LKR Haßberge
Ausstand

Briefkästen im Landkreis Haßberge bleiben weiterhin leer

Im Tarifkonflikt bei der Post hat die Gewerkschaft Verdi jetzt auch im Kitzinger Paketzentrum zum unbefristeten Streik aufgerufen. Auch das macht sich im Kreis Haßberge bemerkbar. Manche Bürger warten seit Tagen vergebens auf Post.
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Rudi Langer vom Diözesanbüro in Haßfurt schaut schon seit zwei Wochen in einen leeren Briefkasten. Dabei wartet er doch dringend auf die Anmeldungen der Ehejubilare zur Busfahrt nach Würzburg am 3. Juli. Es kommt nichts an. Foto: Lisa Kieslinger
Rudi Langer vom Diözesanbüro in Haßfurt schaut schon seit zwei Wochen in einen leeren Briefkasten. Dabei wartet er doch dringend auf die Anmeldungen der Ehejubilare zur Busfahrt nach Würzburg am 3. Juli. Es kommt nichts an. Foto: Lisa Kieslinger
Eine Einladung ging vor Wochen vom Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann an silberne, goldene und diamantene Ehepaare. Er hat darin die Ehejubilare zu einem festlichen Gottesdienst und zu einer persönlichen Segnung in den Würzburger Dom gebeten. Gerade für die älteren Leute ist das eine besondere Ehre. Die zur Einladung beigeheftete Antwortkarte sollten die Jubelpaare ausfüllen und ans Diözesanbüro in Haßfurt zurückschicken, damit der Platz im Bus sicher reserviert ist.

Doch in Zeiten des Poststreiks gestaltet sich das alles nicht ganz so einfach. Rudi Langer, Chef des Diözesanbüros für das Dekanat Haßberge, bereitet der Ausstand große Sorgen. Er organisiert die Busfahrten zu den Veranstaltungen der Kilianiwoche in Würzburg am 3. Juli, und er weiß nicht, wer mitfahren möchte. Denn die Antwortkarten kommen nicht bei ihm an.

Die letzten Antwortkarten, die bei Rudi Langer im Büro eingetroffen sind, waren am 9. Juni abgestempelt worden. "Wir haben zwar schon Anmeldungen hier, aber aus den letzten Jahren wissen wir, dass das nicht alle sein können", sagt er. Durch den Streik besteht die Gefahr, dass die Leute ihre Karten zwar losgeschickt haben, im Diözesanbüro sind diese jedoch noch nicht angekommen. "Wir befürchten, dass die Buskapazität nicht ausreicht und wir Leute stehen lassen müssen, obwohl sie sich angemeldet glauben", erklärt Langer.
Ebenso kann es dazu kommen, dass Rudi Langer einen geplanten Bus streichen muss, weil nicht genügend Mitfahrer gemeldet sind. "Die Leute stehen dann frustriert an der Bushaltestelle, weil der angekündigte Bus nicht kommt." Der Ärger falle dann auf den Organisator und auf den Bischof zurück, befürchtet der Geschäftsführer.

Besser per Mail oder Telefon
"Wer auf Nummer sicher gehen will, ob seine Antwortkarte auch wirklich angekommen ist, sollte entweder bei seinem Pfarrbüro oder direkt bei uns nachfragen", bittet Langer (entweder unter Telefon 09521/61960 oder eine Mail an dioezesanbuero.has@bistum-wuerzburg.de).

Seit zwei Wochen sitzt das Diözesanbüro nun schon auf dem Trockenen, was die Briefzustellung betrifft, und das ist kein Einzelfall. Wenn man sich im Landkreis Haßberge umhört und einen Blick in die Briefkästen wirft, ergibt sich oft das gleiche Bild: keine Post, keine Pakete, aber dafür verärgerte Kunden etwa in der Poststelle in Zeil. "Langsam ist es wirklich nicht mehr lustig", sagt Betreiberin Ute Holch. Ein Minimum werde zugestellt, das Meiste bleibe jedoch einfach in den Paket- und Briefzentren liegen. Und langsam werden die Leute ungeduldig, wie sie schildert. Und das Schlimmste: "Es ist einfach kein Land in Sicht. Man hört nichts, bekommt einfach keine Informationen, wie lange das noch gehen soll."

Die Streiksituation weitet sich offenbar immer weiter aus: Seit der Nacht zum Dienstag gibt es nun auch im Paketzentrum in Kitzingen streikbedingte Ausfälle - besonders an den Sortieranlagen. Das wirkt sich auch auf den Kreis Haßberge aus. "Am ersten Tag haben wir das noch weitgehend aufgefangen und noch alle Pakete zugestellt", sagt der Pressesprecher der Post, Alexander Böhm (zuständig für Ober- und Unterfranken). Doch in den nächsten Tagen könnten auch im Paketzentrum Rückstände auflaufen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass nach den Mitarbeitern in den Verteilzentren auch Postboten vereinzelt angefangen haben zu streiken. "Es gibt auch Tage, an denen gar keine Briefe ankommen", sagt Böhm. Es sei auch schon vorgekommen, dass zehn bis 14 Tage keine Post in den Briefkästen landete.

Extraschicht am Sonntag
Oft sei es schwierig, die Rückstände aufzuholen. "Wenn ein Mitarbeiter in einem Bezirk streikt, versuchen wir dorthin einen anderen Mitarbeiter zu versetzen", erklärt der Pressesprecher. Doch dafür müsse sich der neue Postbote auch etwas in dem Bezirk auskennen, sonst bringe das nichts.

Am vergangenen Sonntag hat die Post einen Versuch gestartet, die Rückstände aufzuarbeiten: Postboten, die nicht streiken, und Beamte, die nicht streiken dürfen, sowie studentische Aushilfen, denen das Prozedere der Post bekannt ist, haben die liegen gebliebene Post in zahlreichen Orten ausgetragen - natürlich auf freiwilliger Basis. Ob so ein Arbeitseinsatz noch einmal geplant ist, kann Alexander Böhm nicht sagen. "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Wenn mehr gestreikt wird, müssen wir uns auf diesen Tag X vorbereiten und die Lücken schließen", sagt Böhm.

Auf die Frage, wie lange der Streik noch dauert, weiß der Pressesprecher keine genaue Antwort. Nur so viel: "Wir wünschen uns, dass wir uns noch heute mit Verdi an einen Verhandlungstisch setzen könnten. Doch das funktioniert nicht."
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