Der Hilfeschrei ist schon seit langem unüberhörbar, die Resonanz bislang mäßig. Das Tierheim in Haßfurt an der Prappacher Straße platzt aus allen Nähten. Neben den derzeit 38 Hunden in den Zwingern sind aktuell 72 Katzen in notdürftig umgerüsteten Bauwagen untergebracht. Es riecht nach Massentierhaltung, das Veterinäramt drängt jährlich nach Untersuchungen auf eine Verbesser- ung der Hygiene- und Quarantäne-Maßnahmen.
Die offenen Rechnungen bei Tierärzten, die wegen Seuchengefahr unter anderem jede neu aufgenommene Katze untersuchen und kastrieren müssen, belaufen sich auf weit über 10 000 Euro. Und sie dürfen - laut Vorschrift - auch nicht billiger oder gar umsonst arbeiten.

Die Kosten laufen davon


"Jeder Hund kostet am Tag zwölf bis 18 Euro, alte und kranke nicht eingerechnet", schildert der Vorsitzende des Tierschutzvereins, Dieter Schindelmann, die Not. Der Veterinäramtsleiter Markus Menn kennt die Katzen-Kosten: "Allein für Futter und Katzenstreu pro Tag ein Euro, da sind im Monat schnell 3000 Euro beisammen."
Tierheimleiterin Heidi Schindelmann hat angesichts eines Plans, auf dem Freilauf des Tierheims eine Containeranlage für Katzen, Quarantänestation und Untersuchungsraum für den Tierarzt zu erstellen, im November 2009 genau 47 Briefe an Organisationen, Betriebe und Geschäftsleute verschickt. "Ein einziger hat 100 Euro überwiesen", schildert sie das magere Ergebnis. "Aber 10 000 Euro müssen wir selbst aufbringen. Deshalb sind wir auf Spenden dringendst angewiesen."

80 000 Euro veranschlagt


Die 10 000 Euro sind nur ein kleiner Teil dessen, was die Containeranlage kostet. 80 000 Euro sind veranschlagt. Der Kreisausschuss des Kreistages hat gestern in seiner Sitzung in Haßfurt beschlossen, 30 000 Euro dazu zu geben. Die Unterbringung von Fundtieren ist eigentlich eine Pflichtaufgabe der Gemeinden; der Landkreis Haßberge hat sie aber vor Jahren übernommen und an den ehrenamtlich arbeitenden Tierschutzverein weitergegeben.
"Es ist allerhöchste Eisenbahn, den Verein auf eine solide Basis zu stellen, sonst kriegen wir ein Problem, auch mit der Öffentlichkeit", sagte Bürgermeister und Kreisrat Rudi Eck (CSU). Seine Stadt will (neben Kanal- und Wasseranschluss) ebenfalls 30 000 Euro beisteuern. Der Beschluss dazu steht noch aus. Weitere 10 000 Euro sollen vom Deutschen Tierschutzbund aus einem "Feuerwehrfond" kommen, wovon die Hälfte aber auch nur ein zinsloser Kredit ist. "In Bad Kissingen haben sie zwei fest angestellte Tierpfleger und einen Azubi. Da wollen wir ja nicht hin, denn dann wird's verdammt teuer", meinte Eck.

Die Wurzel des Übels


Wegen der Flut an herrenlosen Katzen im Landkreis forderte Kreisrat Wilhelm Schneider, CSU, das "Problem an der Wurzel" anzugehen. Bei Menn lief er offene Türen ein. "Wir könnten die Ersten in Bayern mit einer Katzenschutzverordnung sein, mit deren Hilfe alle freilaufenden Katzen kastriert und registriert werden können", sagte er.
Ein Katzenpaar, so rechnete er vor, kann in acht Jahren zehn Millionen Kinder und Kindeskinder... zeugen. "Wenn nichts Grundlegendes geschieht, "sind die Container in drei Jahren wieder voll". Im Grunde würde jede Kommune nur auf den Startschuss warten, dass eine andere damit anfängt.

Todesurteil?


Kreisrat Oskar Ebert (FW) wartete gar, wie er selbst einräumte, mit einem unpopulären Vorschlag auf: einschläfern. "Rehe werden auch dezimiert", meinte er. Doch für Euthanasie braucht es einen "vernünftigen Grund", wurde er von Markus Menn gebremst. "Platzmangel ist keiner". Der Landrat Rudolf Handwerker will jetzt in anderen Bundesländern die Erfahrungen mit einer Katzenschutzverordnung prüfen lassen.
Damit der Tierschutzverein seine übertragene Aufgabe erfüllen kann, wurde der jährliche Kreiszuschuss außerdem - was für längst überfällig erachtet wird - von bisher 25 Cent pro Einwohner auf 40 Cent erhöht. Das Tierheim muss über seine Entwicklung 2011 berichten.