Ebern

Das Gedenken hat seine speziellen Orte

In Ebern gibt es zwei Mahnmale zu Ehren der Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs. Anlässlich des Volkstrauertags berichtet Kreisheimatpfleger Günter Lipp über die Geschichte der beiden Gedenkstätten. Sie erinnern auch an weitere Opfer von Gewalt.
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Eine große Menschenmenge drängte sich 1926 bei der Enthüllung des Kriegerdenkmals für die 40 Eberner, die im 1. Weltkrieg gefallen waren oder vermisst wurden. Repro: pp
Eine große Menschenmenge drängte sich 1926 bei der Enthüllung des Kriegerdenkmals für die 40 Eberner, die im 1. Weltkrieg gefallen waren oder vermisst wurden. Repro: pp
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2014 wird sicher wieder oft an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Die Zeitungen werden Berichte bringen, das Fernsehen Dokumentarfilme, die Volkshochschulen Vorträge und die Vorsitzenden der wenigen Kriegervereine, die es noch gibt, werden Reden halten. Man wird sagen was war, wann es war, wo es war und warum. Noch wichtiger aber ist es, an die Menschen, vor allem die Gefallenen und Vermissten und an ihre Familien zu denken. Ebern hat dafür gleich zwei Mahnmale, beide mit einer besonderen Geschichte. Diese zeigt Kreisheimatpfleger Günter Lipp - gerade zum morgigen Volkstrauertag - auf.

Denkmal von 1926

Das erste der Mahnmale steht links neben dem Portal der Stadtpfarrkirche. Es ist ein Denkmal. Augenblicklich versteckt es sich etwas hinter einem Baugerüst.
Im neugotischen Stil, der zur damaligen Ausstattung der Kirche passte, zeigt es in, wie Günter Lipp findet, "etwas unglücklicher Anordnung" auf vier Steinplatten die Namen von 40 Ebernern.

Bei jedem ist sein Truppenteil, sein Todesdatum und das Land vermerkt, in dem er geblieben ist. Meist ist es Frankreich. Bei August Batzner findet sich nach dem Sterbedatum 21.10.1917 das ungewöhnliche "Ost-Afrika". Er hat offenbar bei den Kolonialtruppen gedient. Schrecklich, dass das Jahr 1914 mit seinen fünf Kriegsmonaten gleich sieben Opfer aus Ebern forderte.
Über den Tafeln steht: "Ihren im Weltkrieg gefallenen Helden die dankbare Stadt Ebern."

Pieta obenauf

Und ganz oben schmückt das Denkmal eine große Pieta, das heißt die Darstellung Marias mit ihrem toten Sohn. Das erinnert an die Figur von Käthe Kollwitz in der Neuen Wache in Berlin, der nationalen Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Geschaffen hat das Denkmal der Eltmanner Bildhauer Adolf Thomann; eingeweiht wurde es am Sonntag, 7. November 1926 "unter allgemeiner Teilnahme der hiesigen Bevölkerung und einer großen Anzahl auswärtiger Vereine". Als die Hülle fiel läuteten die Glocken der Stadtpfarrkirche, ertönten Böllerschüsse und die Kapelle stimmte das Lied vom "Guten Kameraden" an. "Sichtlich ergriff die ganze Festversammlung eine innere Rührung", schrieb der "Baunach- und Itzbote" vom 8.November 1926. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Zimmermeister Georg Einwag, legte ebenso einen Kranz nieder wie Bürgermeister Georg Schmitt und der Vorstand des Kriegervereins Untermerzbach.

Dissonanzen unter den Konfessionen

Vergessen war in diesem Augenblick das unglückliche Vorspiel zur Errichtung des Denkmals. Zu dem aber hat Günter Lipp im Stadtarchiv Interessantes gefunden: Weil die protestantischen Kriegstoten bereits auf einer Tafel in der Schlosskirche von Eyrichshof genannt waren, hatte Stadtpfarrer Johann Baptist Gerber an Weihnachten 1921 den Antrag gestellt, für die Katholiken eine Tafel in der Marienkapelle zu schaffen. Dafür hatte der Stadtrat am 4. Januar 1922 mit 6:4 Stimmen einen Zuschuss von 6000 Mark bewilligt. Gegen diesen Beschluss erhoben schon am 10. Januar "alle loyal gesinnten Bürger und Einwohner Eberns" schärfsten Protest".

So steht es in einem sechsseitigen Schreiben des Denkmalkomitees. Etwa 150 Eberner hatten es unterschrieben, darunter so bekannte wie Michael Grohe, Josef Wappes, Georg May, Georg Batzner und Karl Hoch. Sie wandten sich dabei insbesondere gegen eine "Majorisierung der ... evangelischen Mitbürger", verwiesen darauf, dass der Zuschuss schließlich aus gemeinsamem "Gemeindevermögen" kam und wollten wissen: "Haben draußen im Felde unsere Krieger sich gegenseitig gefragt 'bist du katholisch oder bist du protestantisch?'". Bürgermeister Schmitt legte die Unterlagen dem Bezirksamt Ebern vor. Wie dieses damit verfuhr, ist unklar.

Fünf Eichen gefällt

Wenige Monate später aber bat der Denkmalausschuss um einen Vorschuss von 20 000 Mark für die Kosten des Projekts, und da sich die Antwort offenbar verzögerte, bat man 1923, doch fünf Eichen im Stadtwald zu fällen, damit das Denkmal finanziert werden konnte. Das scheint dann auch geschehen zu sein.

Denkmal im alten Beinhaus

Ebern hat aber auch noch ein zweites Mahnmal an den 1. Weltkrieg und zwar im Ossarium, dem ältesten Gebäude der Stadt. Es war der Geistliche Rat Dr. Wilhelm Haller, der die Idee hatte, das Erdgeschoss des ehemaligen Beinhauses in eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten und zweiten Weltkriegs umzugestalten. Der Stadtrat beschloss es bereits am 25. Mai 1954, doch tat sich dann offenbar längere Zeit nichts.

Deshalb verfassten Dr. Haller und Bürgermeister Merkl im Juli 1957 gemeinsam einen Aufruf an die Eberner: Die Gefallenen und Vermissten sollten "ein symbolisches Grab im Schatten der Heimatkirche" erhalten. Dafür musste man das Erdgeschoss zunächst ausräumen. Das dort gelagerte Holz wurde entfernt, die Mauern trocken und der Boden tiefer gelegt. Dabei tauchten immer wieder Knochen aus früherer Zeit auf.

169 Namen

Die Wände wurden mit Steinplatten verkleidet, in die man die 169 Namen der Gefallenen und Vermissten aus beiden Weltkriegen meißelte. Einziger Schmuck ist an der Ostseite ein Hochrelief der Kreuzabnahme Christi durch Josef von Arimathia und Maria Magdalena. Es stammt von dem Würzburger Bildhauer Helmut Weber und ist aus einem Block Zeiler Sandsteins gehauen. An der Westseite heißt es beim Stadtwappen schlicht "Die Stadt Ebern ihren Söhnen". Etwa 30 000 DM hat die Umgestaltung insgesamt gekostet. Ende September 1958 wurde die Gedenkstätte, die für Lipp zu den schönsten und geschichtsreichsten in ganz Franken gehört, von Dr. Haller und Dekan Schöffel geweiht.

Während auf dem Kriegerdenkmal an der Kirche für 1914 bis 18 exakt 40 Namen vermerkt sind, finden sich im Ossarium 41. Günter Lipp fand heraus, dass der zusätzliche Name der von Georg Dauer ist, dem Onkel von Erika Zucker. Die Dauer waren Gutsverwalter in Geroldswind, die 1917 nach Ebern zogen. Deshalb war es damals zweifelhaft, ob sie zu den Eingesessenen gezählt werden konnten. Daher erschien der Name nicht auf dem Denkmal. 1958 aber hat man ihn aufgenommen.

Gedenken an Thomas Hafenecker

Traurigerweise musste 1994 im Ossarium die Liste der Eberner, die "in Ausübung ihrer Pflicht ihr Leben verloren" um den Namen von Thomas Hafenecker erweitert werden. Der Bundespolizist aus Ebern war im Irak, bei Falludscha am Euphrat, umgekommen. "Wie die anderen hat er sein Leben eigentlich nicht 'verloren', sondern er wurde um sein Leben gebracht", schreibt Günter Lipp.
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