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Haßfurt
Prozess

Dauerarrest für eine Faustattacke

Das Amtsgericht in Haßfurt verurteilte einen 20-Jährigen, der einen drei Jahre älteren Mann angegriffen und verletzt hatte. Eifersucht war das Motiv für die Körperverletzung. Der Angeklagte schrammte knapp an einer Gefängnisstrafe vorbei.
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Bei der Verhandlung in Haßfurt ging es um Körperverletzung. Symbolfoto: Archiv
Bei der Verhandlung in Haßfurt ging es um Körperverletzung. Symbolfoto: Archiv
Die Eifersucht ist ein schlechter Ratgeber. Sie war Auslöser dafür, dass ein 20 Jahre alter Mann auf einen vermeintlichen Kontrahenten im September 2014 an den Mainwiesen in Haßfurt einschlug. Drei Wochen Dauerarrest war die Quittung für den Heranwachsenden, die er bei seinem Prozess in Haßfurt von einem Schöffengericht am Amtsgericht erhielt. Der Angeklagte ist dem Gericht kein Unbekannter. Vier Einträge stehen im Strafregister.

Laut Anklageschrift, die Maria Kinder, Referendarin der Staatsanwaltschaft in Bamberg, vortrug, hat der Angeklagte ohne Vorwarnung auf einen 23 Jahre alten Pflegehelfer aus Würzburg eingeschlagen, als er diesen mit seiner Ex-Freundin im Gras liegend erkannte. Durch mehrfache Schläge mit der Faust erlitt das Opfer eine Platzwunde und Prellungen. "Es stimmt alles, wie es in der Anklage steht", sagte der Beschuldigte.
Als er die Situation mit seiner Ex-Freundin wahrnahm, sei er ausgerastet, erklärte der 20-Jährige. "Ich habe auf ihn eingeschlagen oder getreten, genau weiß ich das gar nicht so genau." Von Begleitern sei er dann zurückgehalten worden. "Na ja, es tut mir jetzt auch leid", sagte der junge Mann vor Gericht.

Der Geschlagene räumte ein, dass er mit dem Angeklagten schon immer Konflikte hatte. "Keine Ahnung, er schlug oder trat plötzlich auf mich ein", sagte der Zeuge. Danach sei es ein "Gerolle auf dem Boden" gewesen, "das war ein Fünf-Minuten-Gefecht", schilderte das Opfer. Die Folgen für ihn: "Eine Platzwunde unter dem Auge, das war's."

Vier Einträge im "Sündenregister"

Beim Hinausgehen verabschiedete sich der Zeuge beim Angeklagten mit Handschlag. Richter Martin Kober erinnerte den Angeklagten, dass noch die Ableistung von 150 Arbeitsstunden aus einer anderen Verurteilung zu leisten sind. Diese hat er bisher, offenbar wegen gesundheitlicher Probleme, nicht ableisten können. Vier Einträge fand der Richter im Bundeszentralregister für den Angeklagten (Körperverletzung, Führen einer verbotenen Waffe und zwei Vergehen nach dem Betäubungsmittelgesetz). Deshalb hatte er schon eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung, erhalten.

Franz Heinrich von der Jugendgerichtshilfe führte aus, dass er Angeklagte nicht so richtig in die Gänge komme. Er sei äußerst labil. Seine familiären Verhältnisse waren und sind nicht zum Besten, wie er sagte. Sozial sei er nicht eingebunden und er komme nicht wirklich auf die Beine. Mit seiner Freundin, wegen der es zu der Tat kam, sei er vier Jahre zusammen gewesen, und schon mit 13 Jahren habe er mit Betäubungsmitteln in Kontakt bekommen. "Sein unreifer Charakter braucht eine feste Hand", sagte der Jugendgerichtshelfer. Einen Dauerarrest hielte er für den Angeklagten für angebracht.

Erfahrung mit Drogen

Mit Drogen habe er aktuell nichts mehr zu tun; er habe jedoch neben "Rauchen" schon Crystal Meth genommen, sagte der Angeklagte auf Frage des Staatsanwaltes Christian Lang.

Der Anklagevorwurf sei bestätigt, führte Anklagevertreterin Maria Kinder in ihrem Plädoyer aus. Sie beantragte unter Einbeziehung der Vorstrafe und mit Blick darauf, dass der Angeklagte unter laufender Bewährung stand, eine Jugendstrafe von zwei Jahren, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt, Christian Merkel, sah Eifersucht als Leitmotiv für die Tat seines Mandanten. Im Urteil sollte die Vorverurteilung einbezogen werden. Er plädierte für eine maximale Strafe von zwei Jahren, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Weiter schlug der Verteidiger ein Antiaggressionstraining vor. "Es war halt eine Kurzschlusstat", sagte der Rechtsanwalt.

Drei Wochen Dauerarrest sprach das Schöffengericht aus. Von der Auferlegung der Kosten wurde aufgrund der finanziellen Situation des Angeklagten abgesehen. "Wenn Sie nicht krank geworden wären, wäre die Strafe höher ausgefallen, und wenn Sie nicht die Ihnen bereits auferlegten Arbeitsstunden ableisten, fällt der Hammer", warnte der Richter Martin Kober.

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