Altershausen
Rennen

"Cool Running" in Altershausen

Es ist eine Riesengaudi, die da seit 13 Jahren in Altershausen von der Evangelischen Landjugend angezettelt wird. Mit selbst gebastelten Gefährten fahren sich die Seifenkistenpiloten in einen kleinen Geschwindigkeitsrausch und haben vor allem eines: jede Menge Spaß.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nicht zu schlagen in der Leichtgewichtsklasse bis 80 Kilogramm "Glubbschi Evolution" mit Fahrer Andreas Xourgias aus Wendelstein bei Nürnberg
Nicht zu schlagen in der Leichtgewichtsklasse bis 80 Kilogramm "Glubbschi Evolution" mit Fahrer Andreas Xourgias aus Wendelstein bei Nürnberg
+8 Bilder
Mit einem aus drei alten Fahrrädern zusammengebauten Mobil ging der zehn Jahre alte Jakob König aus Unfinden zum ersten Mal an den Start. Eine Woche lang hat er zusammen mit seinem Vater an seinem "Black Jak" gebastelt. "Nicht in den Graben fahren!", hatte er sich vorgenommen. Das schaffte er auch. Nicht aber alle Wertungsläufe. Denn im dritten Lauf kam für ihn aus technischen Gründen das vorzeitige Aus. "Macht nichts!", meinte er dazu. "Im nächsten Jahr bin ich trotzdem wieder dabei!"

Mehr Teilnehmer dabei


Bereits zum 13. Mal fand am vergangenen Sonntag (2. September) in Altershausen das Seifenkistenrennen "Cool Running" der Evangelischen Landjugend statt. Der positive Trend der letzten Jahre setzte sich weiter fort und so feuerten auch diesmal bei idealem Rennwetter wieder zahlreiche Zuschauer die selbst gebastelten Gefährte vom Streckenrand aus an. Mit 15 Fahrzeugen hatte sich heuer die Anzahl der Teilnehmer gegenüber dem Vorjahr gesteigert.
Wie bei großen Rennveranstaltungen wurde die Rennzeit mit einer Lichtschranke gemessen und es informierten Streckenlautsprecher über den Verlauf des Rennens. Auch eine Boxengasse war eingerichtet, wo Reparaturen ausgeführt werden konnten.

650 Meter abwärts


Für alle teilnehmenden Teams galt es, fünf Läufe über die zirka 650 Meter lange Strecke zu absolvieren. Die aus den drei besten Läufen aufsummierten Zeiten bestimmten schließlich die Endplatzierungen. In unterschiedlichsten Formen und Variationen sausten die sichtlich mit Leidenschaft konstruierten Eigenbauten über die Strecke. Geschwindigkeiten von über 40 Stundenkilometern erreichten einige Fahrzeuge bereits nach circa zwei Drittel der Strecke in der Schlüsselstelle, der Kurve an der Haßberghalle. Unterschiedlichste Kurventechniken konnten hier bei den Fahrern beobachtet werden. Schließlich galt es, keine Sekunde zu verschenken und so standen Mitfahrer (sofern vorhanden) mitunter kurz vor dem Bodenkontakt, um möglichst wenig Geschwindigkeit in der Kurve zu verlieren.

Fast alles lässt sich verwerten


Die fantasievollen Bauten trugen natürlich auch ebensolche Namen und hießen zum Beispiel "Bloody Mary", "Badmobil" oder "Streitwagen". Unterschiedlichste Fahrzeugteile fanden in den Seifenkisten eine neue Verwendung. Ganz im Sinne klassischer Seifenkisten wurden Fahrrad- oder Mopedlenker, PKW-Bremsen und Lenkräder, Autositze oder ganze Kinderfahrräder mit Hockern, Regalträgern oder anderen in der Regel kaum mehr identifizierbaren Gegenständen kombiniert und so in fahrbare Untersätze verwandelt. Etwas Besonderes hatten sich Johannes und Andreas Gößmann aus Wasserlosen einfallen lassen. Sie hatten einen Bierkasten der Käuzle-Brauerei in ihr Mobil integriert und ihr "Rennfahrzeug" dementsprechend "Käuzle Bierkiste" getauft. Damit waren sie zwar nicht die Schnellsten in ihrer Klasse, erhielten aber den Sonderpreis für das kreativste Rennfahrzeug.

Ganz schön schnell


Das schnellste Gefährt in dieser Leichtgewichtklasse bis zu 80 Kilogramm war die neu gebaute und windschnittig geformte "Glubbschi Evolution" aus Wendelstein bei Nürnberg mit dem Fahrer Andreas Xourgias, der schon in den Vorjahren mit dem "Glubbschi" dabei war. Gegen das nun völlig neu aufgebaute Rennmobil - für das alte "Glubbschi" war Andreas zu groß geworden - hatten die anderen Teilnehmer dieser Klasse keine Chance. Mit 2:34 Minuten verwies Andreas Xourgias Robin Hehn aus Sechsthal mit seinem "Blue Tiger" (2:43 Min.) und Marco Poschet aus Schwarzach mit "Red Tiger" (2:48 Min.) auf die Plätze zwei und drei.

Heimische Titelverteidiger


Titelverteidiger in der "Schwergewichtsklasse" bis 150 Kilogramm war der Lokalmatador "Oldtimer" aus Altershausen mit Michael Schwab und Benedikt Büschelberger. Mit der besten Gesamtzeit von 2:42 Minuten konnten sie den Titel verteidigen. Knapp dahinter belegte "Bloody Mary" (2:43 Min.) von der Evangelischen Landjugend aus Langenaltheim mit der Besatzung Lukas Büch und Laura Doeschler den zweiten Platz. Die "Pathfinder" mit Jonas Glöckner und Gordon Nick (2:44 Min.) aus Wülflingen fuhren auf den dritten Rang.

Vater schenkt seinem Sohn nichts


In der Profiklasse traten, wie bereits im vergangenen Jahr, Vater Thomas Rückoldt aus Trappstadt mit einem Opel GT und Sohn Till mit einem BMW gegeneinander an. Hatte 2011 noch der Vater die Nase vorn, so musste er sich diesmal knapp mit weniger als einer Sekunde der jüngeren Generation geschlagen geben, was kein Geschenk für seinen Sohn war, der am Renntag Geburtstag feiern konnte: "So gnädig bin ich nicht", war die Antwort auf diese Frage. Bei allem Ehrgeiz war es dennoch der Spaß, der im Vordergrund stand.
Dieser Aussage schlossen sich mit Sicherheit alle Teilnehmer des Seifenkistenrennens an und so versammelten sich zum Abschluss des langen Renntages alle Fahrerinnen und Fahrer mit ihren Gefährten vor der Haßberghalle zum Fachsimpeln und auch die Fragen interessierter Zuschauer wurden beantwortet.
Mit der Siegerehrung und der obligatorischen Sektdusche endete schließlich das diesjährige "Cool Running" und alle Teilnehmer waren sich einig, dass man zusammen auch nächstes Jahr wieder am Rennen in Altershausen teilnehmen möchte. Das Rennen 2012 fasste der Vorsitzende der Landjugend, Christian Käb, kurz und bündig zusammen: "Wetter angemessen! Zuschauer gut! Kein Unfall! Ich bin absolut zufrieden!"
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren