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Klima

Bauern aus den Haßbergen suchen eine Antwort auf die Trockenheit

Das, was derzeit vom Himmel kommt, ist kein Regen. Zumindest aus der Sicht von Landwirten, Weinbauern oder Förstern. Deswegen pflanzt Roland Henfling Esskastanien: Die mögen's heiß. Und Bauer Klaus Merkel setzt auf den besten Kompromiss aller Zeiten.
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Die Heuernte im Kreis Haßberge war teilweise miserabel, denn wegen der anhaltenden Trockenheit war der Ertrag deutlich geringer als üblich. Die Bauern müssen mit dem Mangel zurechtkommen. Foto: René Ruprecht
Die Heuernte im Kreis Haßberge war teilweise miserabel, denn wegen der anhaltenden Trockenheit war der Ertrag deutlich geringer als üblich. Die Bauern müssen mit dem Mangel zurechtkommen. Foto: René Ruprecht
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Wasser, das vom Himmel fällt, nennt man...? Regen. Denkste. Was die einen unter Regen verstehen, löst bei anderen höchstens ein müdes Lächeln aus: "Alles unter zehn Liter ist kein Regen", sagt Roger Nüßlein. Soviel zu denjenigen, die davon ausgehen, dass es doch in den vergangenen Wochen immer wieder mal geregnet hat. Freilich: Als Weinbauer hat man eine andere Sicht aufs Wetter. Nüßlein ist Vorsitzender des Weinbauvereins Haßberge. Auch wenn Weinreben noch nicht so stark betroffen sind (sofern keine Jungpflanzen), für ihn steht fest, dass die momentane Situation außergewöhnlich ist: "Das ist keine Trockenheit mehr. Das ist eine regelrechte Dürre."

Mit zehn Litern ist die Niederschlagsmenge pro Quadratmeter in einem Zeitraum von 24 Stunden gemeint. Alles, was die vergangenen Wochen und auch dieser Tage an Wasser vom Himmel kam, ist nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Wer berufstätig in der Land- oder Forstwirtschaft ist, kann ein Lied davon singen. Ein melancholisches, wenngleich noch nicht alles verloren ist. Aber es wird so langsam kritisch.

Extrem trockene Böden
Denn selbst zehn Liter pro Quadratmeter sind in der jetzigen Situation, nach wochenlanger Trockenheit in weiten Teilen Frankens, kaum von Bedeutung. Noch das Doppelte ist nicht genug: "20 Liter ist zur Zeit nicht viel auf den trockenen Böden", sagt Klaus Merkel, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Haßberge. Das Wasser werde von der Erde auf Äckern, Wiesen und Feldern kaum aufgenommen und fließe zu großen Teilen einfach ab, ohne den angebauten Pflanzen zu nutzen. Noch ist Merkel einigermaßen optimistisch, was die bevorstehende Ernte betrifft. Wenn innerhalb der nächsten zwei Wochen ausgiebiger Regen kommt, sieht es für Mais, Zuckerrüben und einige Getreidesorten gut aus. Allerdings gibt es auch Kulturen, die bereits komplett ausgefallen sind, erklärt der Landwirt.

Einige seiner Berufskollegen im Landkreis hatten auf sandigen Böden Sommergerste und Sommerweizen angebaut. Sandige Böden sind schlechte Wasserspeicher, also bei Trockenheit recht unpraktisch. Die Früchte waren eigentlich als Produkt für Bierbrauer gedacht, in gemälzter Form sind sie Grundlage für einen erfolgreichen Gärprozess im Braukessel. Doch die Qualität einiger der diesjährigen Ernten war so schlecht, dass die betroffenen Landwirte zu einer Notmaßnahme griffen, wie Merkel erläutert: Das Getreide ging als Silage zur Energiegewinnung in Biogasanlagen. Zum Teil hätten die Kollegen selbst diese Möglichkeit überdacht, weil unklar war, "ob überhaupt die Häckselkosten rauskommen". Auch die erste Heuernte im Juni war schlecht, im Vergleich zum letzten Jahr gab es Ausfälle von etwa 50 Prozent: Die Wiesen standen beim Abmähen nicht so gut im Saft wie sonst.

Nichts gegen Schwimmbadwetter
Alles schön und gut, das hört sich mies an für Landwirte, doch die meisten Menschen interessiert eher ein anderer Aspekt der Trockenheit. Was gibt es Schöneres als lange, ausgiebige Sommer mit tollem Badewetter? Merkel lacht und erklärt, dass er dafür vollstes Verständnis habe. "Ich gehe am Sonntag auch gern ins Schwimmbad", sagt er. Deswegen schlägt er einen Kompromiss vor, der alle glücklich machen dürfte: "Wir können uns darauf einigen, dass tagsüber die Sonne scheint und es nachts regnet."

Ebenso der Wald sehnt sich nach Regen. Wiederum eine Definitionssache, auch bei Roland Henfling. Der Forstbeamte beim bayerischen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Forstrevier Königsberg, würde auch erst von einem "erfolgreichen" Regen sprechen, wenn die Niederschlagsmenge 20 Liter pro Quadratmeter überschreitet. "Ideal wären 50 bis 60." Im Wald gelangen Wolkenbrüche kaum bis zum Boden, sie verdunsten schnell wieder über das Blätterdach. Derzeit herrscht erhöhte Waldbrandgefahr. Henfling erklärt, dass Beobachtungsflüge gemacht werden, um mögliche Gefahrenstellen auszumachen.

Insgesamt sieht der Förster in den Temperaturveränderungen mehr als nur Wetterkapriolen, für ihn ist das nach jahrzehntelanger Beobachtung ein klares Zeichen für den Klimawandel. Die Bayerische Staatsregierung gibt denn auch für die Wälder bei Neuanpflanzungen Bewertungen vor, welche Baumarten sich für welche Regionen gut eignen. Da trockene Böden und Wärme nun keine Seltenheit mehr sind, verändert sich laut Henfling auch die Vegetation beziehungsweise man führt eine Veränderung herbei.

Im Distrikt Sechsthal des Stadtwalds Zeil, den Henfling mitbetreut, wachsen seit Herbst 2013 zum Beispiel Edelkastanien heran, besser bekannt als Esskastanien. Die Baumart ist eher typisch für die Mittelmeerregion. Henfling glaubt aber, dass die momentan noch als Experiment anzusehende Pflanzung eine gute Möglichkeit ist, dem Klimawandel zu begegnen. Studien hätten ergeben, dass eine stetige Erwärmung auf lange Sicht zu erwarten sei. "In 50 Jahren ist die fränkische Platte vielleicht mediterran", sagt Henfling. Und ist gespannt, wie sich das entwickelt: "Genau weiß es natürlich niemand."

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