Irgendwie schienen die Zahlen nicht zusammenzupassen: Bei der fast 150 Jahre alten Genossenschaft wurden bei der 35. Vertreterversammlung der Raiffeisen-Volksbank im Marktsaal mehrere Mitglieder für über 50-jährige Zugehörigkeit geehrt. Dazu gehörten am Dienstag Otto Einwag aus Ebern, Erich Grell aus Recheldorf und Otto Jahrsdörfer aus Autenhausen. Die erinnerten sich noch an die Zeiten, als die Raiffeisen-Rechner noch daheim im Wohnzimmer ihre Ein- und Auszahlungen vornahmen.
"Ich habe die gesamte Entwicklung mitgemacht - von der ersten Geschäftsstelle im Deiningerhaus am Stadtberg über die vielen Fusionen bis nach Heldburg hinauf", schießt es aus Einwag (79) heraus. Es fallen Namen wie Johann Batzner, Hermine Groß, Peter Möhrlein, Toni Pokoj oder Erich Häfner.
Und Einwags langjähriger Wegbegleiter Rolf Feulner legt ein Geständnis ab: "Als ich 1955 beim Genossenschaftsverband angefangen habe, wusste ich noch gar nicht, dass es einen Raiffeisenbank-Rechner in Ebern gab."
Das sollte sich ändern: Feulner stieg zum Bürgermeister und zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank auf, die einen rasanten Aufschwung nahm. Gerade in den letzten Jahren, da viele Institute aufgeben oder unter Rettungsschirme schlupfen mussten, wie Direktor Christian Senff in seinem Bericht über die Jahresbilanz 2011 und die Entwicklung im ersten Halbjahr 2012 mehrfach betonte.
Vom Aufwärtstrend zeugt der gestiegene Jahresüberschuss, der zum einen zur Aufstockung der Rücklagen verwendet wird, zum anderen aber auch als vierprozentige Dividende an die Mitglieder ausgeschüttet wird. Der entsprechende Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, den Direktor Norbert Knorr vorstellte, wurde ohne Gegenstimme von den 98 Vertretern gebilligt. Da passten die Zahlen wieder. Knorr: "Vier Prozent können sich sehen lassen."
Das sah auch Hauptrevisor Reinhart vom Genossenschaftsverband so, der in seinem Bericht, den Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Stang verlas, ein positives Fazit zur Jahresbilanz zog. "Die Ertragslage hat sich verbessert und ist angemessen, die Vermögenslage ist ausreichend, die Risikolage überschaubar." Eine Einschätzung, die auch Regionaldirektor Roland Streng teilte: "Die Ertragslage ist angemessen, die Vermögenslage gut."
Bankdirektor Senff, der sein 25. Dienstjubiläum feierte, freute sich, dass "wir bei uns allen wichtigen Kriterien erneut zulegten". Die Ausleihungen an Privat- und Firmenkunden stiegen um 1,1 Prozent. Das Kreditvolumen lag bei 141,5 Millionen Euro. "Wir bleiben damit verlässlicher Partner des Mittelstands und stärken die Wirtschaft in der Region."
Herausgestellt wurde von Senff, dass viel Geld aus finanzierten Photovoltaikanlagen zurückfließe. "Die Einlagenseite entwickelte sich sehr erfreulich. Mit 4,5 Prozent verzeichneten wir ein starkes Wachstum und zum Jahresende lagen die Kundengelder bei 230 Millionen Euro." An einem Schaubild zeigte Senff auf, dass die Geschäftsanteile der Mitglieder erneut an Wert gewannen. "Andere Institute dagegen haben Geld schlichtweg verbrannt", las Senff aus dem Schaubild heraus.
Als Mitglieder des Aufsichtsrates wurden Friedrich Freß (Allertshausen), Dieter Scherbel (Kaltenbrunn) und Ralf Röder (Westhausen) wiedergewählt.
Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Stang fand: "Unserer Bank geht es gut, sie ist gesund und wirtschaftet erfolgreich mit kaum Problemen."