Ebern
Heimatkunde

Auf dem Königsweg fuhr es sich billiger

Derzeit wird sie wieder rege frequentiert, die enge Ortsverbindungsstraße von der Hetschingsmühle nach Lind. Das war vor Jahrhunderten schon so. Kaum einer der aktuellen Nutzer dieses Schleichweges, der durch die Sperrung des Heubacher Kreuzes eine Renaissance erlebt, weiß aber, dass er sich auf einer "via regia", einer Königsstraße, bewegt.
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Mit Blick auf die noch vorhandenen oder festgestellten Befestigungsanlagen rund um Ebern vermutet Günter Lipp noch ein Tor im Süden.
Mit Blick auf die noch vorhandenen oder festgestellten Befestigungsanlagen rund um Ebern vermutet Günter Lipp noch ein Tor im Süden.
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Über diese wichtige Fernhandelsstraße berichtete Kreisheimatpfleger Günter Lipp beim heimatkundlichen Gesprächskreis am Donnerstagabend in den Frankenstuben. "Die Straße durch den Baunachgrund galt als wichtiger Abschnitt auf der Achse Magdeburg-Regensburg und hatte den Spitznamen Nürnberger Landstraße."

Scheideweg ab Baunach

Als wichtigen Knotenpunkt stellte Lipp dabei Baunach mit seinen sieben Gaststätten heraus. "Da muss einiges gesoffen worden sei, vor allen Dingen wurde Wein ausgeschenkt." Wie der gemundet hat, ließ der Heimatkundler offen.

Nach einem rund 30-minütigen Marsch mussten sich die Händler entscheiden, ob sie den Weg östlich oder westlich der Baunach nehmen wollten. Dabei wurde die Leucherhof-Brücke, die Balthasar Neumann 1710 im Auftrag von Fürstbischof Schönborn gebaut hatte, genutzt, um auf die Bamberger Geleitstraße zu kommen. "Die war mit Steinen markiert und galt als gesichert gegen Gesindel und Schäden."

Ab Laimbach "würzburgisch"

Ab Laimbach hieß der Weg dann Würzburger Geleitstraße und führte durch das Treinfelder Torhaus über Lind bis nach Ebern und seinem vorgelagerten Klein Nürnberg, wobei Lipp davon überzeugt ist, dass es vor dem Grauturm noch ein Bamberger oder Nürnberger Tor gegeben haben muss, auch wenn man bis heute davon noch keine Spuren gefunden hat.

Als Vorzug der via regia nannte Lipp die Gebühr, da Reisende dort nur zwei Kreuzer bezahlen mussten, während auf der Westroute, die von Adligen-Familien von Rotenhan (in Rentweinsdorf) und Schöfstall (in Reckendorf) unterhalten wurde, drei Kreuzer fällig wurden.

Als wichtigste Brücken bestanden zu dieser Zeit die Leucherhofbrücke, die Brücke in Reckendorf sowie an der Treinfelder Mühle.

Ab 1820 wandelte sich die Bedeutung der Straßen durch den Baunachgrund - aus dem Handelsweg wurde eine Dorfstraße. Über den Zustand der damaligen Wege "können wir heute mit unserer bestens ausgebauten B 279 nur schmunzeln, auch wenn wir in bestimmten Abschnitten nur 70 km/h fahren dürfen", scherzte Lipp.
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