Mittlerweile fahndet die Polizei in Niedersachsen und die Staatsanwaltschaft in Hildesheim nach einer ganzen Bande solcher Betrüger, die sich mit dieser Masche Luxus-Wohnmobile ergaunern. So dreist ist Heinz Dietz, Chef des gleichnamigen Freizeitcenters, noch kein Gauner untergekommen. "Das ist schon heftig, wenn man mit solchen kriminellen Machenschaften konfrontiert wird und viel Geld verliert."

Gestohlene Dokumente


Es war Mitte November 2011, als ein Mann mit schwarz-graumeliertem Haar aus dem Raum Köln in der Bahnhofsstraße auftauchte, um sich ein Concorde-Wohnmobil aus Aschbacher Fertigung für vier Wochen zu mieten. Er legte Ausweis und Führerschein vor. Ebenso die vereinbarte Miete in Höhe von 3400 Euro und eine Kaution von 800 Euro. Obgleich der Herr äußerst seriös auftrat, war dem Firmen-Chef die Sache nicht ganz geheuer. Ein Anruf bei der Polizei in Ebern ergab, dass über den angegebenen Mann nichts Negatives vorliegt.

Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war: Sämtliche Papiere waren gefälscht, stammten aus einem Diebstahl aus dem Rathaus von Mülheim an der Ruhr. Und: Die Polizei in Bayern hat keine Möglichkeit, in anderen Bundesländern den Wohnort direkt zweifelsfrei abzufragen, wie die Ermittler der Inspektion Ebern gegenüber Dietz einräumten. Dies ist nur über die Meldeämter möglich - wenn sie besetzt sind.

Die Eberner Polizei griff ab dem 16. Dezember aktiv ins Geschehen ein. Denn: Als der vermeintliche Mieter das Wohnmobil am 15. Dezember nicht zurückbrachte, schrillten bei Dietz sämtliche Alarmglocken: Die angegebenen Handy-Nummern waren auf andere Leute registriert, der Kunde am angegebenen Wohnort nicht auffindbar. Er hatte sich eine Ferienwohnung in Höfer bei Celle (Niedersachsen) für drei Wochen angemietet, um den betrügerischen (Weiter-)Verkauf verdeckt abzuwickeln.

"Ich hab' die ganz Nacht nicht geschlafen und nur im Internet recherchiert", berichtet Dietz. Am nächsten Tag stellte er Anzeige bei der Polizei in Ebern, die nach Dietz' Überzeugung sofort tätig wurde, wobei er ausdrücklich die unermüdliche Ermittlungsarbeit von PHK Emil Barthelmann herausstellt.

Freizeit-Centerleiter Klaus Uhlenhuth wurde im Internet fündig. "Das ist unser Wohnmobil", erkannten er und Dietz aufgrund der Inneneinrichtung. "Die Position und Marke des Fernsehers gab es nur bei unserem Modell. Außerdem hatte der Hersteller Concorde im vergangenen Jahr nur zwei Fahrzeuge dieses Typs ausgeliefert - eines zu uns und eines nach Italien." Heinz Dietz: "Unser Modell hatte ein 6,5-Tonnen-Chassis und besondere Ausstattungs-Features."

Für 104 500 Euro bot ein zunächst Unbekannter das Fahrzeug bei "mobile.de" an. Jetzt hieß es schnell handeln. Über die Kripo Kassel wurde über die angegebene E-mail-Adresse der Mobile-Inserent ermittelt und das Wohnmobil beschlagnahmt. Das war am 16. Dezember.

Die Geprellten atmeten durch und rechneten damit, das Luxus-Fahrzeug bald wieder abholen zu können. Doch weit gefehlt. Es begann der nächste juristische Schlagabtausch: Der Käufer, ein Kfz-Meister, der nebenbei einen schwunghaften Privathandel zu betreiben scheint, machte "gutgläubigen Erwerb" geltend und der führt laut Gesetz "zu Eigentum".

Todesfall vorgeschoben


70 000 Euro hatte der Kfz-Meister für den Wagen hingeblättert - in bar. Er glaubte, ein Schnäppchen gemacht zu haben, da der vermeintliche Eigentümer einen Notverkauf für seinen Sohn vorgab, da dessen Ehefrau verstorben sei. "Bei solchen Schnäppchen im Internet schalten manche scheinbar sämtliche Sicherheitsmechanismen ab", urteilt Heinz Dietz über den Kfz-Meister, der es besser hätte wissen müssen.

Dass ihm mulmig bei der Sache war, ist aus einem Vernehmungsprotokoll der Polizei herauszulesen, da seine Ehefrau zugab, dass "wir schon argwöhnisch waren und ich deshalb auch bis zuletzt mit dem Geld in unserem Auto sitzen geblieben bin".

Doch der Kfz-Meister wähnte nach den Verkaufsgesprächen keine Gefahr mehr. Vorher hatte er über einen befreundeten Polizisten die Fahrgestellnummern beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg überprüfen lassen und der hatte grünes Licht gegeben. "Dabei hätte der erkennen müssen, dass das Wohnmobil auf das Autohaus Dietz zugelassen ist", schimpft Heinz Dietz.

Auch die Tatsache, dass nur ein Schlüssel-Set übergeben wurde und das zweite nachgeschickt werden sollte, machte den "Glückskäufer" offensichtlich nicht stutzig. "Doch das zweite Schlüssel-Set lag ebenso wie der echte Fahrzeugbrief bei uns in Ebern."

Was folgte, waren weitere Anwaltsschreiben und die Auseinandersetzung, wem denn nun das Wohnmobil gehört. Heinz Dietz: "Ich denke, wir hätten vor Gericht gute Chancen gehabt, aber das hätte ja wieder Monate bis Jahre gedauert." So strebte er einen Vergleich an.

Fahndung läuft weiter


Der Kfz-Meister willigte ein, obgleich er einen weit größeren finanziellen Verlust hinnehmen musste. Der eigentliche Missetäter oder Kriminelle indes befindet sich noch immer auf freiem Fuß. Durch Steckbriefe wurde er zweifelsfrei identifiziert, ist aktenkundig und mehrfach vorbestraft. Er hält sich nach Überzeugung der Polizei im Süden von Niedersachsen auf.

Heinz Dietz hat sein Wohnmobil zwischenzeitlich wieder zurückgeholt. Aktuell ist es auch schon wieder verliehen. Der Rückgabetermin liegt in der ersten Augustwoche. Ob Dietz schon die nächste schlaflose Nacht fürchtet. "Nein, nein", winkt er ab, "diesmal hat es ein guter Geschäftsfreund."

Viel mehr Sorgen macht sich der Kaufmann indes über die Ermittlungspraktiken der Sicherheitsbehörden, die an Bundesländergrenzen schon auf Probleme stoßen. Da gibt es aktuelle Beispiele (NSU), die derzeit bundesweit Schlagzeilen machen und noch weit schlimmere Dimensionen angenommen haben.