Breitbrunn
Soziales Engagement

Decken, Mützen und Herzenswärme

Mit einem "Beergame" im Internet hat alles begonnen. Thomas Zettelmeier aus Breitbrunn machte sein Facebook-Versprechen wahr und reiste nach Indien, um zu helfen.Auch eine Brunnenbohrung konnte er dank Spenden ermöglichen.
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Von der Katastrophe betroffene Familien, Waisenkinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung bekommen eine warme Decke für die Kalte Jahreszeit. Fotos: Alexandra Schmitz
Von der Katastrophe betroffene Familien, Waisenkinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung bekommen eine warme Decke für die Kalte Jahreszeit. Fotos: Alexandra Schmitz
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"Normalerweise müsste ich jetzt ein Bier exen. Aber ich hab' mir gedacht, bevor ich mir einen halben Liter in den Rachen schütt', mach ich lieber was Sinnvolles", kündigte Thomas Zettelmeier im Februar in einem Facebook-Video an. Der Grund für dieses Video: Er wurde für das "Socialbeergame", das durch das soziale Netzwerk kursierte, nominiert. Dafür sollte er, wie tausende andere Teilnehmer an diesem "Spiel" , ein Bier in einem Zug leertrinken und ein Beweisvideo hochladen.

Anstatt das Bier zu exen und sich dabei zu filmen, filmte der junge Breitbrunner sich bei einem Spendenaufruf: Das "So-cialhelpgame" war geboren.

Er forderte die Facebook-User auf, Geld für notleidende Kinder zu spenden und versprach, wenn er mit dieser Aktion über 2000 Euro auf ein eigens dafür eröffnete Konto bekommen würde, würde er in ein hilfsbedürftiges Land fliegen und dort mit anpacken. Freunde und Bekannte waren begeistert und spendeten, auch weil sie ihm vertrauten. Und schon drei Wochen später war es soweit: Über 2000 Euro waren auf das Konto geflossen. Die Aktion lief bis zum 31. August und insgesamt kamen, auch durch Einnahmen von zwei weiteren, gemeinnützigen Organisationen, 5000,60 Euro zusammen. So viel zur Vorgeschichte.

Abflug nach Indien

Mitte November hieß es dann für Thomas Zettelmeier Koffer packen. Am 16. November flog er mit drei Helfern des Bamberger Vereins "FriendCircle WorldHelp e. V." in den Bundesstaat Uttarakhand im Norden Indiens, um dort Flut- und Überschwemmungsopfern zu helfen. "Klar war ich aufgeregt", gibt der 33-Jährige zu, "aber Ängste hatte ich keine. Ich war durch Vorgespräche mit den beiden Vorsitzenden des Vereins bestens darauf vorbereitet."

Auf seiner Facebookseite "Socialhelpgame" hielt er alle Spender auf dem Laufenden und erzählte von den Hilfsaktionen: "Wir hatten fast 4000 Mützen im Gepäck, die in Deutschland von verschiedenen Strickkreisen angefertigt wurden. Dazu noch 1200 Decken aus indischer Herstellung."

In der Bergregion Uttarakhand bewegen sich die Temperaturen in den Wintermonaten um den Gefrierpunkt. Das macht vor allen den Menschen, die dort auf den Straßen leben, schwer zu schaffen. Außerdem überraschte im Sommer 2013 eine verheerende Flut viele Dörfer; es kam zu extremen Überschwemmungen. Vor allem die Witwen, Straßenkinder und Behinderten erhielten Decken und Mützen.

Vor Dankbarkeit strahlende Augen erwarteten die Helfer dort. "Es war sehr bewegend zu sehen, wie sehr sich Menschen über eine Decke und eine Strickmütze freuen können. Ein Wert von circa drei Euro trieb vielen Menschen Tränen in die Augen", erzählt der Erzieher. Auch die Hilfsbereitschaft der Kontaktpersonen hat den Helfer sehr gerührt: "Sie waren jeweils selbst in der gleichen Situation und haben sich über viele Tage für ihre Mitmenschen eingesetzt, ohne selbst je auch nur einmal nachzufragen, ob sie zum Beispiel auch eine Decke bekommen würden."

Ein Brunnen zum Leben

Nach dem fünftägigen Einsatz in den Dörfern in Uttarakhand ging es für die Helfer nach New Delhi und von dort aus weiter ins 22 Zugstunden entfernte Hyderabad, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Telangana, wo die Helfer vier Tage auf einer Leprakolonie verbrachten, die 20 Kilometer von der nächstgelegenen Stadt Kamareddy entfernt liegt, verbrachten. "Mit Leprabetroffenen will in Indien leider niemand was zu tun haben. Um überhaupt etwas zum Essen zu bekommen, müssen sie in der Regel betteln", erzählt Thomas Zettelmeier. Die Betroffenen möchten zwar selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen, haben aber zur Bewirtschaftung der Felder zu wenig Wasser.

Daher ließ man mit den Spenden einen Brunnen bohren. "Wir haben die Ländereien der Kolonie besichtigt", erklärt der Erzieher, "Und im Anschluss haben wir vor Ort mit den Unternehmen, einer Bohrfirma und einem Geschäft, das Pumpen verkauft und installieren kann, Kontakt aufgenommen und über die Preise verhandelt." Hilfe zur Selbsthilfe lautete in dieser Region das Motto - mit Erfolg. Die Menschen dort haben jetzt Wasser zur Bewirtschaftung ihrer Felder.

Erfahrung fürs Leben

Die Spendengelder flossen in verschiedene Aktionen. "Die Decken und deren Transport, der Brunnen und die Firmen mussten davon bezahlt werden", schlüsselt Thomas Zettelmeier die Ausgaben auf. Die Reisekosten inklusive Flug und Verpflegung allerdings hat jeder der Helfer selbst gezahlt. "Das hat mich an ,FriendCircle WorldHelp e. V.' besonders überzeugt, denn da kommt wirklich jeder Cent an", versichert der 33-Jährige.
Die Reise war eine Erfahrung, die Thomas Zettelmeier jederzeit wieder machen wollen würde. "Die Menschen in Indien sind, trotz des Leides und der Abgrenzung, die manche erfahren, sehr nett, hilfsbereit und herzlich", erinnert er sich. Anfangs hatte er Bedenken, sich mit seiner Aktion lächerlich zu machen. Doch als dann nach wenigen Wochen die 2000 Euro schon auf dem Konto waren und ihn auch immer mehr Leute darauf angesprochen und weiter gespendet haben, wusste er, dass es die richtige Entscheidung war. Es ist ihm bewusst geworden, dass es den Menschen hier in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen sehr gut geht und dass die Probleme in Deutschland meist nur Luxusprobleme sind. Denn, "die wirklich wichtigen Dinge im Leben kann man nicht kaufen".


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