Oberaurach
Primiz

Christian Montag feierte in Kirchaich seine Primiz - und alle waren da

Das ganze Dorf, ja die ganze Steigerwaldgroßgemeinde Oberaurach nahm Anteil an der Primiz des Kirchaichers Christian Montag. Die über 800 Besucher konnte die Ägidiuskirche gar nicht fassen. Montag ist bislang der erste Pfarrer, der im Erzbistum Bamberg erst am Sonntag zum Priester geweiht wurde.
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Bei der Segnung des neuen Priestergewandes vor dem Elternhaus (von rechts) Bischof Andre Gueye, Pfarrer Ewald Thoma, Primiziant Christian Montag und Bruder Andres Montag mit der Primizkerze. Fotos: Günther Geiling
Bei der Segnung des neuen Priestergewandes vor dem Elternhaus (von rechts) Bischof Andre Gueye, Pfarrer Ewald Thoma, Primiziant Christian Montag und Bruder Andres Montag mit der Primizkerze. Fotos: Günther Geiling
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"Unser Neupriester hat sich das Dienen ganz groß auf die Fahne geschrieben. Sein Primizspruch und das Evangelium, aus dem er genommen ist, sprechen eine deutliche Sprache. Aber so einfach ist das Dienen nicht. Dienen bedeutet Achtsamkeit auf sich selbst, auf den anderen Menschen und Gott. Mit ihm macht das Dienen Sinn und wird es auch attraktiv. Ein Leben mit Christus ist ein Leben im Plus." Dies betonte Weihbischof Herwig Gössl bei seiner Festpredigt zur Primiz von Christian Montag in seiner Heimatgemeinde Kirchaich.

Außergewöhnlicher Festtag

Für den Ort und die Steiger waldgroßgemeinde Oberaurach war es ein außergewöhnlicher Festtag. Wann kommt aus den eigenen Reihe schon mal ein Priester hervor? Und noch dazu der einzige in diesem Jahr aus der Erzdiözese Bamberg, der geweiht wurde. Am Elternhaus des Primizianten hatten sich schon viele Bürger eingefunden mit den Ehrengästen, Fahnenabordnungen der Vereine, der Blaskapelle Kirchaich, den Kommunionkindern sowie Buben und Mädchen aus dem Kindergarten. Mit einem rhythmischen Lied sangen die Kleinsten "mit dir geht die Post ab".

Pfarrer Ewald Thoma betonte, dass ein Priester in einem besonderen Spannungsfeld stehe. "Wenn du jetzt von deinem Elternhaus hinaus in dieses Spannungsfeld gehst, bist du nicht allein. Viele sind mit dir. Das ist der Sinn dieses Weges vom Elternhaus zur Kirche. Möge dich dabei auch die Liebe Gottes begleiten und möge dir das Licht Christi für immer deinen Weg hell machen." Thoma und Bischof Andre Gueye aus dem Senegal legten Christian Montag das Priestergewand mit Stola um, sein Bruder Andreas Montag gab ihm die Primizkerze.

Feierliche Prozession durch das ganze Dorf

In einer Prozession bewegte sich der große Zug durch den mit Fahnen, Fähnchen an den Häusern und Bäumchen geschmückten Ort zur Kirche St. Ägidius, welche die mehr als 800 Besucher gar nicht fasste. Deswegen wurde der Festgottesdienst auf eine Großleinwand nach außen übertragen.

Stellvertretender Bürgermeister Hans Albert sprach von einem nicht nur für die Pfarrgemeinde, sondern für die ganze politische Gemeinde herausragenden Tag. Die Oberauracher seien stolz auf dieses Geschenk, auch wenn ihr Beitrag dazu nur bescheiden gewesen sei. "Priester zu sein, heißt ja aber auch Brückenbauer zwischen den Menschen untereinander und zu Gott zu sein. Diese Mittlerrolle ist nicht leicht in einer Welt, in der auch immer weniger Begeisterung für Gott zu spüren ist. Unsere Gebete werden sie aber immer begleiten."

Pfarrer Thoma meinte, Christ und Priester sein dürfe nicht Verborgen sein, sondern sichtbares Zeichen für Jesus Christus. "Durch dein ,Ich bin bereit‘ beginnst du mit diesem Dienst. Die vielen Menschen, die dieses erste eucharistische Mahl mit dir feiern, sind gleichzeitig eine Zusage, dass du in diesem Dienst nicht allein bist. Wer von vielen gehalten wird, ist nicht allein."

Unterordnen fordert innere Stärke

Weihbischof Herwig Gössl erinnerte an den Pflege-Truck, der gegenwärtig Werbung für bessere Rahmenbedingungen in der Pflege macht und Pflegeberufe als attraktive Berufe darstellt. Pflegen sei dienen, aber das sei ja überhaupt nicht attraktiv. Viele hielten es für "uncool". Dienen meine die Bereitschaft, sich selbst unterzuordnen und sich die Hände schmutzig zu machen für einen anderen. Viel schöner sei es doch, etwas zu sagen zu haben oder auf einer Position zu stehen, wo man bedient werde und wo die anderen zu einem aufschauten. Das sei heute so und das sitze tief im Menschen.

Jesus habe dies zum Anlass für eine grundsätzliche Belehrung seiner Apostel genommen: "Bei euch soll es nicht so sein!" Diese Forderung stehe in totalem Widerspruch zu dem, wie sich Menschen normalerweise verhalten. "Kein Wunder, dass kaum jemand Priester werden will, wenn das bedeutet zu dienen." Aber das Dienen kann man als Priester schon sehr unterschiedlich gestalten, und faktisch sei der Priester in einer Pfarrgemeinde und auch noch in der Gesellschaft auf einer gehobenen Position. Der Priester sei Leiter einer Pfarrei und habe Leitungsverantwortung.

Das Dienen und die Achtsamkeit seien lebenslanger Prozess. Solange es Fortschritte auf Jesus hin gebe, so lange sei das Lebenszeugnis des Priesters lebendig und wirksam. "Jesus Christus dienen - das heißt aber vor allem: Das eigene Leben einsetzen, hingeben für die Menschen". So gehe ja der Primizspruch "Ich bin nicht gekommen, mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen" weiter - "zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele".

Lebensenergie ist nötig und wird erneuert durch Christus

Dienen könne Widerstand bedeuten, wenn etwa die kirchliche Lehre in Frage gestellt werde. Das sei anstrengend, koste Zeit und Nerven und letztlich Lebensenergie. Diese Energie wachse wieder neu durch die Verbindung mit Jesus Christus. Darum heiße, das Leben hinzugeben auch nicht, es zu verlieren, sondern es neu zu gewinnen. Für diese Haltung aus Christus heraus, stehe der Priester ein. "Unsere Zeit braucht dieses positive Zeugnis besonders dringend, damit Dienen attraktiv wird und bleibt und damit unsere Welt menschlich wird."

Bei Gebeten und Liedern kam immer wieder der Primizspruch des Neupriesters Christian Montag durch. Chor, Bläser und das Orgelspiel schmückten den Festgottesdienst. Den Primizspruch hatten Frauen vor dem Gotteshaus in einem Blumenbild und in Stein gestaltet.

"Wenn ein Priester mit einer Gemeinde Eucharistie feiert, öffnet sich die Tür zu Gott. Wir alle danken dir, dass wir mit dir dein erstes Festmahl feiern durften", betonte am Schluss Pfarrgemeinderatsvorsitzender Frank Zenglein. Namens der Pfarrgemeinde wünschte er Christian Montag Kraft, Zuversicht und Mut für seine künftigen Aufgaben.

Christian Montag dankte für diesen Primiztag. Vor allem Weihbischof Herwig Gössl für seine "wegweisenden Worte für meinen Dienst", Bischof Andre Gueye aus dem Senegal, "wo auch ich gerne mit für die Partnerschaft zwischen Bamberg und dem Senegal engagieren will". Die Kollekte wurde deswegen für die Absicherung der Priesterausbildung in dem afrikanischen Land gegeben. Montag dankte ferner dem Organisationsteam mit Rowitha Burger, Christian Blenk und Karlheinz Kager, seinen Eltern und seiner Familie. Die Besucher erfuhren, dass seine verstorbene Großmutter den Grundstock zu seiner Berufung gelegt hat und Pfarrer Ewald Thoma "mein großes Vorbild ist"; von ihm habe er viel gelernt.

Der Tag von Thomas Priesterjubiläum

War es Zufall? Am selben Tag feierte Pfarrer Thoma sein 45. Priesterjubiläum; er kam 1983 nach Kirchaich, als Christian Montag geboren wurde. Schließlich teilte der Primiziant mit, dass er ab 1. September in der Pfarrei Erlangen/Büchenbach wirkt.

Auf dem Kirchplatz bot die Blaskapelle Kirchaich dann noch ein Standkonzert, bevor alle Gäste zu einer gemeinsamen Begegnung eingeladen waren.

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