Kirchlauter

Bewegender Abschied in Kirchlauter

Nach 16 Jahren in den "Heiligen Ländern" sagte Pfarrer Martin Wissel Adieu. Die Menschen dort haben ihn ins Herz geschlossen.
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Pfarrgemeinderatsvorsitzender Robert Muckelbauer und Kirchenpflegerin Marieanne Baum (von links) bei der Verabschiedung von Pfarrer Martin Wissel (rechts); daneben seine Mutter. Fotos: Günther Geiling
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Robert Muckelbauer und Kirchenpflegerin Marieanne Baum (von links) bei der Verabschiedung von Pfarrer Martin Wissel (rechts); daneben seine Mutter. Fotos: Günther Geiling
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"Die Glaubwürdigkeit der Kirche war durch Dein Wirken in unserer Pfarrei nie ein Thema. Du warst uns immer ein Vorbild. Heute verabschieden wir nicht nur einen Seelsorger, der mitten unter uns war, sondern viele von uns verabschieden auch einen guten Freund." Dies sagte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Robert Muckelbauer bei einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, bei dem die Pfarrei Kirchlauter ihrem scheidenden Pfarrer Martin Wissel für sein fast 16 jähriges Wirken ihren Dank und ihre Wertschätzung entgegenbrachte.
Die Mädchen und Buben der Kindergärten aus Breitbrunn und Kirchlauter machten schon vor dem Gottesdienst mit Liedern und einer Bänderdarstellung ihre Aufwartung.
Die Kirche konnte die vielen Gäste gar nicht fassen, die aus den Filialgemeinden Breitbrunn, Kirchlauter, Lußberg und Neubrunn gekommen waren und gemeinsam die Feier organisiert hatten.


"Meine Liebe"

"Kirchlauter war schon immer meine Liebe!" Diesen Satz stellte Martin Wissel an den Anfang seiner Abschiedsrede. Im Jahre 1999 sei ihm eine Stelle angeboten worden, aber er habe damals schon nach Kirchlauter gewollt auf die Pfarrstelle, die aber erst nach zwei Jahren frei wurde. Dies habe er dann erreicht.
Schließlich stamme er von Mömbris, einem Dorf, und deswegen wollte er auch aufs Land und nicht in die Stadt. Er sei Kaplan in Ebern geworden und habe dort eine schöne und intensive Zeit verbracht. Als er von dort weggegangen sei, habe jemand zu ihm gesagt, dass er immer wieder nach Ebern kommen könne, wenn er einmal Ärger bekommen sollte. "Aber deshalb bin ich nie nach Ebern gefahren, denn ich habe mich hier wohl gefühlt."
Als Grund für die Abschiedsglocken nannte er seine Eltern. So sei seine Mutter an diesem Tag alleine hier, weil der Vater bettlägerig sei. Deswegen verändere er sich auch Richtung Heimat, um die Eltern schneller unterstützen zu können. "Ich hoffe aber auch, dass es hier gut weiter geht. Es war manchmal schwierig in Würzburg, aber vielleicht funktioniert es doch." Auch die Leidersbacher seien schon eineinhalb Jahre ohne Pfarrer und "zumindest lächeln sie noch immer, wenn sie mich jetzt sehen."


Tolle Zeit

Pfarrer Wissel bedankte sich für die tolle Zeit und erwähnte insbesondere Inge Kandler für die "gute Verpflegung", die man ihm ansehe, und Sekretärin Renate Borschert "denn Verwalten ist nicht so mein Ding".
Dekan Stefan Gessner betonte, dass Tradition und Veränderung zusammengehörten. Heute sei man wieder an der Stelle, um Abschied zu nehmen. In der Zeit des Wirkens von Pfarrer Wissel habe sich vieles in der Kirche und in der Gesellschaft verändert und auch für die Pfarrei Kirchlauter komme nun eine große Veränderung.


Noch keine Erkenntnis

Ab sofort übernehme Pfarrer Dr. Maciej Rusin aus Ebelsbach die Betreuung der Pfarrei und natürlich stellten sich viele die Frage, wie es weitergehe. "Dazu gibt es aber noch kein Ergebnis. Es soll irgendeine Entscheidung getroffen werden. Keine Garantie, wie es weitergeht, gibt es noch nicht, aber dass es weiter geht, ist klar."
Der Dekan dankte Martin Wissel, denn über sein Engagement in Kirchlauter hinaus sei er ja auch noch Caritaspfarrer, Notfallseelsorger und fünf Jahre lang auch stellvertretender. Dekan gewesen. "Ich wünsche, dass du auch an deiner neuen Pfarrstelle alles so wahrnimmst, wie du es hier gelebt hast als Pfarrer und Mensch."
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Robert Muckelbauer meinte, dass nun ein gemeinsamer Weg zu Ende gehe. "Selbst der Himmel weint schon seit Wochen und ich hoffe, dass jetzt nach der Verabschiedung für alle wieder die Sonne scheint." Die Aussage von Pfarrer Martin "Hier war ich Pfarrer und Mensch" habe den Nagel auf den Kopf getroffen.


Arbeitsreiche Zeit

Über Mangel an Arbeit in den Kirchenverwaltungen und in den Pfarrgemeinderäten habe sich Wissel nicht beklagen können. Doch stets sei auch Zeit geblieben, um über den Glauben und vor allem über die Sorgen und Nöte der Menschen in der Pfarrei zu reden. Nicht vergessen wolle er aber auch die baulichen Aktivitäten, denn in den 16 Jahren wären alle kirchlichen Gebäude mit mindestens einer Maßnahme betroffen gewesen.

"Wir können uns unsere Pfarrei ohne dich gar nicht mehr so recht vorstellen", sagte er, die Verbindungen zu den Heiligen Ländern würden niemals enden. "Ich hoffe, du hast in all den Jahren gemerkt, wie beliebt und wertvoll du uns warst und bist", sagte Muckelbauer und überreichte zusammen mit Kirchenpflegerin Marieanne Baum eine Kerze und ein Gesamtwerk mit 284 Seiten, worin sich enge Mitarbeiter, Gruppen und Organisationen, Vereine sowie Freunde und Bekannte verewigt hatten. Auch für Wissels Mutter gab es einen Blumenstrauß.


Große Prozession

In einer großen Prozession, angeführt von dem Gemeinschaftschor der Blaskapellen "Haßbergkapelle Kirchlauter", "Neubrunner Dorfmusikanten" und "Köhlertaler Musikanten" aus Breitbrunn, ging es zum Oskar-Kandler-Zentrum, das die vielen Gäste gar nicht fassen konnte. Nach einem Stehempfang hatten dort noch die Schüler der Grundschule Kirchlauter mit Liedbeiträgen unter Rektorin Antje Schorn sowie die "Volkstanzgruppe Pettstadt" mit Erna Schor ihre Auftritte.

Auch die Bürgermeister Karl Heinz Kandler, Kirchlauter (SPD), und Gertrud Bühl, Breitbrunn (FW), sprachen namens ihrer Gemeinden anerkennende Worte. Kandler meinte: "Ihr Wirken wird immer in guter Erinnerung bleiben. Fast 16 Jahre haben Sie ihre ganze Kraft für die Menschen in unserem Gemeinwesen eingesetzt und dabei weit über den seelsorgerischen Auftrag ihrer Kirche hinausgewirkt."

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