LKR Haßberge
Winterdienst

Das nächste Türchen geht auf

Für klare Verhältnisse sorgen Mitarbeiter von Bauhöfen und Straßenmeistereien, sobald die Straßen rutschig werden. Dafür stehen tonnenweise Salz zur Verfügung, Beobachter, Messsonden und Computersoftware, die Alarm auslöst.
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Otto Stark vom Kreisbauhof zeigt die Salzvorratskammer auf dem Bauhofgelände in Haßfurt. Hier lagern 1000 Tonnen Salz ein, am Standort Ebern weitere 600. Zudem kann jederzeit nachbestellt werden. Fotos: Andreas Lösch
Otto Stark vom Kreisbauhof zeigt die Salzvorratskammer auf dem Bauhofgelände in Haßfurt. Hier lagern 1000 Tonnen Salz ein, am Standort Ebern weitere 600. Zudem kann jederzeit nachbestellt werden. Fotos: Andreas Lösch
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Zum einen sind es Erfahrung und Beobachtung, zum anderen Messtechnik und verarbeitete Computerdaten: Wann die Räumdienste im Landkreis Haßberge zum winterlichen Einsatz ausrücken müssen, das wissen sie fast punktgenau, und entsprechend schnell sind sie dann auch auf den Straßen, um für klare Verhältnisse zu sorgen.

Es gibt natürlich trotzdem Autofahrer, die anrufen und sich beschweren, dass an irgendeiner Stelle nicht geräumt ist, erklärt Dieter Gonnert mit einem Schmunzeln. Meistens hat es da gerade angefangen zu schneien, aber präventiv Schneeflocken auffangen, das sei in Deutschland noch kein Standard, sagt der Leiter der Autobahnmeisterei Knetzgau. Aber: Wenn Schneefall vorhergesagt ist (die Autobahnmeisterei nutzt dazu Daten des Deutschen Wetterdienstes, kurz: DWD), wird laut Gonnert auf der Autobahn sogar kurz vorher vorbeugend Salz gestreut, damit sich der Schnee "erst einmal nicht festfährt". Die kurzfristigen Vorhersagen des DWD seien zu etwa 90 Prozent verlässlich, schätzt Gonnert. Nach der präventiven Fuhre Salz wird erst geräumt.


50 Kilometer Autobahn

Die Autobahnmeisterei ist zuständig für rund 50 Kilometer Strecke auf der Bundesautobahn A 70 von der Anschlussstelle Schweinfurt/Bergrheinfeld bis zur Anschlussstelle Bamberg-Hafen. In beide Richtungen werden Fahrzeuge losgeschickt, die jeweils alle Fahrspuren in einem Durchgang bearbeiten können. Wird nur gestreut (bei Reifglätte), brauchen sie etwa eineinhalb Stunden für die 50 Kilometer. Muss Schnee geschoben werden, dauert es etwa zwei Stunden. Bei einer Runde Streuen werden laut Gonnert etwa zwölf Tonnen Salz verbraucht. 1200 Tonnen hat die Autobahnmeisterei vor Ort in Knetzgau vorrätig, Nachschub steht jederzeit bereit im Zentrallager in Nürnberg-Hafen.


Tückische Reifglätte

"Wir haben mehr Reifglätte als Schneefall", erklärt Gonnert. Was tückisch ist: Eine dünne Eisschicht, die auch bei Plusgraden entstehen kann, ist für Autofahrer schwieriger wahrzunehmen. Bei Schnee werde der Fahrstil in der Regel schneller an die Straßenverhältnisse angepasst. Die Autobahnmeisterei erhält übrigens ständig Daten übermittelt von Messsonden entlang der Strecke. Sie befinden sich etwa auf Brücken, wo sich eine Reifschicht früher bilden kann als auf der befestigten Strecke. Oder in Tälern, wo in Flussnähe regelmäßig Nebel entsteht, der wiederum bei Plustemperaturen in der Umgebung auf der durchgekühlten Fahrbahn festfrieren kann.

Misst eine Sonde (sie überwacht Luft- und Bodentemperatur oder relative Feuchtigkeit) einen kritischen Wert, gibt es Alarm. Dann rücken Gonnerts Mitarbeiter aus. Die Autobahnmeisterei ist dafür unter der Woche rund um die Uhr besetzt, am Wochenende wird die Tagesschicht (8.30 Uhr bis 17 Uhr) durch Rufbereitschaft ersetzt, ansonsten sind auch Samstag und Sonntag immer Mitarbeiter auf dem Betriebsgelände im Dienst. Auch im Kreisbauhof des Landkreises Haßberge in Haßfurt ist man auf einen Einsatz vorbereitet. Von November bis März sind Winterdienstbeobachter im Einsatz, die das Straßennetz abfahren und die Verhältnisse prüfen. Im Kreisbauhof in Haßfurt stehen sechs Mann für den Räum- und Streudienst zur Verfügung, am Standort Ebern-Sandhof des Kreisbauhofs sind es drei Mitarbeiter, wie Straßenmeister Otto Stark erklärt. Für 321 Kilometer Straße ist der Kreisbauhof zuständig. Für den Winterdienst kooperiert er mit dem Straßenbauamt Schweinfurt, das die Staats- und Bundesstraßen im Kreis betreut. Die Behörden stimmen sich ab und streuen jeweils Strecken gegenseitig mit.


Es gibt immer Lücken

Sobald es glatt wird oder schneit, sind die Kreisbauhofmitarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs, aber auch hier gilt, dass einige Straßen kurzzeitig nicht geräumt sein könnten. Stark weist deshalb darauf hin, dass die größte Sicherheit (oder eben Unsicherheit) noch immer vom Fahrverhalten der Autofahrer ausgeht: "Ein bisschen langsamer fahren. Dann ist jedem geholfen, wenn es glatt ist." Dass das funktioniert, zeigt ein Beispiel aus dem Kreisbauhof selbst: "Unsere Leute müssen ja auch auf die Arbeit. Da ist nie gestreut", sagt Stark und lacht. Einen Unfall habe es trotzdem noch nicht gegeben.
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