Augsfeld
Warnstreik

Bei Bosch-Rexroth Augsfeld stehen die Mitarbeiter hinter der Gewerkschaft

Vor den Toren des Augsfelder Sitzes von Bosch-Rexroth versammelten sich die Gewerkschafter am vierten Warnstreiktag der IG Metall.
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Am Vormittag versammelten sich gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter der Firma Bosch-Rexroth vor den Werkstoren in Augsfeld. Sie trugen den Warnstreik mit und unterstützen die IG Metall. Fotos: René Ruprecht
Am Vormittag versammelten sich gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter der Firma Bosch-Rexroth vor den Werkstoren in Augsfeld. Sie trugen den Warnstreik mit und unterstützen die IG Metall. Fotos: René Ruprecht
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Am Mittwoch legten nach Angaben der Industriegewerkschaft (IG) Metall Schweinfurt zwischen 300 und 350 Arbeitnehmer der Firmen Bosch-Rexroth (Augsfeld), Schaeffler (Eltmann) und Fränkische Rohrwerke (Königsberg) die Arbeit für eine Stunde nieder. Am letzten Freitag, ein Tag nach der gescheiterten dritten Tarifrunde, endete die Friedenspflicht.


Respekt? Wertschätzung?

Für den Hauptredner und Gewerkschaftssekretär Jens Öser von der IG Metall Schweinfurt ist das aktuelle Angebot der Arbeitgeber "Magerkost". Es habe, betonte er, wegen der "guten aktuellen wirtschaftlichen Lage der Betriebe mit teilweise Rekordzahlen mit Respekt und Wertschätzung überhaupt nichts mehr zu tun.
... So viel Sturheit und Unvernunft ist uns, soweit ich zurückdenken kann, noch nie entgegengeschlagen." Laut Öser ist die Auslastung in der Metall- und Elektroindustrie seit 2014 konstant hoch, zu Beginn 2016 mit 86 Prozent zum achten Mal in Folge über dem Normalwert. Die börsennotierten Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie hätten mehr als elf Milliarden Euro an Dividenden im letzten Jahr ausgeschüttet - ein Bruchteil der Forderung der Gewerkschaft.


Kundgebung am Mittwochmorgen

Am Rednerpult standen während der einstündigen Kundgebung neben Thomas Höhn (Gewerkschaftssekretär IG Metall Schweinfurt) und Florian Gräf (Vertrauenskörperleiter der IG Metall bei Schaeffler) auch der 55-jährige Bosch-Rexroth-Betriebsrat Reiner Greich aus Unterhohenried. Greich arbeitet schon über 32 Jahre in Augsfeld und nahm kein Blatt vor den Mund: "Die haben so viel Kohle in ihrer Portokasse, täglich und wöchentlich lese ich in der Zeitung, welcher Konzern gerade welchen Betrieb schluckt. Da ist eine Bewegung auf dem Markt -jetzt frage ich mich - wenn's denen wirklich so schlecht gehen würde, woher haben sie dann das Geld, um permanent Zukäufe tätigen zu können? Wir wollen auch 'was von dem Kuchen abhaben und nicht immer nur ihr Meckern. Wir wollen einfach eine anständige Entlohnung."

Greich hat absolut kein Verständnis, dass "jetzt schon die DAX-Manager über sechs Prozent mehr Gehalt sich selbst geschenkt haben, obwohl wir es verdient haben. Die Produktivität ist schon lange nicht mehr maßgebend. Wenn sie heuer eine Million Gewinn machen, wollen sie das Jahr drauf eineinhalb und in zwei Jahren zwei Millionen Gewinn machen."

Arbeitgeber würden immer mehr fordern: Flexibilität und Lieferzeitverkürzung. Aber für die ehrliche Arbeit der Beschäftigten hätten die Vorstände immer weniger übrig. Greich betonte: "Die Fünf-Prozent-Forderung ist gerecht. Der Mensch muss weiterhin im Vordergrund stehen und nicht nur die Gewinnmaximierung."

Bei den Tarifverhandlungen gehe es um das Geld und um Gerechtigkeit. Dazu sei der Anteil der tarifgebundenen Beschäftigung der Wiedervereinigung, wie Öser erklärte, "stark gesunken mit handfesten Nachteilen": Längere Arbeitszeiten und im Durchschnitt 25 Prozent weniger Lohn für die gleiche Arbeit der Kollegen mit Tarifvertrag. "Statt über gute Produkte und schlaue Innovationen verschaffen sich die Arbeitgeber über Lohndumping eine bessere Marktposition und höhere Profite, das ist eine Unsitte".

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