Ebern
EheJubiläum

Das Reisen erst im Alter entdeckt

Irene und Karl Prautsch aus Ebern sind seit 60 Jahren verheiratet. Die beiden haben sechs Kinder und neun Enkel.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auch wenn beider Wiege nicht in Franken stand, in Ebern fühlt sich das Jubelpaar Irene und Karl Prautsch heute am wohlsten.  Foto: Johanna Eckert
Auch wenn beider Wiege nicht in Franken stand, in Ebern fühlt sich das Jubelpaar Irene und Karl Prautsch heute am wohlsten. Foto: Johanna Eckert
Bei allerbestem Frühlingswetter konnten Karl und Irene Prautsch ihre diamantene Hochzeit feiern. Ob es denn vor 60 Jahren genauso schönen Sonnenschein gab, wollte Harald Pascher, Zweiter Bürgermeister der Stadt Ebern (FDP), bei seinem Gratulationsbesuch wissen. "Das weiß ich heute nicht mehr", musste ihm die 89-jährige Irene Prautsch gestehen. Aber sie erinnert sich noch, dass es eine ganz einfache Hochzeit im Ort ihrer Eltern im mittelfränkischen Hartenstein war.

Irene und Karl Prautsch sind keine gebürtigen Eberner. Sie stammt aus Oberschlesien, er aus Böhmen. Als Vertriebene sind sie nach dem Zweiten Weltkrieg in den Haßbergkreis gekommen und lernten sich bei einem Dorffest in Hellingen kennen.
"Blickkontakt war das", erinnert sich Irene Prautsch an die erste Begegnung mit ihrem Ehemann, "und dann hat sich das mit der Liebe ganz langsam entwickelt."

"Ein teurer Beamter"

Bevor sie vor den Traualtar traten, lebten die beiden fast sechs Jahre als Paar zusammen - oft voneinander getrennt. "Viele Wochen hatten wir nur Briefkontakt", erzählt Irene Prautsch. Denn Karl Prautsch, der in seiner Heimat in Böhmen als Landwirt tätig war, absolvierte seine Berufsausbildung an der Hochschule in Triesdorf. Als Agraringenieur und Deutschlehrer war er bis zum Beginn seiner Rente in der Berufsschule in Hofheim tätig. Seit 29 Jahren ist der mittlerweile 91-Jährige in Pension und gibt mit einem Augenzwinkern zu: "Ich bin ein teurer Beamter."

Er genießt sein Leben in den eigenen vier Wänden in Ebern am Kapellenstegsweg. Dort hat das Ehepaar als eines der ersten im Jahr 1966 ein Haus gebaut. Die Natur hatten sie als Nachbarn. "Wir saßen am Frühstückstisch und konnten auf das Getreidefeld schauen. Im Wind hat sich das so gebogen. Das war sehr schön", kann sich Irene Prautsch noch an damals erinnern. Schnell bekamen sie aber Nachbarn und darüber ist das Ehepaar heute sehr froh. Denn sie haben zwar sechs Kinder und neun Enkel, aber niemand aus der Familie wohnt in der Nähe. "Die Nachbarn helfen uns schon sehr viel", sagt Irene Prautsch.

Ein Faible für Bücher

Erst als die Kinder aus dem Haus waren, ging das Ehepaar auf Reisen. Denn: "Mit sechs Kindern kann man ja nicht reisen", erzählt Irene Prautsch an ihrem Jubeltag. Bücher sind es, die sich heute bei ihrem Ehemann stapeln: Tschechien und die Aussiedlung, der Wirtschaftsaufstieg in Bayern und die Kissinger-Saga sind Themen, mit denen er sich gerade beschäftigt. "Mein Schwiegersohn ist Archäologe und arbeitet in einem Museum, der bringt mir das alles mit", sagt der 91-jährige Jubilar, "ich lese verhältnismäßig viel."
Stellvertretender Landrat und Bürgermeister von Eltmann, Michael Ziegler (CSU), scheute den weiten Weg nicht, um Irene und Karl Prautsch zum Ehrentag zu gratulieren. "Sogar einen Brief vom Ministerpräsidenten haben wir bekommen", freute sich Karl Prautsch. Die Familie war aber nicht da. "Die wohnen in der Schweiz und in Süddeutschland. Das ist viel zu weit und außerdem sind sie berufstätig. Das holen wir bei nächster Gelegenheit aber nach", gab das Ehepaar entschlossen Auskunft.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren