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Knetzgau
Bildung

Auf das richtige Maß kommt's an

Der Schulpsychologe Stephan Deinersprach in der Knetzgauer Schule vor Lehrern aus dem ganzen Landkreis darüber, was Kinder stark macht.
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Der Schulpsychologe Stephan Deiner sprach in Knetzgau mit den Lehrern.  Foto: Sabine Weinbeer
Der Schulpsychologe Stephan Deiner sprach in Knetzgau mit den Lehrern. Foto: Sabine Weinbeer
Auch aus schlechten Rahmenbedingungen heraus seinen Weg gehen, Schicksalsschläge, Misserfolge bewältigen, das umschreibt der Begriff "Resilienz". Doch was macht Menschen, vor allem Kinder, stark für die Herausforderungen des Lebens? Der Fragestellung "Was Kinder stark macht" und wie die Lehrkräfte und Betreuerinnen im Ganztag dazu beitragen können, war Thema einer Lehrerfortbildung mit dem Therapeuten und Schulpsychologen Stephan Deiner. Ganztags-Lehrkräfte aus dem ganzen Landkreis kamen dazu an die generalsanierte Dreiberg-Schule nach Knetzgau.

Manche Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen und gehen trotzdem ihren Weg. Manche Kinder verzweifeln an familiären Problemen oder schlechten Noten, andere bewältigen solche Situationen. Was macht Kinder stark, um mit Widrigkeiten im Leben umgehen zu können? Dieser Frage ging Stephan Deiner gemeinsam mit den Lehrkräften und Erziehern auf den Grund. Dabei ging es auch darum, die Lehrkräfte zu stärken im Umgang mit "schwierigen" Schülern - und auch im Umgang mit den Eltern.


Aschenputtel und Prinzen

"Von drei Aschenputteln findet eines den Prinzen", erklärt Stephan Deiner. Mit entsprechender Unterstützung, die durchaus in der Ganztagsschule stattfinden kann, können bei vielen Kindern Defizite ausgeglichen werden. Das erfolgreiche Drittel hat gewisse Stärken wie eine angemessene Selbsteinschätzung, Impulskontrolle und eine positive Einstellung. Sie sind überzeugt, eine Lösung zu finden, sind bereit, Hilfe dazu anzunehmen, und können Informationen angemessen verarbeiten und zu ihrem Vorteil nutzen. Analysieren, planen und entscheiden zu können, das seien Stärken, aber auch "mit sich selbst mal gnädig zu sein".
Einen Rückschlag im Aufbau von Zutrauen und Selbstbewusstsein bringe aber oftmals das Schulsystem in seiner derzeitigen Form, sagte er. Viele anwesende Lehrkräfte bestätigten, dass Mittelschüler in der fünften Klasse oft sehr wenig Selbstwertgefühl hätten, sich "aussortiert" fühlten. Ihnen und auch den Eltern müsse erst wieder bewusst gemacht werden, wie viele Wege die Mittelschule eröffnet. Genauso schlecht sei es aber für Kinder, sich etwa im Gymnasium vor unlösbaren Aufgaben zu sehen, hieß es weiter.


Unterscheidung

Deiner betonte, die Kunst sei zu erkennen, was möglich ist, aber sich auch realistisch damit abzufinden, was nicht beeinflusst werden kann. Er zeigte Methoden auf, wie man Kindern dieses Selbstverständnis vermittelt und wie man auch im Elterngespräch mit diesen Themen umgeht.
Stark werden Kinder beispielsweise durch positive Bindungserfahrung. Das fehlende Grundvertrauen als Säugling könne nichts im Leben wett machen, auch auf die Stabilität von Eltern-Beziehungen habe die Schule keinen Einfluss, aber eine positive Bindung könne auch an Lehrkräfte oder Betreuer erfolgen und auch die Identifikation mit der Schule sei ein Baustein.


Wurzeln und Flügel

Wie immer im Leben gelte es auch bei der Unterstützung, das richtige Maß zu finden, erklärte der Schulpsychologe. "Man kann auch überstützen", warnte er. Wurzeln und Flügel zu geben, das sei das Geheimnis einer gelingenden Erziehung sowohl im Elternhaus als auch in der Schule.
Die teilnehmenden Lehrkräfte empfanden die Fortbildung zum einen sehr lehrreich, zum anderen auch als Stärkung. Gerade im Ganztag könnten sich Lehrer aufreiben, wenn sie meinen, jedes Problem lösen zu müssen. "Ein Stück weit soll dieser Tag auch Kraft schenken", so Silke Tödter und Sven Steger, die das "Netzwerk Ganztag" im Kreis Haßberge leiten.

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