadenhauer kritisierte diese hohe Belastung: "Das ist ganz schön heftig, vor allem wenn man daran denkt, dass es ursprünglich hieß, dass schon die dritte Rate möglicherweise nicht nötig ist", sagte sie.

Nun kommt eine vierte Rate auf die Bürger zu. Da wird es wohl auch für die Bürger unerheblich sein, wenn sie die Bescheide erst im Herbst erhalten, wie Geschäftsleiter Michael Rahn ankündigte. "Eine vierte Rate haben wir ja bereits angekündigt, nur die Höhe stand bisher noch nicht fest", so Bürgermeister Thein.
Die kostensteigernden Maßnahmen seien notwendig, wie Vorsitzender Wolfram Thein sagte. Arnold Deininger aus Junkersdorf merkte an, dass die höheren Kosten wohl bei den Bürgern nicht auf Gegenliebe stoßen werden. Er regte an,Informationen, die zur Kostenmehrung geführt haben an die Bürger zu geben, bevor die Bescheide versandt werden.

Ob der Zweckverband noch Geld auf dem Konto habe und ob dieses zur Kostendeckung herangezogen werden könne, wollte Doreen Pfadenhauer wissen. Diesem Ansinnen mochte der Vorsitzende nicht folgen. "Das sei von der Satzung und der Haushaltslage her schwierig, wie man schon im April dieses Jahres festgestellt habe, sagte Thein. Schon damals hatte es geheißen, dass eine Erhöhung der Gebühren zur Kostendeckung unvermeidbar sei, wobei auch die künftigen Betriebskosten der Kläranlage mit zu berücksichtigen seien.


Logische Konsequenz

Klärwärter Kurt Schleicher meinte, dass es "logisch" sei, dass sich die Betriebskosten erhöhen. "Wir wollen beste Werte erzielen, also müssen wir auch mehr reinstecken." Gemeinderat Nikolaus Schober (FWG) und Verbandsmitglied Arnold Deininger aus Junkersdorf vertraten die Auffassung, dass eine Erhöhung in den nächsten zwei Jahren nicht kommen sollte. "Selbst wenn wir müssen", so Schober. Auf Vorschlag von Doreen Pfadenhauer sicherte Thein zu, von der Verwaltung prüfen zu lassen, ob der Zahlungszeitraum für die vierte Rate möglichst "verträglich" festgesetzt werden kann.


Deutliche Mehrkosten

Hauptgrund für die überproportional hohe Kostensteigerung wären in der Hauptsache zusätzliche Sanierungsarbeiten an der Kläranlage, die bereits im Verbandsrat beschlossen wurden. So sei der Beton am Tropfkörper und am Becken saniert , das Material im Tropfkörper komplett ausgetauscht worden. Mit etwa 20 000 Euro hätte zusätzlich eine Verbesserung der Ausstattung im Gesamtvolumen zu Buche geschlagen. Ausgetauscht werden die korrodierten Roste im Tropfkörper. Statt einer Leiter wird eine Treppe zum Becken angebracht und eine bessere Zuluftverbindung zwischen Emscher Brunnen und Tropfkörper soll im Winter für Plusgrade und damit für einen stabileren Betrieb sorgen.

Auch kurzfristig vom Vorsitzenden in Auftrag gegebene Arbeiten, wie das aufwändige Absaugen des Schlamms aus dem Absatzbecken, verursachte Mehrkosten von knapp 13 000 Euro. Diplomingenieur Harald Güthler sagte, dass die Kosten für die Kläranlage und die Mischwasserbehandlung noch unter dem liegen, was bei der ersten Planung im Jahr 2003 mit der herkömmlichen Technik angesetzt war. Innovationen machten es möglich, Baukosten für die nötigsten Maßnahmen zu senken und das so gesparte Geld in die Bausubstanz zu investieren. Das bestätigte Michael Rahn.


Werte sind instabil

Die Arbeiten, welche sich nicht leicht gestalteten, sind nach den Worten Güthlers fast abgeschlossen. Allerdings gebe es Probleme beim Betrieb, da die Anlage keine stabilen Werte liefere. Deshalb müsse die Probephase verlängert werden. Eine Messkampagne mit wissenschaftlicher Unterstützung soll klären, woran das liegt. Deshalb wird ein Student diese Messreihe im Rahmen seiner Bachelorarbeit vornehmen. Das Ergebnis soll bis Ende September vorliegen. "Diese Erkenntnisse sollen in Richtlinien für Kläranlagen mit innovativen Elementen einfließen. So gesehen ist die Kläranlage in Junkersdorf ein Musterbetrieb", sagte Güthler. Der Verbandsrat billigte die Maßnahmen einstimmig.

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