Ziegelanger
Freizeit

Brillengestelle ganz aus Holz? Gibt's in Zeil am Main

Philipp Klauer frönt einem außergewöhnlichen Hobby: Er fertigt Brillengestelle an, die vollends aus Holz bestehen. Jedes ist einzigartig und handgemacht. Der 29-Jährige aus dem Zeiler Stadtteil Ziegelanger setzt auf exakte Arbeit - und hat viel Spaß dabei.
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Der Ziegelangerer "Brillenmacher" in seiner Werkstatt: Mit kritischem Blick prüft Philipp Klauer sein handgefertigtes Objekt. Fotos: Sina Mattheus
Der Ziegelangerer "Brillenmacher" in seiner Werkstatt: Mit kritischem Blick prüft Philipp Klauer sein handgefertigtes Objekt. Fotos: Sina Mattheus
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Es gibt sie in allen möglichen Farben, Formen und Variationen: Brillen. Doch ganz aus Holz sieht man sie selten. Genau das gab Philipp Klauer den Ansporn, sich selbst kreativ zu betätigen und sich seine ganz individuellen Brillenrahmen selbst anzufertigen.

Mit einem Schaufensterbummel durch Brixen (Südtirol) letzten Jahres hat alles begonnen. Dort wurde der gelernte Zerspanungsmechaniker, der derzeit als Produzent bei einem Münchner Radiosender arbeitet, auf die Holzbrillen in einem Schaufenster aufmerksam. Mit seinem stolzen Preis war dem Ziegelangerer das handgefertigte Gestell jedoch zu teuer.

Allerdings verlieh es ihm die Inspiration zum eigenen Werkeln. Denn als seine eigene Brille kaputt ging, kam er auf die Idee, eigens eine derartige Brille anzufertigen. Gesagt - getan.

Mit einfachsten Hilfsmitteln wie einem umgebauten Esszimmertisch und einer selbst gebauten Schleif- und Fräsmaschine tüftelte er im heimischen Keller die Grundidee der hölzernen Gestelle über ein Jahr aus, ehe tatsächlich eines entwickelt war, das sich sehen lassen konnte.

Das Hobby ist jedoch nichts für jedermann. Es erfordert immense Fingerfertigkeit - und vor allem Zeit. In einer Brille stecken rund 20 Stunden reine Handarbeit. Mit größter Präzision und hohem Qualitätsanspruch werden bis zu zehn Holzfurniere miteinander verleimt, in Form gepresst, geschliffen und gefräst. Bis Philipp Klauer den richtigen Dreh raushatte, brauchte es mehrere Anläufe. "Eine Brille aus einem einfachen Stück Holz wäre zu fragil und instabil", schildert er. Die Folge wäre, die Brille würde zu leicht brechen.

Er ließ sich von den Konstruktionsfehlern der Prototypen jedoch nicht entmutigen. Aus diesem Grund furniert Phi-lipp Klauer mehrere Holzschichten übereinander, um die nötige Stabilität zu erhalten. Durch ständige Verbesserungen war nach einem Jahr das erste Holzbrillengestell fertig.

Ob Räuchereiche, Ahorn, Kirsch- oder Nussbaum - Philipp Klauer hat mit vielen Hölzern experimentiert, um ein naturbelassenes Aussehen des Brillengestells zu erreichen. Schwieriger als die Beschaffung des Holzes gestaltete sich hingegen die Suche nach einem geeigneten Schutzlack. Da musste er nach eigenen Aussagen "lange suchen, bis einer gefunden war, der alle Kriterien erfüllt".

Der spezielle Lack, den er letztlich in Österreich entdeckte, ist hautverträglich und UV-beständig. "Wichtig war mir auch, dass trotz des Lackes die natürliche Maserung des Holzes erhalten bleibt", ergänzt der Hobby-Brillenmacher.

Zum Schluss wird die Bügelinnenseite der Brille mit dem eigens kreierten Logo versehen. So entsteht eine völlig einzigartige Brille, die durch ihre jeweiligen Farbnuancen und ihre Materialstruktur alles andere als Massenware ist. "Jedes Exemplar ist ein echtes Einzelstück", sagt der 29-Jährige stolz. Und das sieht man. Aus diesem Grund bekommt Philipp Klauer derzeit des Öfteren Komplimente wie "Was haben Sie denn für eine extravagante Brille!" zu hören. Seine Brillen sind eben alles andere als alltäglich.

"Mein Anspruch ist ein gänzlich aus Holz bestehendes Brillengestell", erklärt Philipp Klauer. So verzichtet er völlig auf Schrauben, Metall und Plastik. Sogar das Scharnier konstruiert er aus Holz. "Lediglich die Gläser kann ich nicht aus Holz herstellen", schmunzelt er. Die Verglasung der Brillen übernimmt ein Optiker.

Das Brillengestell aus Holz bringt etwa 20 Gramm auf die Waage. Dadurch sei der Tragekomfort großartig, wie die Familie des 29-Jährigen aus ihrer Erfahrung bestätigt. Für Freundin Eva und Bruder Florian wurden bereits Brillengestelle gefertigt. Und auch Mutter Monika und Vater Winfried, beides ebenfalls Brillenträger, haben schon einen Auftrag bei ihrem Sohn abgegeben. Eine neue Idee für den Sommer steht bereits ebenfalls fest: Sonnenbrillen - ganz aus Holz. "Das ist mein nächster Wunsch", gesteht Eva Mahr und stupst dabei ihrem Freund liebevoll in die Seite. Sina Mattheus


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