Haßfurt
Strafprozess

Ausraster führt fast in den Knast

Das Amtsgericht Haßfurt verhängte gegen einen 36-jährigen Selbstständigen eine Bewährungsstrafe wegen mehrerer Delikte.
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Mit Händen und Füßen und Beleidigungen hatte sich ein betrunkener Handwerker der Polizei widersetzt. Jetzt bekam er vom Gericht die Quittung für sein Verhalten.  Symbolbild: dpa
Mit Händen und Füßen und Beleidigungen hatte sich ein betrunkener Handwerker der Polizei widersetzt. Jetzt bekam er vom Gericht die Quittung für sein Verhalten. Symbolbild: dpa
Nachts in der Haßfurter Polizeiinspektion: Sechs gestandene Polizisten waren nötig, um einen sich mit Händen und Füßen wehrenden Mann (36 Jahre) zur Raison und in die Ausnüchterungszelle zu bringen. Am nächsten Morgen setzte der Inhaftierte noch eins drauf: Er drehte sich um, zog seine Hose herunter und furzte die Polizeibeamten an. Jetzt erhielt er die Quittung: Das Amtsgericht in Haßfurt verurteilte den Angeklagten wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung, Beleidigung, Nötigung und Hausfriedensbruch zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe, verbunden mit einer Geldbuße von 2000 Euro.

Rückblick: Als sich der Angeklagte am 15. November letzten Jahres gegen elf Uhr abends zu einer Gaststätte im Maintal aufmachte, war er schon schlecht drauf. Es hatte wieder mal ordentlich Stress mit seiner Ex-Freundin gegeben.
Wie meistens ging es um die gemeinsame kleine Tochter, für die er als Vater 350 Euro Unterhalt monatlich bezahlt. Wie oft er sein bei der Mutter lebendes Kind besuchen darf, darüber kommt es ständig zum Streit.

Bereits alkoholisiert betrat er damals das Lokal. Mit reichlich Bier und Schnaps ging es weiter. Irgendwann flogen dann Gläser und Aschenbecher und der Wirt alarmierte die Polizei, als der randalierende Gast das ausgesprochene Hausverbot nicht akzeptierten wollte. Die Beamten rückten kurz darauf mit zwei Streifenwagen an. Doch der Anblick der Uniformierten hatte keine beruhigende Wirkung auf den Alkoholisierten. Ganz im Gegenteil: Er bezeichnete die Ordnungshüter mit nicht druckreifen Ausdrücken und wehrte sich mit Leibeskräften gegen die Feststellung seiner Personalien und gegen seine Festnahme.


Entschuldigung

Vor Gericht zeigte sich der selbstständige Handwerker geständig und reuig. Begleitet von seinem Verteidiger Werner Lüttge entschuldigte er sich bei einem als Zeugen erschienenen Polizisten und sagte wörtlich: "Ich schäme mich für die ganze Aktion." Als das Vorstrafenregister verlesen wurde, erfuhren die als Zuhörer anwesenden Schüler des Haßfurter Gymnasiums, dass der Mann kein unbeschriebenes Blatt ist. Drei Mal stand der Handwerker vor dem Kadi, und drei Mal wurde er verurteilt.

Die letzte Verurteilung erfolgte im April 2011, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Damals erhielt er eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die Bewährungszeit hatte er zwar ohne erneuten Rückfall überstanden. Aber dass er sich kurz darauf einen derartigen Fehltritt leistete, kreidete ihm der Staatsanwalt Ralf Hofmann schwer an. Da er keine positive Prognose für ein zukünftiges straffreies Verhalten sah, forderte er in seinem Plädoyer eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung.

Der Rechtsanwalt dagegen sah in seinem Mandanten keinen typischen Bewährungsversager und betonte dessen berufliche und soziale Einbindung. Als strafmildernd wollte er auch den Alkoholkonsum bewertet wissen, weil der Mann dadurch in seiner "Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt" gewesen sei.

Obwohl Strafrichterin Ilona Conver sich letztlich für eine erneute vierjährige Bewährung entschied, sprach sie Tacheles mit dem Verurteilten: "Sie haben sich wie die sprichwörtliche offene Hose aufgeführt", hielt sie ihm vor. Als Auflage muss der Mann 2000 Euro an die Stiftung der Deutschen Polizeibeamten zahlen, sich bei einem Bewährungshelfer melden und an einem Anti-Aggressionstraining teilnehmen. Der Richterspruch wurde noch im Gerichtssaal in Haßfurt rechtskräftig.
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