Kirchlauter
Imkertag

Bienenfleiß allein genügt nicht mehr

Bei einem Fachtreffen in Kirchlauter diskutierten Bienenzüchter und Vertreter von Interessenverbänden mit CSU-Politikern.
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Am Lehrbienenstand (von links) Imkervorstand Peter Kirchner, MdL Steffen Vogel, die bienenpolitische Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion Tanja Schorer-Dremel und Kreisvorsitzender Dr. Werner Hornung. Foto: Günther Geiling
Am Lehrbienenstand (von links) Imkervorstand Peter Kirchner, MdL Steffen Vogel, die bienenpolitische Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion Tanja Schorer-Dremel und Kreisvorsitzender Dr. Werner Hornung. Foto: Günther Geiling
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Kirchlauter machte am Wochenende seinem Namen als "Imkerhochburg des Landkreises Haßberge" alle Ehre. Zahlreiche Imker und interessierte Bürger nutzten die Möglichkeit, sich anlässlich des "Imkertages" des CSU-Kreisverbandes Haßberge am Lehrbienenstand direkt vor Ort über die Imkerei zu informieren und mit den Vertretern aus Politik und Landwirtschaft und mit der bienenpolitischen Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion MdL Tanja Schorer-Dremel zu diskutieren.. Dabei war man sich einig, dass der Erhalt der Kulturlandschaft sowie der Bienen und der Imkerei nur in einem engen Verbund von Landwirtschaft und Imkerei möglich sei.


Hauptsächlich Hobbyimker

Der Kreisvorsitzende des Imkerverbandes Haßberge, Werner Hornung, stellte wichtige Daten zur Imkerei im Landkreis Haßberge vor. So seien ca. 325 Bienen haltende Menschen in 13 Imkervereinen organisiert und im Veterinäramt seien 375 Bürger gemeldet, die etwa 2000 Völker betreuten. "Im Durchschnitt hält bei uns im Kreis ein Imker 5,7 Bienenvölker. Bei weit über 95 Prozent handelt es sich um Hobbyhaltungen. Berufsimker gibt es bei uns eigentlich nicht. Nur ein Imker hält mit seiner Frau und Kindern ca. 150 Völker. Wir Imker halten Bienen aus Liebhaberei, aus Freude an der Natur und um unsere gewachsene Kulturlandschaft in den Haßbergen mitzuerhalten."

Der Kreisvorsitzende, selbst leidenschaftlicher Imker, sprach aber auch die Sorgen um die Bienen und um das Nahrungsmittel Honig an, die man der Politik nahebringen wolle. Allem voran nannte er den Einsatz von kritischen Unkrautbekämpfungsmitteln (Herbiziden) und Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden) in der Landwirtschaft und in den Gärten. Konkret erwähnte er dabei die geplante Wiederzulassung der neurotoxischen Neonikotinoide für das Beizen von Getreide und die EU-weit angedachte Wiederzulassung des womöglich krebserzeugenden Totalherbizids Glyphosat, das bei Bienen den Orientierungssinn störe.


Strukturwandel

Auch der Strukturwandel in der Landwirtschaft mit dem Einsatz immer größerer Maschinen, der Mahd der Wiesen weit vor der Blüte sowie der starke Rückgang des Klee- und Luzerneanbaues hätten ihre Auswirkungen. "Das Nahrungsangebot für Bienen und blütenbesuchende Insekten hat sich bei uns ab Ende Mai/Juni erheblich verschlechtert." Mögliche Aufweichungen der Umweltschutz- und Lebensmittelrechtsvorgaben befürchte man auch durch geplante, intransparente TTIP- und Ceta-Abkommen. Dazu käme der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen, aufgrund von Verwechslungen beim Saatgut. Honig von gentechnischen veränderten Pflanzen werde von den deutschen Verbrauchern abgelehnt. Außerdem darf er nicht verkauft werden, wenn die gentechnisch veränderten Pflanzen nicht als Lebensmittel zugelassen sind.


Wirtspflanzen verschwinden

Auch im Landkreis habe man stellenweise den Eindruck, dass Sträucher und Gehölze am Wegrand nicht nur zurückgesetzt, sondern radikal entfernt würden. Berichte und Bilder mit Maßnahmen in Mechenried-Kleinmünster, Salmsdorf oder Brünn hätten dies deutlich vor Augen geführt. Zum Glück, so Kreisvorsitzender Dr. Hornung, gebe es auch positive Punkte zu berichten, wie die Förderung der Imkerei durch den Landkreis Haßberge, die EU-kofinanzierte Förderung von Bayern sowie die Einführung des Greenings im Rahmen der EU-Ausgleichszahlungen.

Der Vorsitzende des Imkervereins Kirchlauter und Umgebung, Peter Kirchner, sagte: "Stirbt die Biene, stirbt der Mensch" Die Motivation von Imkern habe früher vor allem in der Honiggewinnung gelegen, heute wolle man vor allem der Natur helfen und Imkern sei Dienst an der Gemeinschaft, verbundenen mit der eigenen Freude.
Kirchner zeigte sich sehr erfreut darüber, , dass man mit dem Projekt "Imkern auf Probe" erfolgreich sei und jährlich bis zu 30 Personen daran teilnähmen. Ebenso sei man glücklich darüber, dass man mit den Landwirten, Obst- und Gartenbauvereinen sowie Kommunen viele Mitstreiter im Boot habe. Dabei sei man sich bewusst, dass auch die Bauern einem Wandel ausgesetzt seien, es von ihnen immer weniger gebe und dass Biomasse inzwischen wichtiger geworden sei als Viehfutter.


Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Der Imkervorstand stellte aber anhand vieler Zahlen nachdrücklich auch den wirtschaftlichen Wert der Bienen heraus. Allein für die stillen Nutzer, zu denen er auch die Landwirte zählt, hätten durch die Leistungen der Bienen im Landkreis einen Vorteil von 3,7 Millionen Euro und in Unterfranken von rund 36 Millionen Euro.

Die bienenpolitische Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion, MdL Tanja Schorer-Dremel, zeigte sich beeindruckt von der Imkerei im Landkreis Haßberge und dem Lehrbienenstand in Kirchlauter. Aber auch der Staat habe die Bedeutung der Imkerei seit langem erkannt und unterstütze dies finanziell, auch durch die Fachberater in jedem Bezirk und die Nachwuchsförderung.

Inzwischen komme ein Drittel aller deutschen Imker aus Bayern und Bayern sei auch das Bundesland mit den meisten Jungimkern und den größten staatlichen Zuschüssen.


Zuschüsse steigen

Mit Stolz vermeldete MdL Tanja Schorer-Dremel, dass sich die vom Freistaat bereitgestellten Zuschüsse seit zehn Jahren mehr als verzehnfacht hätten. So beliefen sich die Fördermittel jährlich auf rund 977 000 Euro, wovon 320 000 Euro eine besondere bayerische Förderung seien.

Das "Imkern auf Probe", das ja auch so positiv im Landkreis laufe, bezeichnete sie als eines der zwei bayerischen Prestigeobjekte. Eine weitere Erfolgsgeschichte sei die Förderung von Schulen.
BBV-Kreisobmann Klaus Merkel ging auf die Problematik der Pflanzenschutzmittel ein. In manchen Bereichen sei man gezwungen, sie anzuwenden, aber jede Maßnahme werde abgesprochen. Die Landwirte hätten aber durchaus Anregungen aus der Imkerei für Blühflächen und -rahmen aufgenommen. Er bat darum, dass sich die staatlichen Beratung nicht noch weiter aus der Fläche zurückziehen solle. Vieles falle dann wieder zurück, meinte er.


Honig soll Naturprodukt bleiben

Imkermeister Peter Kehl richtete seine Kritik an die Forschung und an Instituten, die zu wenig adäquate Behandlungsmöglichkeiten erforschen. Schließlich wolle man als Imker nicht Chemie einsetzen, denn der Honig solle Naturprodukt bleiben. Der BBV-Ortsobmann und Kreisvorsitzende der Jagdgruppe Ebern, Helmut Sieghörtner, sprach das brisante Thema Glyphosat" an, das zu Konflikten führe. Ganz aktuell berichtete er von seinem Rapsfeld, bei dem er um das Spritzen von Insektiziden nicht herumkomme. "Wenn ich nichts dagegen tun würde, gäbe es keine Blüte und dann auch keinen Honig im Glas mehr." Er bedauerte den Wegfall der Förderung für Streuobstwiesen, und bei den Blühflächen vermisste er eine klare und rechtzeitige Vorgabe von Seiten der Politik.

Hierauf hatte aber Peter Kirchner eine klare Antwort "wenn wir nur das machen, wofür wir vom Staat Geld bekommen, dann haben wir ein Problem". Er verwies auf eine Aktion in der Gemeinde Kirchlauter, die 295 Bäume gepflanzt und katalogisiert habe. Natürlich müssten die jetzt auch gepflegt werden, " denn ich will, dass unseres Flur einmal anders aussieht, wenn meine Enkel Großeltern werden."


Miteinander im Dienste der Natur

MdL Steffen Vogel gestand ein, dass ihm erst mit diesem Tag richtig klar geworden sei, dass die Natur die Bienen brauche und es ein Miteinander von Landwirten, Imkern und Bienen geben müsse. Deswegen sollten auch Imker, Schulen und Gemeinden an einen Tisch gebracht werden, um die Blühweiden zu verstärken. Jede Gemeinde sollte für Blühflächen etwas tun und der Landkreis sollte für solche Flächen das Saatgut zahlen,meinte er.
"Das wird bei uns schon gemacht und der Landkreis schläft nicht", versicherte Landrat Wilhelm Schneider . Er verwies auf die sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Obst- und Gartenbauvereinen sowie dem Tiefbauamt.

Der "Imkertag" hatte ein Rahmenprogramm, das von der Senioren-Union mit Kreisvorsitzendem Wolfgang Kunzmann und CSU-Vorsitzendem Peter Stretz mitgetragen wurde. Dies begann mit einer Führung im Schloss von Kirchlauter mit Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, einer Demonstration von Schmiedemeister Heinz Stretz in der "Alten Schmiede" bis hin zur Besichtigung der Pfarrkirche und Informationen von Bürgermeister Karl Heinz Kandler (SPD) zu einem neuen Lehrpfad in Kirchlauter.




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