Zeil am Main
Jubiläum

Auf die nächsten 30 Jahre, Zeil!

Mit viel Prominenz wurde am Samstagnachmittag das 30. Weinfest in der Altstadt eröffnet. Im Mittelpunkt standen diejenigen, ohne die das Fest nicht möglich wäre: die ehrenamtlichen Helfer.
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Genauso alt wie das Weinfest: Andreas Markert mit Mutter Jutta.  Foto: Sina Masttheus
Genauso alt wie das Weinfest: Andreas Markert mit Mutter Jutta. Foto: Sina Masttheus
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Die Kinder der Zeiler Grundschule traben mit ihren Lehrern die Speiersgasse hinunter. Schlag 15 Uhr beginnt der Festzug, der von Richtung Sparkasse auf den Marktplatz zieht und an dem sie teilnehmen werden. Viele sind gekommen, um dem Zug der Ehrengäste, der Trachten sowie Kindergarten- und Grundschulkinder zuzuschauen. Am mittelalterlichen Marktplatz führte Helmut Trautner durch die Eröffnung.

"Wenn ihr jemanden braucht, der im Verein mitarbeitet, die könnt ihr getrost fragen", meinte Trautner und bat die Helfer, die sich seit drei Jahrzehnten ehrenamtlich beim Zeiler Weinfest engagieren, zum Dank auf die Bühne.
Die Zeiler Kultfigur, der Abt Degen, verkörpert durch Richard Schlegelmilch, pries nach seinem Prolog die Stadt mit den Worten: "Hoch lebe unser Zeil". Die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (CSU) kam mit ihren zwei Töchtern und verstand ihren Besuch als "wunderschöne Pflicht", die sie nicht missen möchte. Schon früher habe sie gerne das Fest besucht.

Einen fränkischen Silvaner - ihr Lieblingswein - werde sie auch heute mit Freude genießen. Der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel dankte allen, die dieses Fest seit Jahren durch Ideen und mit Tatkraft bereichern. Dass die Zeiler feiern können, das wisse man. Dies betonte Landrat Wilhelm Schneider, und auch Sands Bürgermeister Bernhard Russ konnte dem nur zustimmen und der Nachbargemeinde ein freudenreiches Weinfest wünschen, ehe der Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann das 30. Weinfest offiziell für eröffnet erklärte. Zum Abschluss des offiziellen Akts sangen alle das Frankenlied und stießen auf fröhliches Beisammensein an.

Von Anfang an mit Leidenschaft

Frauen der ersten Stunde sind Florence Rössler, Susi Wolfschmitt und Christiane Garreis. Die Schwestern sind seit Jahren bei der Zeiler Narrenzunft aktiv und können sich gut an die Anfänge erinnern. In Zeil gab es in den 80er Jahren viele Vereine, die alle ihr eigenes Sommerfest veranstalteten. So kam es vor, dass an einem Wochenende drei oder vier Feste gleichzeitig liefen - keines richtig gut besucht. Und so entstand die Idee des Fremdenverkehrsförderkreises, aus den vielen kleinen Festen ein großes zu machen. "Man hätte nie gedacht, dass es so einschlägt", meinte Christiane Garreis. Für drei Tage seien Getränke geplant gewesen; am Sonntag war der Wein ausverkauft. Das erste Weinfest: ein voller Erfolg. 29 Fortsetzungen folgten. "Es gab nie ein Jahr, in dem wir gesagt hätten, es war nicht schön!", schwärmte Florence Rössler.

Weinfest im Kinderwagen

Vom Stand des 1. FC Ziegelangers aus beobachteten Jutta Markert und Sohn Andreas das Geschehen. Sie sind ebenfalls langjährige Helfer. Bei Andreas Markert sozusagen "in die Wiege gelegt". Denn so alt wie das Weinfest ist der Ziegelangerer: In jenem Jahr ging es am Samstagnachmittag für Mutter Jutta mit Baby Andreas im Kinderwagen auf's Fest. Sein älterer Bruder Michael war damals schon drei Jahre und lief als Kindergar-tenkind beim Umzug mit. Damals war alles noch überschaubarer, erinnerte sich Jutta Markert. Aber bis heute zieht es die beiden hierher.

Zum letzten Mal dabei

Mit einem lachendem und einem weinenden Auge blickten die Mitglieder des Autoclubs Zeil zurück. Der Verein ist neuer zum letzten Mal aktiv dabei. Altersbedingt geben sie ihren Getränkestand an der Sparkasse im ab. Als Siegfried Thiem die 30 Jahre Revue passieren ließ, stellte er fest, dass der Stand gut angenommen wurde. Selbst von weit her. So kommt seit 14 Jahren eine Radfahrgruppe aus Frankfurt. "Wir waren immer mit Leib und Seele dabei", lautete Thiems Fazit.

Zeiler Gastfreundschaft

Mittlerweile hat sich das Weinfest einen Namen gemacht und steht als fester Termin im Ka-lender vieler Auswärtiger. Spontan eine Unterkunft zu finden, ist allerdings schwierig. Diese Erfahrung musste eine Familie aus Nürnberg machen. Weder Hotels, noch Pensionen hatten ein Zimmer frei. Und doch hatte die Familie Glück. Als sie auf der Straße ein Zeiler Ehepaar fragten, ob diese noch eine Unterkunft wüssten, bot dieses aus dem Augenblick heraus, ein Zimmer in ihrer Wohnung an. "Wir haben ihnen Obdach gewährt. Unsere Tochter musste hierfür ihr Zimmer räumen.", schmunzelte die Zeilerin.

Auf die nächsten 30 Jahre

Von seinem Arbeitsplatz, dem Zeiler Rathaus, würde Bürgermeister Thomas Stadel-mann das heitere Treiben auf dem Marktplatz gut überblicken können. Doch zum Auftakt des Zeiler Weinfests ist sein Platz jährlich mitten im Geschehen. Nachdem Ehrengäste begrüßt, Ehrenamtliche geehrt und das Fest offiziell eröffnet wurde, lässt es sich der Bürgermeister nicht nehmen, selbst einige stimmungsvolle Momente mit der Digitalkamera einzufangen. "Die Atmosphäre hier mit dem ansteigenden Marktplatz, dem Fachwerk und dem Rathaus wirken einfach für sich", sagte Stadelmann stolz. Die Zukunft? Konkrete Aussagen will Stadelmann da nicht treffen. Das Weinfest zu erhalten, sei das Ziel. In welcher Form, das müsse man sehen. Nach zehn Jahren hätten die ersten Stimmen bereits skeptisch gefragt, wie lange sich das Fest wohl noch halte, weiß er. Doch die Vereine haben es geschafft, Nachwuchs nachzuziehen, der mit Freude, Elan und Kreativität anpackt. Zu beobachten am Stand der Zeiler Narrenzunft: Dort stehen die Kinder von Florence Rössler, Susi Wolfschmitt und Christiane Garreis tatkräftig im Stand.



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