Es ist tatsächlich möglich, nur mit dem Velo innerhalb von zwei Wochen durch sieben Balkanländer zu radeln. Startpunkt der abenteuerlichen, rund 1000 Kilometer langen Reise ist das kroatische Dubrovnik. Nach wenigen Kilometern versperrt ein Schlagbaum die Grenze zu Bosnien-Herzegowina. Schon geht's aufwärts, und nach 40 Kilometern ist Montenegro erreicht. Über Podgorica führt die Strecke in die schwarzen Berge nach Norden, dann 30 Kilometer durch Serbien, dann in den Kosovo, anschließend nach Mazedonien, und in Albaniens Hauptstadt Tirana endet die Radel-Tour.


Fahrradwege? Fehlanzeige!



Fahrradwege gibt es im Balkan natürlich nicht. Ein Biker aus den Haßbergen muss konzentriert und vorsichtig fahren, um nicht unter die Räder zu kommen. Besondere Herausforderungen sind die zahlreichen, teilweise vereisten und kilometerlangen unbeleuchteten Tunnels. Man kann sich darauf vorbereiten: mit grobem Stollenprofil auf den Reifen, gutem Radlicht, reflektierendem Helm und Warnweste.

Schwindelerregend gähnen neben der Straße Hunderte von Metern tiefe Schluchten, steil aufragend zu schneebedeckten Bergkuppen. Fast immer findet der Radfreak ein Dach über dem Kopf, nur wenige Male muss er ein Zelt aufstellen. Pässe, die weit über 1000 Meter hoch liegen, führen durch stark verschneite Landschaften. Im gerade auslaufenden Winter gab es meterhohe Schneelagen, die zahlreiche Dörfer tage- oder gar wochenlang von der Außenwelt abschnitten.

Die Menschen sind ausgesprochen freundlich und - die nächste Überraschung - viele von ihnen sprechen deutsch. Als Gastarbeiter haben sie in Deutschland einst gearbeitet und sind nun zurück in ihrer Heimat. Sie haben es vergleichsweise gut, denn die Arbeitslosigkeit ist unvorstellbar hoch, und wer einen Job hat, verdient gerade mal 200 oder 300 Euro monatlich. Die Lebenshaltungskosten dagegen sind enorm, Benzin etwa kostet 1,50 Euro pro Liter. Da wundert es nicht, dass überall an den Straßen Anhalter in abgetragenen und ärmlichen Klamotten stehen.


Gezahlt wird mit Euro



Ein Grenzoffizier grüßt beim Eintritt ins Kosovo mit einem "Wo kommen denn Sie her?" Wie sich herausstellt, gehört der Österreicher zur KFOR-Truppe. Auch Bundeswehreinheiten findet man hier. Die Militärs sichern den brüchigen Frieden zwischen Serbien und dem erst seit 2008 existierenden Neu-Staat Kosovo. Offizielles Zahlungsmittel sowohl in Montenegro als auch im Kosovo ist der Euro - obwohl beide Länder keine EU-Mitglieder sind!

In Albanien schließlich sieht man immer wieder alte Bunker - das Vermächtnis Enver Hoxhas, der bis zu seinem Tod 1985 über 40 Jahre lang das Land im stalinistischen Stil diktatorisch regierte. Er ließ für knapp drei Millionen Einwohner unglaubliche 700.000 Bunker aus Spezialbeton errichten, verteilt über ein Staatsgebiet, das nicht mal halb so groß ist wie Bayern. Das sollte die Invasion jedweder ausländischen Macht unmöglich machen. Inzwischen wurden die meisten der Beton-Iglus mühevoll beseitigt, rund ein Zehntel von ihnen "verziert" noch die Landschaft.