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Haßfurt
Prozess

Benebelt in den Straßengraben

Das Amtsgericht in Haßfurt ahndete eine Trunkenheitsfahrt mit einer Bewährungsstrafe. Einer 33-Jährige hatte einen Unfall verursacht.
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Symbolbild Foto: Stephan Jansen dpa/lby
Symbolbild Foto: Stephan Jansen dpa/lby
Wer spätabends in einem Lokal hinter dem Tresen steht, wird zwangsläufig immer wieder mit den fatalen Folgen übermäßigen Alkoholgenusses konfrontiert. Dass solche Erlebnisse nicht immer eine abschreckende Wirkung haben, zeigte sich bei einer Verhandlung am Amtsgericht in Haßfurt, als eine 33-jährige Wirtin auf der Anklagebank saß. Ohne Fahrerlaubnis war die Mutter eines Vorschulkindes mit ihrem VW mit 1,52 Promille im Bereich einer Kreuzung in einen Straßengraben gerauscht. Dafür kassierte sie jetzt eine dreimonatige Bewährungsstrafe, verbunden mit einer 20-monatigen Führerscheinsperre.


Ungebremst und ohne zu blinken

Der Verkehrsunfall ereignete sich im November letzten Jahres im Bereich der Gemeinde Wonfurt. Ein 51-jähriger Schreiner, der an diesem Tag gegen 9 Uhr vormittags mit seinem Lieferwagen unterwegs war, beobachtete zufällig das Unfallgeschehen. Wie er im Zeugenstand aussagte, hatte er schon von weitem den Wagen der Frau heranbrausen sehen. Ohne abzubremsen und ohne zu blinken kam der VW schnell näher. Der Handwerker erkannte sofort die gefährliche Situation und reagierte vorbildlich. Er bremste ab und stoppte, obwohl er die Vorfahrtsstraße befuhr.


Intensiver Alkoholgeruch

Nachdem das Unfallauto im Graben lag, stieg er aus und lief hin, um nachzusehen, ob Personen zu Schaden gekommen waren. Als er die Fahrertür öffnete, kam ihm sofort ein intensiver Alkoholgeruch entgegen. Im Fußraum des Autos lag eine leere Weinflasche und im Wageninnern fanden sich leere Bierkästen. Da die Fahrerin aus der Nase blutete und offensichtlich unter Schock stand, alarmierte der Ersthelfer den Rettungsdienst und die Polizei.

Nachdem die herbeigerufenen Beamten den Unfall aufgenommen hatten, wurde der offenbar betrunkenen Unfallfahrerin im Krankenhaus um 10.45 Uhr eine Blutprobe entnommen. Zurückgerechnet auf den Unfallzeitpunkt ergab sich ein Alkoholwert von 1,52 Promille. Wie dieser hohe Wert zustande kam, daran will sich die 33-Jährige nicht erinnern können.


Unter Druck

Vor Gericht verlas die ohne Anwalt erschienene Beschuldigte eine Erklärung, die sie vorher verfasst hatte. Demnach habe sie damals unter depressiven Verstimmungen gelitten und auch Antidepressiva eingenommen. Beziehungsprobleme seien die Ursache dafür gewesen, dass sie psychisch am Boden war.

Die Folgen des Unfalls waren schwerwiegend: ein Wirbel wurde gebrochen und es kam zu massiven Rückenverletzungen, unter denen sie heute noch leidet. Sie bezeichnete ihr Verhalten als großen Fehler, den sie zutiefst bereue.

Staatsanwalt Ralf Hofmann kreidete der Angeklagten insbesondere an, dass sie wegen einer Trunkenheitsfahrt 2015 schon mal vor dem Kadi stand und verurteilt wurde. Dass sie sich vier Wochen nach dem Prozess wiederum blau hinter das Steuer ihres Wagens setzte, bezeichnete der Jurist als "Zeichen der Unbelehrbarkeit." Ähnlich sah das auch Strafrichterin Ilona Conver und reduzierte die von der Anklage geforderte Freiheitsstrafe nur geringfügig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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