Kirchlauter

Bienen verhungern neben der vollen Futterwabe

Der lange Winter hat viele Bienenvölker im Landkreis Haßberge das Leben gekostet. Peter Kirchner, Vorsitzender des Imkervereins Kirchlauter, glaubt nicht, dass die Varroamilbe die Ursache ist. Er hat triftige Gründe herausgefunden. Trotzdem blickt er positiv in die Zukunft.
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Imker Peter Kirchner mit teilweise vollen Futterwaben und den toten Bienen im Kasten. Foto: Günther Geiling
Imker Peter Kirchner mit teilweise vollen Futterwaben und den toten Bienen im Kasten. Foto: Günther Geiling
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Einen Bienenkasten voller toter Bienen und Honigbienen, die direkt neben der gefüllten Futterwabe verhungert sind. Dieses Bild zeigt Imkervorsitzender Peter Kirchner am Lehrbienenstand in Kirchlauter und bezweifelt, dass die Varroamilbe an allem schuld sein soll: "Der Befall ist so minimal, dass die Bienen an Varroa nicht hopsgingen." Deswegen suchte der Imker nach anderen Ursachen und scheint fündig geworden zu sein.

Bienenverluste hat es über den Winter schon immer gegeben. Aber in diesem Jahr reichen sie bis zu einem Viertel der Bestände. Kirchner verlor zwei seiner insgesamt 18 Völker. Während die einen, unter anderem die chemische Industrie, alles auf Varroa schieben, sehen andere den Grund in der "Umweltwüste" mit Monostrukturen.
Andere schieben es auf die Chemie und ihren wasserlöslichen Stoffe in den Pflanzen.

In einem europaweiten Forschungsprojekt wurden 2504 Völker untersucht, aus denen jeweils 300 Bienen entnommen wurden. In Kirchlauter wurden sechs Völker untersucht, berichtet Kirchner, und von den in Kirchlauter entnommenen Bienen war nicht einmal eine Handvoll Bienen (0,87 Prozent) von der Varroa betroffen.

Kirchner weist darauf hin, dass er in Kirchlauter mit seinen "Lehrlingen" 24 Bienenvölker eingewintert habe, die man im Dezember noch mit Oxalsäure gegen die Milbe behandelte. "Zu dieser Zeit waren aber schon drei Völker leer und nicht mehr am Leben."

Von der Kälte ausgetrixt

Dann sei der zweite Frost gekommen und plötzlich ein Temperaturanstieg, "Besonders Völker mit jungen Königinnen begannen sehr frühzeitig mit der Brutablage. Hierzu lösen sie die Traube, die sie im Winter am Eingang des Brutkasten bilden, um sich zu wärmen und die Kälte auszusperren."

Wenn aber dann die Temperaturen noch einmal sinken, bilden die Bienen wieder eine Traube, um die Brut vor der Kälte zu schützen. Dabei zögen sie sich etwas vom Futter zurück. Obwohl die Futterwaben dann teils nur drei Zentimeter von den Brutwaben entfernt lagen, schafften die Bienen dann nicht mehr den Sprung zum Nektar - und verhungerten, schlussfolgert der Imker.

Zwei Wochen Frost im Frühjahr seien somit für manche Völker, die zu früh gebrütet hätten, tödlich gewesen. So etwas habe er seit 1960 erst zum zweiten Male erlebt, erinnert sich Kirchner, dass ihm ganze Völker verhungert seien. Auch der Vorsitzende des Kreisimkerverbandes Werner Hornung haben auf diesem Wege zwei Völker verloren.

In den letzten tagen hat der Frühling mit voller Wucht eingesetztund die Natur versucht den späten Frühlingsstart wieder wettzumachen, sagt Kirchner. Die Pflanzen, Hecken und Bäume schießen fast zusehends in ihre Blüte und sorgen für ein scheinbar optimales Nahrungsangebot.

Bienen sind überfordert

Doch dieses könnten die Honigbienen gar nicht richtig nutzen, weil der Nachwuchs noch nicht so weit sei. Ab der Eiablage vergingen nämlich rund 40 Tage, bis die jungen Bienen Honig sammelten. Wenn sie dann zur Nahrungssuche in der Luft seien, könnten aber die Frühblüher schon wieder verwelkt sein und dann drohe ein weiterer Nahrungsengpass. Kirchner prophezeit, mit Sicherheit werde es auch wenig Frühjahrshonig geben.

Der Imkervereins-Vorsitzende sieht noch ein anderes Problem. "Durch die Schwächung im Frühjahr braucht man eine zweite Generation von Bienen, damit das Volk wieder stark wird. Dazu sei der Löwenzahn vorhanden. Aber erst wenn diese zweite Generation da ist, könnten sie mit ihrer Bestäubungsleistung beginnen.

"Für die Obstblüte ist in diesem Jahr höchstens die Hälfte der Bienen eines normalen Jahres vorhanden. Vielleicht reicht es für die Obstbäume noch aus, aber die Rapsbauern werden es als erste merken und dann die Imker, weil sie zu wenig Frühjahrshonig bekommen."
Trotz dieser Negativmeldungen schaut Imker Peter Kirchner hoffnungsvoll in die Zukunft und spricht für seinen Imkerverein Kirchlauter und Umgebung sogar von einer "Neu-Imkerschwemme". "Im Landkreis Haßberge haben wir 35 Imker auf Probe und davon sind allein 16 im Imkerverein Kirchlauter und Umgebung. Diese sind zu ihrer Ausbildung auf fünf Imkerpaten aufgeteilt."

Mit Stolz zeigt Vorsitzender Kirchner eine neue Einrichtung am Lehrbienenstand, durch die man an einem deutschlandweiten Bienenmonitoring angeschlossen sei. Am Lehrbienenstand würden dadurch täglich die Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Gewichtsänderung des Volkes und vieles andere gemessen und abgerufen.

Die Trachtnet-Waage zeichne in regelmäßigen Abständen auf, wie viel die Völker wiegen. Werde das Volk schwerer, signalisiere dies, dass Nahrung in den Stock gebracht werde. Zeige die Waage weniger an, dann verbrauchten die Bienen mehr Futter als sie in der Natur sammeln könnten. Dies sei interessant, denn schließlich entscheide das Nahrungsangebot auch bei Honigbienen über deren Gesundheit und Vitalität.

Termine der Imker

Am Samstag, 27. April gibt es um 14 Uhr in Kirchlauter einen Vortrag von Imkermeister Peter Kehl um Schwarmverhinderung.
Am Freitag, 10. Mai, um 18 Uhr steht die Völkerpflege mit der "Völkerexplosion" und Ablegerbildung mit Mittelpunkt.
Am Freitag, 17. Mai, wird an der Belegstelle zu einem Zuchtlehrgang für Fortgeschrittene eingeladen

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