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Haßfurt
Gericht

Belästigung kann nicht mehr nachgewiesen werden

Nachdem neun Zeugen ausgesagt hatten, konnte dem Angeklagten (40) nicht nachgewiesen werden, dass er im Zeitraum zwischen 2007 und 2010 ein damals etwa 14-jähriges Mädchen mehrmals unsittlich berührt hatte.
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Da die Tatvorwürfe schon etliche Jahre zurückliegen, konnten sich die meisten Beteiligten in dem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt nur vage erinnern. Mit Zustimmung des Staatsanwalts Christian Schorr wurde das Verfahren ohne Auflagen eingestellt.


Taten zwischen 2007 und 2010


Da sexuelle Nötigung im deutschen Strafrecht als Verbrechen eingestuft wird, tagte das Schöffengericht unter dem Vorsitz der Amtsrichterin Ilona Conver. Laut Anklageschrift sollen sich die Übergriffe im Zeitraum zwischen 2007 und 2010 ereignet haben. Damals war das Opfer, eine heute 21-jährige Frau, häufig am Nachmittag bei einer benachbarten Familie und beaufsichtigte dort drei Kinder im Vorschulalter.


"Die Spitze des Eisbergs"


Öfters war dabei auch der Angeklagte mit seinem kleinen Sohn anwesend.
Bei diesen Gelegenheiten, so die Anklage, sei es zu den Belästigungen gekommen. Konkret listete der Staatsanwalt drei Fälle auf, nach seinen Worten "die Spitze des Eisbergs". Zum einen soll der 40-Jährige im Garten, zum zweiten auf einem öffentlichen Kinderspielplatz und zum dritten bei einer Kinder-Faschingsveranstaltung der Jugendlichen zwischen die Beine gegriffen und an die Brust gegrapscht haben.

Die heute 48-jährige Mutter des Opfers schilderte unter Tränen die "schlimme Zeit". Als sich ihre Tochter immer mehr zurückzog und regelrecht verstockte, habe sie zuerst gedacht, das sei halt die Pubertät. Mit der Zeit aber sei es immer unerträglicher geworden, das Mädchen habe sich von allen abgesondert. "Sie war nur noch ein Häufchen Elend", meinte die Zeugin. Aber irgendwann sei es doch aus ihr herausgeplatzt. Am liebsten, gab die Mutter mit wutunterdrückter Stimme zu, würde sie den Angeklagten als Schwein beschimpfen. Aber da sie wisse, dass das verboten ist, beherrsche sie sich lieber.

Dass der Mann sie gegen ihren Willen wiederholt unsittlich berührt habe, bestätigte das heute 21-jährige Opfer. Nach Einzelheiten befragt, brach sie in einen Weinkrampf aus, woraufhin die Sitzung kurz unterbrochen werden musste. Auch heute noch, ergänzte sie, komme das Geschehene manchmal in ihr hoch. "Gott sei Dank habe ich jetzt einen Freund, der großes Verständnis für mich aufbringt."


Immer zu Scherzen aufgelegt


Ein völlig anderes Bild des Angeklagten zeichnete dessen 46-jährige Ehefrau. Sie beschrieb ihn als jemanden, der immer zu Scherzen aufgelegt sei und herumalbere. "Er macht gerne Blödsinn und Kaspereien und balgt sich mit den Kindern", sagte sie. Auch zu ihren drei Kindern im schulpflichtigen Alter, deren leiblicher Vater er nicht ist, habe er ein gutes Verhältnis. Obwohl sie selber sehr eifersüchtig sei, habe sie nie beobachtet, dass ihr Ehemann auf jüngere Frauen oder gar Mädchen stehe.

Die lange Zeitspanne zwischen den angeklagten Vorfällen und der gerichtlichen Verhandlung erklärt sich aus der Tatsache, dass es erst Ende 2014 zu der Anzeige kam. Angesichts der langen Jahre, die seitdem vergangen sind, konnten sich etliche frühere Freundinnen des Opfers nicht mehr an konkrete Zeiten und Einzelheiten erinnern. Von daher blieb den Juristen nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen.

Trotzdem stellte Strafrichterin Conver abschließend fest, dass das Verhalten des Mannes nicht in Ordnung und "grenzüberschreitend" gewesen sei. "Lassen Sie das zukünftig!", betonte sie nachdrücklich.

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