Gleisenau
Flüchtlinge

Asylbewerber in Gleisenau zeigen ihre Mitbringsel aus der Heimat

In Gleisenau wohnen Asylbewerber fern ihrer Heimat. Welche Erinnerungsstückte konnten sie auf ihrer Flucht nach Deutschland mitnehmen?
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Esmati Faisal ist stolz auf seinen afghanischen Geldschein. In Afghanistan arbeitete er bei der Bank. Sie hat ihm den Ledergeldbeutel geschenkt. Fotos: Ronald Heck
Esmati Faisal ist stolz auf seinen afghanischen Geldschein. In Afghanistan arbeitete er bei der Bank. Sie hat ihm den Ledergeldbeutel geschenkt. Fotos: Ronald Heck
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"Was konntet ihr auf eurer Flucht aus der Heimat mitbringen?" Viele Asylbewerber reagierten verwundert auf die Frage, sagt Werner Schöpplein, der ehrenamtliche Asylbetreuer in Gleisenau. Flüchtlinge reisen nur mit leichtem Gepäck: Kleidung, Handy und nützliche Kleinigkeiten. Das Wenige, das sie mit nach Deutschland retten konnten, ist für die Flüchtlinge jedoch von großer Bedeutung.


Erinnerungen an die Heimat

In der Asylunterkunft in Gleisenau leben zurzeit 19 Asylbewerber. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan. Als sie nach Gleisenau kamen, hatten die meisten nur ein paar Gepäckstücke und Kleidung dabei. Viele der Asylbewerber haben gar keine Dinge aus ihrer Heimat mehr.

Ein beiges, knielanges Obergewand, eine passende beige Stoffhose und ein schwarz-weißer Schal - traditionelle Kleidung trägt Amanollah Khan am liebsten. "Es ist sehr bequem", weiß der 26-jährige Afghane, westliche Hosen trage er nicht so gerne. Die afghanische Kleidung trug er auch während der Flucht. Sie ist das einzige Erinnerungsstück, das Khan heute noch hat.

Nur zwei Dinge konnte Esmati Faisal aus Afghanistan mitbringen: Geldbeutel und einen afghanischen Geldschein (20 "Afghani" - ungefähr 25 Cent wert). Stolz zeigt er auf das Logo auf dem Geldschein: "Hier habe ich gearbeitet." Vor seiner Flucht war der 26-Jährige bei der afghanischen Bank angestellt. Er zeigt Bilder auf seinem Handy von seinen ehemaligen Kollegen und wie er in seinem Büro sitzt. "Der Geldbeutel ist aus afghanischem Leder. Die Bank hat ihn mir geschenkt," sagt Esmati Faisal.


Auf der Flucht beraubt

Agig Ullah Sultani hat gar nichts mehr aus seiner Heimat. Er erinnert sich nur ungern an seine Flucht aus Afghanistan. In Bulgarien habe die Polizei ihm Handy, Geldbeutel und Kleider weggenommen. Andere Flüchtlinge berichten von ähnlichen Vorfällen in der Türkei.

Mohammad Hussein, ein syrischer Asylbewerber, hatte mehr Glück. In Istanbul hat er sich einen Ring gekauft - der erinnert ihn jetzt immer an seine Flucht nach Deutschland. Offensichtlich tragen alle Asylbewerber in Gleisenau ihre Mitbringsel am Körper. Meist sind es Alltagsgegenstände. Man erkennt nicht, dass die Dinge aus den Heimatländern der Flüchtlinge stammen. Mutee Hakimah Abou zum Beispiel hat nur noch einen Ring und eine Uhr aus Syrien.


Aus der Kleiderkammer

Die meisten Mitbringsel sind Kleidungsstücke. Wenn die Flüchtlinge nach Deutschland kommen, bräuchten sie aber neue Kleider, sagt Asylbetreuer Schöpplein. "Bei uns in Gleisenau können sich die Asylbewerber neu einkleiden." Im ersten Stock der Unterkunft gibt es einen ganzen Raum mit Kleiderspenden. Pro Kleidungsstück bezahlten die Bewohner der Asylunterkunft einen kleinen Beitrag, damit sie die Kleider nicht einfach wieder wegwerfen, erklärt Schöpplein. Mohammad Mahmoud, der zusammen mit Bruder und Sohn aus Syrien flüchtete, deutet auf seine Jacke und seine Hose. Ansonsten konnte er nichts aus Syrien mitnehmen.


Erbstücke

Sein Bruder Zen Aldeen Mahmoud hütet besondere Schätze. Er besitzt ein Trikot, auf dem "Kurdistan" steht. Und eine kurdische Flagge ziert seinen Schlüsselanhänger. Die Familie Mahmoud sind Kurden, die größte ethnische Minderheit in Syrien. Zen Aldeen Mahmoud träumt von einem kurdischen Staat, den es heute noch nicht gibt. Der Schlüsselanhänger ist ein Geschenk von seiner Mutter. Sie hat ihm außerdem einen kleinen Spiegel und eine Nagelschere vererbt. Diese Mitbringsel liegen ihm besonders am Herzen, seine Mutter ist vor kurzer Zeit in Syrien verstorben.

Aus seiner Heimat stammt außerdem ein Rassierapparat ohne Klinge. "Der ist 50 Jahre alt und gehörte meinem Vater." In seinem Geldbeutel trägt er zudem ein kleines Familienstammbuch und die Kopie seines syrischen Ausweis mit sich. "Die Originale haben die Deutschen," sagt Zen Aldeen Mahmoud.

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