Das ist ein schwerer Schlag für Eltmann", sagt der Bürgermeister Michael Ziegler (CSU), und damit meint er nicht nur den drohenden Verlust von 62 Arbeitsplätzen. Die angekündigte Schließung des Steinwerks Vetter Ende Juni trifft Eltmann auch deshalb ins Mark, weil damit der letzte bedeutende Betrieb der Steinindustrie in der Stadt aufgegeben wird - das Ende einer Ära.

1865 gegründet


Das Aus für Eltmann wurde im englischen Dartford (Grafschaft Kent) beschlossen. Dort hat der Baukonzern Laing O'Rourke seinen Sitz, der die insolvente Firma 2001 übernommen hatte. Vetter, 1865 von Conrad Vetter gegründet und vom Handwerksbetrieb zum Industrieunternehmen gewachsen, hat im Lauf der Zeit viele Aufs und Abs erlebt; die Abhängigkeit von der Baukonjunktur führte immer wieder zu existenziellen Krisen, die in den letzten 15 Jahren nur durch
"Gesundschrumpfen" bewältigt werden konnten.
In dieser Zeit wurde die Belegschaft in Eltmann von einst über 140 auf zuletzt noch 62 Mitarbeiter abgebaut. Einer der größten Einschnitte der letzten Jahre war 2004 die weitgehende Aufgabe des Bau-Geschäftes. Seither beschränkte sich Vetter in Eltmann auf die Lieferung von Steinen, die Montage besorgten Subunternehmen.

Erfolgskurs


"Das war ein erfolgreicher Kurs, mit dem wir das Werk aus der letzten Krise geführt haben", sagt der Vertriebsleiter und Prokurist Oliver Fröba, der nun wie seine 61 Kollegen vor dem Nichts steht. "Wobei ich es als Kaufmann noch leichter haben werde, einen neuen Job zu finden, anders als die Steinmetze, die zum großen Teil hier im Betrieb gelernt haben und schon seit Jahrzehnten hier beschäftigt sind." Aktuell sei die Auftragslage "so gut wie seit 2001 nicht mehr", sagt Fröba, wobei er hinzufügen muss: Sie war so gut.
Denn vor zwei Wochen hat die Konzernleitung in England nicht nur einen sofortigen Auftragsstopp verkündet; auch die laufenden Verhandlungen mussten laut Fröba abgebrochen und Zusagen storniert werden. Dabei ging es nach den Worten des Prokuristen keineswegs nur um "Peanuts", sondern um Großaufträge, "Millionensummen".

16 000 Mitarbeiter


Warum dieser harte Schnitt? Aus der englischen Zentrale des Konzerns, der mit 16 000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von umgerechnet knapp vier Milliarden Euro erwirtschaftet, war zunächst keine offizielle Stellungnahme zu erhalten. Der Geschäftsleiter in Eltmann, Chris Bailey, bestätigte auf wiederholte Nachfrage lediglich die Tatsache, dass das Werk geschlossen wird, ohne Details zu den Hintergründen zu nennen.
Bailey, der seit zwei Jahren die Geschäfte in Eltmann führt, sprach von einer "neuen strategischen Ausrichtung" des Konzerns.
Diese Ausrichtung heißt offenbar: weg vom kleinen und mittelständischen Auftrag, hin zum prestigeträchtigen Großprojekt. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch der Coup zu sehen, mit dem es O'Rourke kürzlich auf die Titelseiten der internationalen Fachpresse schaffte: Der englische Baukonzern hat David Scott engagiert, einen weltweit anerkannten Spezialisten für den Bau von Wolkenkratzern. Scott war unter anderem Mitglied des Teams, das nach 9/11 zum einen nach der Ursache für den Einsturz der Zwillingstürme in New York forschte und zum anderem am Konzept für die Neugestaltung von Ground Zero arbeitete.

Kein Verkauf?


Dies alles erklärt aber nicht, warum O'Rourke das Werk in Eltmann derart "radikal abserviert", wie es der Betriebsratsvorsitzende Artur Sperber ausdrückt. Die Belegschaft sei bei einer Betriebsversammlung vor zwei Wochen über den Schritt informiert worden. "Da gab es keine Diskussion, keine Alternativen", sagt Sperber, und auch Fröba versteht nicht, warum der Konzern nicht einen Weg wählte, der den Fortbestand des Werkes in Eltmann ermöglicht und wohl auch einen Großteil der Arbeitsplätze gerettet hätte.
Nach Fröbas Worten gibt es einige Manager im Betrieb, die das Werk Eltmann übernommen hätten. Aber auch ein Verkauf an einen Dritten oder eine geordnete Insolvenz wären Möglichkeiten gewesen, "eine grundsolide Firma" zu retten. Stattdessen: "Kahlschlag ohne Rückfahrkarte", wie Sperber meint: Die Stornierung der Aufträge sei der Todesstoß für das Unternehmen gewesen. "Wenn so etwas die Runde macht, kriegst du doch als Unternehmen kein Bein mehr auf die Erde."

Sozialplan


Der Betriebsrat kann jetzt nur noch eines tun: Über einen Sozialplan soll versucht werden, den Abbau der Arbeitsplätze so zu gestalten, dass keiner der 62 Mitarbeiter bei Vetter von heute auf morgen vor dem Abgrund steht. Was mit dem Werk in Eltmann und dem riesigen Warenlager wird, weiß niemand. Sowohl Fröba und Sperber als auch Bailey können bei dieser Frage unserer Zeitung nur ratlos mit der Schulter zucken.
Die Stimmung bei den Mitarbeitern als schlecht zu bezeichnen, ist stark untertrieben. Mit Blick auf die Sozialplan-Verhandlungen will sich zwar niemand fotografieren oder namentlich zitieren lassen, aber die Aussage eines langjährigen Vetter-Mitarbeiters in der Produktion ist repräsentativ für alle Meinungen: "Wir haben Jahrzehnte gebuckelt und mehr als einmal geblutet. Jetzt kriegen wir als Dankeschön einen Tritt in den Arsch."