Ebern

Arbeit im Bauhof in Ebern lenkt ab und integriert

Im Bauhof in Ebern packen seit Anfang dieses Jahres drei Männer mit an, die ihre Heimat verlassen haben. Die Stadt Ebern hofft, die Beschäftigung von Asylbewerbern im nächsten Jahr weiter auszubauen. Das ist aber eine Geldfrage.
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Der Bauhof beschäftigt seit diesem Jahr drei Asylbewerber. Foto: Sarah Dann
Der Bauhof beschäftigt seit diesem Jahr drei Asylbewerber. Foto: Sarah Dann
Es riecht nach Farbe, nach Lack, genauer gerochen. In der Malerwerkstatt des Bauhofs in Ebern sind unter anderem Holz-Sitzbänke aufgestellt. Bereit, einen neuen Anstrich zu bekommen. Den schenkt ihnen zum Beispiel Leonid Hurko.

Leonid Hurko ist gebürtiger Ukrainer und hat in Unterfranken, hier in Ebern, mit seiner Ehefrau und seinen Kindern eine neue Heimat gefunden.

Mittlerweile wohnt er nicht mehr nur in Ebern, er arbeitet hier auch. Im Bauhof konnten Anfang des Jahres zwei Asylbewerber - inzwischen sind es bereits drei - eingestellt werden. Sie werden stundenweise eingesetzt, bekommen dafür weniger ein richtiges Gehalt, als viel mehr eine Aufwandsentschädigung für ihre gemeinnützige Tätigkeit: 1,05 Euro pro Stunde, erklärt Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), mehr geht aufgrund der bürokratischen Rahmenbedingungen nicht.


Mehr als nur eine Beschäftigung

Aber für Männer wie Leonid Hurko und seinen Kollegen Mustafa Ahmed Haye, der bei der Grünanlagenpflege mit anpackt, zählt wohl mehr als die Zahl vor dem Eurozeichen. Die Männer, die ihre Heimat verlassen haben, bekommen im Bauhof vor allem lebensnahen Deutschunterricht von Kollegen, der mit keiner normalen Unterrichtsstunde zu vergleichen ist, Abwechslung im Alltag und eine sinnvolle Aufgabe.

Gestern Vormittag wurde Leonid Hurko bei seiner Arbeit unterbrochen und bekam ganz rote Wangen, bei all den Besuchern in der Malerwerkstatt. Bauhofleiter Christian Raehse kam mit dem Bürgermeister und den Verantwortlichen des Asylhelferkreises im Bauhof vorbei, um die erzielten Erfolge in Sachen Integrationsarbeit zum Ende des Jahres noch einmal herauszustellen.

Die Beschäftigung der drei Männer im Bauhof gehört für die Beteiligten auf jeden Fall dazu. Genauso wie die Tatsache, dass in den Flüchtlingsunterkünften kabelloses Internet installiert wurde, um den Menschen, die aus Krisengebieten geflohen sind, die Chance zu geben, in Verbindung mit der Heimat zu bleiben.

Knapp über 200 Asylbewerber leben aktuell in Ebern in verschiedenen Unterkünften. Christian Raehse sieht es als Pflicht, als Selbstverständlichkeit, wie er meint, dass eine städtische Einrichtung wie der Bauhof eine ist, so etwas leistet. Schließlich müsse gerade an solchen Arbeitsstätten mehr als nur effizientes Wirtschaften eine Rolle spielen, meinte er. Und Helfer wie Leonid Hurko in der Malerwerkstatt oder Mustafa Ahmed Haye bei der Arbeit draußen - solche würde Raehse jederzeit wieder in sein Team aufnehmen.

Hennemann erklärte in diesem Rahmen jedoch auch, dass es für eine Verwaltung nichtsdestotrotz eine finanzielle Frage darstellt. Das schilderte er dem ehemaligen Eberner und Geschäftsführer der Software-Sicherheitsfirma Kaspersky, Holger Suhl, als er sich bei Hennemann meldete. Suhl ist in Neuses aufgewachsen, war bis nach seinem Wehrdienst in Ebern verwurzelt und hat sich entschieden, die Asylarbeit in seiner Heimat mit 5000 Euro zu unterstützen. Ein Teil des Geldes soll speziell in weitere Beschäftigungsverhältnisse fließen, erklärte Hennemann. Oder aber auch für den Sozialbus oder die Kleiderausgabe eingesetzt werden können.


Integration funktioniert im Alltag

Wie Franz Josef Zeheter vom Asylhelferkreis verkündete, läuft die Kleiderausgabe in Ebern so langsam an. Im neuen Jahr dann, ab dem 12. Januar, öffnet seine Frau Maria offiziell immer dienstags die Türen der Kleiderkammer. Gab es anfangs noch Schwierigkeiten bei der Organisation der Kleiderausgabe, soll es jetzt geordneter zugehen.

Einem Punkt konnten alle Anwesenden beipflichten: "Das Integrieren kann man nicht vom Bayerischen Landtag aus machen", das sagte Steffen Vogel (CSU). Von der Malerwerkstatt aus im Bauhof in Ebern, von dort aus scheint es aber ganz gut zu klappen mit der Integration.
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